Olten

Taxifahrer wehrlos im Falle eines Angriffs: «Wir können nicht viel machen»

Die plafonierte Anzahl der Konzessionen für Taxibetriebe bleibt in Olten vorderhand bestehen.

Die plafonierte Anzahl der Konzessionen für Taxibetriebe bleibt in Olten vorderhand bestehen.

Nach einem tätlichen Angriff auf einen Taxifahrer stellt sich in der Branche die Frage: Was tun dagegen? Die meisten Taxifahrer verzichten auf irgendwelche Verteidigungsinstrumente.

Der Angriff auf einen Taxichauffeur in der Nacht auf vergangenen Freitag sorgt für eine gewisse Angst unter den Berufskolleginnen und -kollegen des Opfers, der beim Überfall leicht verletzt wurde. Auf den polizeilichen Zeugenaufruf haben sich Personen gemeldet, die Beobachtungen zum Vorfall gemacht haben wollen, wie die Medienstelle der Polizei Kantons Solothurn auf Anfrage bekannt gibt. «Natürlich können wir aus ermittlungstechnischen Gründen keine weiteren Angaben dazu machen», erklärt Sprecher Andreas Mock .

Schutzmassnahmen – Fehlanzeige

So weit – so gut. Wie aber sich schützen gegen unliebsame Überraschungen dieser Art? Diese Frage macht Taxichauffeure ein bisschen ratlos. «Viel können wir nicht machen», sagt Calpar Tahsin, der seit drei Jahren fährt und noch nie mit bedrohlichen Situationen fertig werden musste. Er führt keine Instrumente mit sich, die der Selbstverteidigung dienen könnten. So wie übrigens die allermeisten der befragten Chauffeure. Einzig Kurt Herger, vor sechs Jahren Opfer eines Überfalls mit Verletzungsfolge, hatte bis vor Kurzem einen Pfefferspray im Wagen dabei. Aber Herger fragt sich, ob er ihn überhaupt im Notfall zum Selbstschutz hätte brauchen können. Ein Überfall gehe sehr schnell, weiss er aus Erfahrung. «Kürzlich hab ich den Spray entsorgt», sagt er. Herger fährt seit 10 Jahren. Nach dem Überfall verzichtete er auf Nachtdienst. Grund? «Angst», sagt er trocken. Er könne nicht mehr bei Dunkelheit schlafen, müsse im Schlafzimmer ständig ein Licht brennen lassen. Und wenn er im Winter frühmorgens bei Dunkelheit unterwegs sei, nutzt er in Situationen, die ihm brenzlig erscheinen, die Zentralverriegelung. «Es ist nicht mehr so wie früher», meint er.

«Es ist halt einfach passiert.» So lapidar beschreibt Dragan Stevanovic die Geschehnisse von Freitag. «Natürlich wird einem ein bisschen komisch», meint er noch. Bis jetzt wurde der Serbe, der erst seit einem Jahr und nur tagsüber fährt, noch nie in brenzlige Situationen verwickelt. Nicht der Sicherheitsgedanke veranlasse ihn, bloss tagsüber zu fahren. Nein. «Ich ertrug einfach die Nachtarbeit schlecht», erklärt er.

Am liebsten auf dem Nebensitz

Es mag überraschen, aber viele Chauffeure ziehen es vor, wenn ihr Fahrgast nicht im Fond des Wagens, sondern auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. «So behält man den Gast im Auge», meint Moritz Kleiner, der seit 18 Jahren als Taxichauffeur unterwegs ist und speziell bei Nachtschicht doch einiges erlebt hat. Heute fahre er nur noch bei Tag, ohne Mittel zur Selbstverteidigung. Ebenfalls am liebsten auf dem Beifahrersitz sieht Rolf Siegrist seine Fahrgäste. Der Firmeninhaber des Aare Taxi fährt seit bald 40 Jahren. «Klar machen solche Vorkommnisse Angst», sagt er. Aber dagegen etwas zu tun, sei fast unmöglich. Immerhin weiss der Chef stets, wo sich seine Fahrzeuge befinden; deren jeweilige Standorte lassen sich an seinem Handydisplay ablesen. «Wenn einer überfällig ist, wird nachgefragt; ich habe ein untrügliches Zeitgefühl», sagt Siegrist.

Taxichauffeure sind hart im Nehmen. Allein unterwegs bei Nacht und Nebel und mit wildfremden Gästen im Wagen, die sich zunehmend schlecht benehmen. Die Angst fährt wohl immer ein bisschen mit in diesem schnelllebigen Dienstleistungsgeschäft rund um die Uhr.

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