Olten

Temperamentvoll und Sinnlich: Starpianistin begeistert im Stadttheater

Khatia Buniatishvili und das Kammerorchester Basel sorgten für Begeisterungsstürme im Stadttheater.

Khatia Buniatishvili und das Kammerorchester Basel sorgten für Begeisterungsstürme im Stadttheater.

Begeisterungsstürme für Khatia Buniatishvili und das Kammerorchester Basel: Die Starpianistin überzeugte an der ausverkauften Schumann-Gala im Stadttheater Olten.

Kraftvoll und energisch hämmert Khatia Buniatishvili die ersten drei Takte des Schumann-Klavierkonzerts auf die Tasten und hörte dann konzentriert den sanften Tönen der Holzbläser zu, die das Hauptthema des ersten Satzes anstimmen. Diese unglaubliche Kraft ist eine der beeindruckenden Stärken, die Buniatishvili raffiniert einsetzt.

Die 30-jährige Starpianistin bearbeitet in den Fortissimi den Steinway-Flügel geradezu, als wäre er eine Art instrumentaler Amboss. Ohne Rücksicht auf Haltung knallt sie ihre Finger ausgestreckt auf die Tasten, die schwarzen Haare, die ihr ins Gesicht fallen, wirft sie mit einem Ruck zurück. Doch die im körperengen roten Abendkleid musizierende Wahlpariserin kann auch anders. Bei den leisen Stellen zeigen ihre Hände vorbildlich jene Körbchenhaltung, die mir meine Klavierlehrerin vergeblich beizubringen suchte. Ihre Finger bewegen sich kaum, hauchzarte Pianissimiperlen mit unglaublicher Präzision aus dem Instrument. Ein Genuss!

Star ohne Allüren

Der romantische Komponist Robert Schumann hat sein Klavierkonzert a-Moll, op. 54 seiner Ehefrau gewidmet, der viel bejubelten Klaviervirtuosin und Komponistin Clara Wieck, die es denn auch 1845 in Dresden erfolgreich uraufgeführt hat. Sie war ein pianistisches Wunderkind und wohl eine der brillantesten Solistinnen ihrer Zeit – beides gilt heute auch für Khatia Buniatishvili. Freilich ist die in Georgien geborene Künstlerin ein Weltstar ohne Allüren. Als sie in der Pause im Foyer nach Hause gehen wollte, erhielt sie nochmals spontanen Applaus und bedankte sich links und rechts mit freundlichen Worten.

Mit zwei innig gespielten, liebevollen Zugaben hatte sie vorher das Publikum verwöhnt – mit dem zart gesponnenen «Clair de lune» von Claude Debussy und auf Wunsch von Stadttheater-Geschäftsführer Herbert Schibler mit der Klavieradaption der Bach-Kantate «Schafe können sicher weiden». Ein weiter Weg von Schumann zu Debussy und Bach? Nicht bei Khatia Buniatishvili, die ihr immenses Temperament und ihre berauschende Sinnlichkeit eben mit grosser Feinfühligkeit und unglaublicher Zartheit verbindet.

Videomitschnitte ihrer Konzerte sind auf Youtube ein Renner. Sie erreicht damit ein Publikum abseits der traditionellen Konzertsäle und möglicherweise finden einige dieses Youtube-Fans dann erfreulicherweise auch den Weg in die Säle: Jedenfalls, in Olten gab es viele junge Gesichter zu sehen und nach dem ersten Satz wurde freundlich geklatscht. Khatia Buniatishvili dankte lächelnd.

Youtube: «Clair de lune» (Claude Debussy) gespielt von Khatia Buniatishvili

Maestro alter Schule

Mit der spannungsvollen Ouvertüre zu Schumanns einziger und erfolgloser Oper «Genoveva» eröffnete das brillant musizierende und motivierte Kammerorchester Basel den Konzertabend. Schumann beschreibt in diesem hochromantischen Stück die Einsamkeit und Sehnsucht einer liebenden, von ihrem Mann getrennten und von anderen verleumdeten Frau: Er zeigt diese Zerrissenheit nicht nur mit einigen kurzen Dissonanzen, sondern auch mit den verschiedenen musikalischen Themen, die er jeweils den Streichern und den Bläsern zuweist.

Schumanns wunderbare Sinfonie Nr. 3, Es-Dur, op. 97 beschloss den Abend: Mit ihren Anklängen an volkstümliche Melodien vermittelt die 1850 in Düsseldorf niedergeschriebene Sinfonie viel rheinische Lebensfreude und im Finale sogar Anklänge an den dortigen Karneval – obwohl Schumann diesen nie selber erlebt hat.

Der erfahrene Schweizer Dirigent Mario Venzago, in seinem Frack ein Maestro alter Schule, dirigierte einfühlsam und präzise, mit viel Spannung und Körpereinsatz. Und wohl deshalb wagte er bei den heiteren Ländlerklängen ein elegantes seitliches Tanzschrittchen...

Auch Mario Venzago verdankte übrigens den Zwischenapplaus nach dem ersten Satz der Sinfonie mit einem Lächeln und warf zum Schluss ein paar Rosen seines Blumenstrausses ins begeisterte Publikum.

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