Wangen bei Olten
Teenager will lieber Tiere züchten als gamen

Lukas Pfefferli (bald 16) aus Wangen bei Olten setzt sich für bedrohte Nutztierrassen ein und gewinnt damit den ersten Preis beim Solothurner Jugendprojektwettbewerb.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Lukas Pfefferli beim Start seines Zuchtprojektes mit seinen ersten Bündner Strahlenziegen Fanny und Quinto im Frühling 2012.

Lukas Pfefferli beim Start seines Zuchtprojektes mit seinen ersten Bündner Strahlenziegen Fanny und Quinto im Frühling 2012.

Judith Pfefferli

Lukas Pfefferli ist der jüngste Sohn der Bauernfamilie von Judith und Franz Pfefferli aus Wangen bei Olten. Er steht derzeit im ersten Jahr seiner Ausbildung zum Landwirt, das er in einem Betrieb in Wangen an der Aare absolviert. Anfang Dezember 2014 wurde ihm in Olten der erste Preis im Wettbewerb «Kinder- und Jugendförderung Kanton Solothurn 2014» überreicht. Das sei eine Überraschung gewesen, sagt Lukas, dem die Freude über diesen Preis auch heute noch anzumerken ist. Durch einen Lehrer sei er auf den Wettbewerb aufmerksam geworden, erzählt er, und seine Familie, besonders seine Mutter, habe ihn bei der Umsetzung unterstützt. «Arterhaltung alter Schweizer Tierrassen» heisst seine eingereichte Arbeit und er erzählt, wie er zu diesem Thema kam. «Vor drei Jahren las ich einen Bericht von Pro Specie Rara, dass neue Züchter für die Arterhaltung alter, vom Aussterben bedrohter Tierrassen gesucht werden. Ich erkundigte mich bei der Organisation und überlegte, wie und wo ich mich am besten dafür einsetzen könnte.»

Lukas Pfefferli wollte sich für die Zucht der Bündner Strahlenziegen und des Schweizer Huhns engagieren. «Da es natürlich auch Geld brauchte, habe ich alles mit meinen Eltern besprochen. Sie waren einverstanden, und ich durfte altes, bestehendes Bau-Material für Ställe und Gehege verwenden», schreibt er über den Start seiner Zucht in seinem Projektbeschrieb. Die Ziegenzucht startete er mit den zwei Bündner Strahlenziegen Fanny und Quinto, die er von seinen Eltern im Frühling 2012 geschenkt bekam. «Dies war fürs Helfen auf dem Bauernhof, statt Sackgeld», schreibt Lukas weiter. «Während der kommenden zwei Jahre setzte ich dann die gesamte Freizeit in die Planung und den Bau eines Ziegenstalles, den Umbau des Hühnerhauses, den Bau des Geheges und schliesslich in die Aufzucht der Küken und Ziegen ein.» Lukas erstellte Baupläne, studierte Tierschutzbestimmungen, ebnete Terrain aus, baute zusammen, setzte Futtertröge und Wasserspender ein und konnte dann seine zwei Ziegen im Winter 2013 im neuen Stall einquartieren. Im Werkunterricht konnte er dann noch eine schöne Futterkrippe bauen und schon im Frühling hatte der Jungzüchter Glück im Stall: Ein Junges von Fanny kam auf die Welt und wurde Ruedi getauft. Die Ziegenherde wuchs mit dem Zukauf eines weiteren Paares stetig an; heute leben neun Tiere auf dem Bauernhof von Familie Pfefferli.

Zuchterfolg konnte Lukas auch mit dem Schweizer Huhn ab März 2013 verbuchen, dies ebenfalls eine Pro-Specie-Rara-Rasse. Zwar stand sein Vater diesem Vorhaben zunächst etwas skeptisch gegenüber, berichtet Lukas, da er ja wegen der bald zu beginnenden Berufslehre mehrheitlich ausser Haus leben würde. Seine Mutter erklärte sich aber bereit, auch die Pflege dieser Tiere während seiner Abwesenheit zu übernehmen. Und so startete der junge Berufsmann die Zucht seiner der zweiten Tierart. 15 Küken konnte er bei einer Züchterin abholen, für die er vorher einen Hühnerstall mit geeigneter Einrichtung bauen musste. «Viele Sachen, die ich für die Hühnerzucht brauchte, hatten wir schon», schreibt Lukas in seinem detailliert ausgearbeiteten Projektbericht. Nach drei Wochen Aufzucht waren die Junghühner etwa so gross wie eine Faust geworden und konnten sich zum ersten Mal draussen aufhalten. Lukas beobachtete das Aufwachsen der Tiere sehr genau und hielt ihr Verhalten und ihre körperliche Entwicklung in seinem Projektbeschrieb fest. Heute leben von den 15 Küken noch sieben Hennen und ein Hahn auf dem elterlichen Hof.

Die beiden Rassen, die Lukas Pfefferli züchtet, sind beide auf der Pro-Specie-Rara-Liste, also auf der Liste der aussterbenden Nutztiere, weil es keine spezialisierten Rassen sind, wie sie heute gefragt sind. «Das Schweizer Huhn ist ein klassisches Selbstversorger-Huhn, wie es halt nicht mehr gebraucht wird. Es ist kein eigentliches Legehuhn, deren Vertreter fast doppelt so viele Eier legen. Doch es ist auch ein Huhn mit schmackhaftem Fleisch.» Die Bündner Strahlenziege zeichnet sich durch gute Milch- und Fleischleistung aus. Sie ist kein maximaler Milchproduzent, dagegen aber ein widerstandsfähiger Berggänger.» In Zukunft wünscht sich Lukas Pfefferli, weitere Pro-Specie-Rara-Tiere züchten zu können. «Die Kupferhalsziegen würden mich auch sehr interessieren.»