Olten
Tiger und vegetarisch– das geht zusammen

Die im Aufbau befindliche Kette Vegitat hat den ersten vegetarisch orientierten Take-away in der Stadt lanciert. Hinter der Theke steht Tarik Kaplan, Kaplan bedeutet auf Deutsch «Tiger».

Urs Huber
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Normal oder mild? Tarik Kaplan bei der Zubereitung einer Portion «Cigköfte» im ersten Take-away Oltens, der ausschliesslich vegetarisches Essen anbietet.

Normal oder mild? Tarik Kaplan bei der Zubereitung einer Portion «Cigköfte» im ersten Take-away Oltens, der ausschliesslich vegetarisches Essen anbietet.

Urs Huber

Es mutet fast ironisch an, wenn ausgerechnet ein «Tiger» vegetarische Happen zubereitet. Nicht alltäglich zwar, aber in Olten durchaus möglich. Tarik Kaplan nämlich führt seit einem knappen Monat Oltens ersten und einzigen vegetarisch orientierten Take-away. Und wo ist der Tiger? Ah ja, Kaplan ist Türke und Kaplan bedeutet auf Deutsch «Tiger». Der 32-Jährige, in Olten aufgewachsene Kaplan muss ob diesem Zufall selbst ein bisschen schmunzeln.

Alles andere aber ist jenseits von Ironie. Ein Bekannter Kaplans hat vor Jahresfrist in Basel einen Take-away für Vegetarier eröffnet. Und weil man dort feststellte, viele Kunden aus der Region Olten, Zofingen, Solothurn und Aarau bedienen zu können, eröffnete man flugs einen Laden in Olten. An der Aarauerstrasse 90. «Ich bin bislang sehr zufrieden mit dem Geschäftsgang», sagt Tarik Kaplan. «Die Lokalität ist gut positioniert, es finden sich viele Schulen in nächster Umgebung, die Preise sind moderat und vegetarische Kost hat Aufwind.» Nicht zuletzt aus ethischen Gründen. Kaplan selbst weiss das. «Wer jemals gesehen hat, wie Nutztiere heute gehalten werden, der kann die Umstellung auf vegetarische Kost gut verstehen», sagt er. Dem gelernten Offsetdrucker jedenfalls, der seit vielen Jahren im Take-away-Geschäft mittut, ist es so ergangen.

Ausbau im Visier

Vegitat wächst. Bereits ist eine Geschäftsstelle in der Region Zürich angedacht, wie man so schön sagt. Und beschäftigen will man sich natürlich grundsätzlich auch mit einem Sortimentsausbau, auch in Olten. Tarik Kaplan nickt. Für Veganer (Menschen, die auf jede Nutzung von Tieren und tierischen Produkten verzichten) nämlich hält Vegitat in Olten bislang lediglich das Kichererbsen-Dürüm (Nohut-Dürum) im Angebot bereit.

Paste aus Gewürzen und Weizen

Was aber nun ist die vegetarische Note an der Aarauerstrasse? Ganz einfach. Die Cigköfte, eine aus Weizen, Gemüse und bald zwei Dutzend Gewürzen bestehende Paste, die «würzig pikant oder weniger scharf» angeboten wird, wie der Werbeflyer verrät. Wer sich für die würzig-pikante (normale) Version entscheidet – so das Resultat im Selbstversuch – trägt das prickelnde Feeling in Mund- und Rachenraum noch für einige Zeit mit sich herum. «Die Wirkung entfaltet sich etwas verzögert», sagt Kaplan dazu. Stimmt. Aber lecker ist es allemal. «Es lässt sich mit Zitronensaft und Granatapfelsirup versetzen», hängt der «Tiger» an. Entweder oder? Oder gar mit beidem? «Auf Wunsch mit beidem», sagt der Take-away-Spezialist. Wer davon übrigens schier nicht genug kriegen kann, der bestellt sich an der Aarauerstrasse eine XL-Portion, was 500 Gramm entspricht, drapiert mit Tomaten, Salaten und andern Gemüsen. So jedenfalls lässt’s der Flyer ahnen.

Kundschaft bunt gemischt

Der vegetarisch ausgerichtete Take-away in türkischen Händen kann bereits auf eine breite Kundschaft zählen. Dabei ist die Werbung bislang eher dünn ausgefallen. «Ich bin auf Facebook in verschiedenen Vegetarier-Gruppen dabei», so Kaplan. Da spreche sich die Existenz eines solchen Geschäfts schnell herum. «Rund 40 Prozent unserer Gäste sind Schweizerinnen und Schweizer, der Rest ist bunt gemischt, häufig natürlich Türkinnen und Türken», sagt Kaplan. Die besten Zeiten sieht das Geschäft jeweils nach Feierabend oder – logischerweise – um die Mittagszeit. Und weil auch Take-away-Gäste wert auf einen gewissen Komfort legen, gibts Sitzgelegenheiten und ein Raucherabteil. «Es ist wichtig, dass sich unsere Gäste hier auch wohlfühlen können», sagt Kaplan. Sieben Tage die Woche. Zum Wohlfühlen gehört irgendwie halt auch der Preis. Für einen Fünfliber können sich Mann und Frau bei Vegitat verpflegen: vom Dürüm über Kuskus-Salat bis zu Gemüse-Frites. Eine Kundin wartet auf ersteres. Sie hat, wenn nicht alles täuscht, die mildere Variante gewählt. Kaplan ist sehr zuversichtlich, dass sich die Idee des vegetarisch orientierten Take-aways durchsetzen und etablieren wird. «Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass dies nicht so sein soll», sagt er optimistisch und streicht mit dem Handballen einen Cigköfte-Ball über ein dünnes Fladenbrot. Er lacht. So sehen also «Tiger» aus, die zum kulinarisch inspirierten Sprung ansetzen.