Kantonsratswahlen

Thaler wählen vor allem Thaler, Gäuer auch Thaler

Bechburg in Oensingen (Bezirk Gäu) und Neu Falkenstein in Balsthal (Bezirk Thal)

Bechburg in Oensingen (Bezirk Gäu) und Neu Falkenstein in Balsthal (Bezirk Thal)

10 der 13 gewählten Kantonräte aus der Amtei kommen aus dem Thal, nur gerade drei aus dem Gäu. Was sagen Amteipräsidenten der CVP, FDP, SVP und SP dazu?

Gemessen an der Bevölkerung müsste das Gäu im Kantonsrat mit sieben Sitzen vertreten sein, das Thal mit sechs. Die Realität sieht indessen ganz anders aus: 13 der gewählten Kantonräte aus der Amtei kommen aus dem Thal, nur gerade drei aus dem Gäu – wie bereits vor vier Jahren. Warum das so ist, konnte CVP-Amteipräsident Peter Dietschi auf Anfrage nicht schlüssig beantworten, wie er einräumte. «Darüber haben wir uns noch keine weiteren Gedanken gemacht, schliesslich sind wir als Amtei mit einer gemeinsamen Liste angetreten.»

Wähler entscheiden an der Urne

Das anerkanntermassen bestehende Missverhältnis zwischen dem Thal und dem Gäu sei bei den fünf Sitzen der CVP aber nicht stark ausgeprägt, erwähnt Dietschi mit dem Verweis auf Sandra Kolly-Altermatt aus Neuendorf und Karin Kissling-Müller aus Wolfwil. Er verstehe zwar, dass sich die Bevölkerung im Gäu eine stärkere Vertretung im Kantonsrat wünsche. Am Schluss entscheide aber das Verhalten der Wähler an der Urne darüber, wer im Kantonsrat Einzug halte.

SVP sieht auch Gäuer im Kantonsrat

Auf die Wählerschaft im Thal konnte sich einmal mehr die SVP verlassen. Gewählt wurden mit Beat Künzli aus Laupersdorf und Claudia Fluri-Halbeisen sowie Hansjörg Stoll, beide Mümliswil, ausschliesslich Thaler. Die drei SVP-Kandidaten aus dem Gäu blieben chancenlos. Amteipräsident Stoll glaubt, dass vor allem die im Thal eingesessene Bevölkerung den Unterschied ausmacht. «Die SVP ist im Thal stark verwurzelt, wir werden wahrgenommen.» Im Gäu gebe es hingegen viel mehr Zugezogene, die sich weniger aktiv am politischen Geschehen beteiligten. Das wirke sich auch auf das Wahlverhalten aus.

Die ungleiche Vertretung der beiden Bezirke im Kantonsrat ist für Stoll aber nicht in Stein gemeisselt. Wenigstens in Bezug auf die SVP. «Wenn ich in vier Jahren nicht mehr antrete, könnte durchaus ein Gäuer meinen Platz im Kantonsrat einnehmen.» Mit der Gründung der SVP Härkingen sei neben der Kreispartei Oensingen-Kestenholz-Wolfwil im Gäu eine neue Kraft entstanden, auf die man aufbauen wolle. Im Visier hat Stoll auch die Gemeinde Egerkingen, wo er sich die Gründung einer weiteren Ortspartei vorstellen könnte. Dies vor allem im Zusammenhang mit der geplanten Asylunterkunft auf der Fridau. «Wenn es die SVP dort braucht, werden wir aktiv.»

«Gute Arbeit der Bisherigen»

Dass nach dem Wahlgang am Sonntag nicht mehr Gäuer Vertreter im Kantonsrat als bis anhin sitzen, ist für FDP-Amteipräsident Rolf Stadelmann keine Überraschung. Für ihn sei die Wahl ganz im Zeichen der bisherigen FDP-Vertreter gestanden. Karin Büttler (Laupersdorf), Rosmarie Heiniger (Gänsbrunnen) und Enzo Cessotto (Balsthal) haben ihre Arbeit nach Einschätzung von Stadelmann gut gemacht. «Die können wir doch nicht einfach aufs Abstellgleis stellen, nur um die Gäuer Position im Kantonsrat zu stärken.» Dass die FDP den vor vier Jahren durch den Abgang von Ruedi Nützi (Wolfwil) verlorenen Sitz zurückerobern könne, habe man nicht erwarten dürfen.

Bartholdi als Lichtblick

Als Lichtblick wertet Stadelmann die Wahl von Johanna Bartholdi. «Damit konnten wir erwartungsgemäss den frei gewordenen Sitz von Reinhold Dörfliger (Egerkingen) neu besetzen.» Der Wahlausgang lasse den Schluss zu, dass Thaler vor allem Thaler wählen und die Gäuer zwar Gäuer, aber auch Thaler. Chancen, die Sitzverteilung im Kantonsrat zugunsten des Gäus zu verändern, sieht Stadelmann erst wieder in vier Jahren. Wenn vielleicht einige Kantonsräte aus den Thal nicht mehr antreten.

Auf einen Gäuer Kantonsrat muss die SP auch weiterhin warten. Amteiparteipräsidentin Daniela Gerspacher ist zufrieden, dass Kandidat Fabian Müller (Balsthal) wiedergewählt wurde und die SP ihren Wähleranteil halten konnte. Im Gäu sei der Boden für eine linke Partei sehr steinig. «Es braucht immer noch Mut, sich in einer Gäuer Gemeinde zur SP zu bekennen.» Jüngstes Beispiel sei Beat Haller aus Neuendorf, der sich als Unabhängiger Gemeinderat von der SP losgesagt habe.

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