Oltner Tanztage

Tanzmama: «Beim zeitgenössischen Tanz geht es um Emotionen»

Ursula Berger, Organisatorin der Oltner Tanztage

Ursula Berger, Organisatorin der Oltner Tanztage

Ursula Berger, Organisatorin der Tanztage, sagt in einem Interview, warum man zeitgenössischen Tanz nicht verstehen muss, um ihn zu lieben, und warum Tanzen auch ein sinnvolles Fach in der Schule wäre.

Was bedeutet Ihnen das Tanzen?

Es ist mein Lebenselixir. Wenn ich nicht tanzen kann, dann empfinde ich es so, als würde etwas Wichtiges fehlen. Das Tanzen inspiriert auch meine Persönlichkeit.

Welche Bedeutung hat Tanzen in der Oltner Gesellschaft? Welche Rolle spielen dabei die Tanztage?

Seit der Gründung des Vereins Tanz in Olten vor 19 Jahren hat sich in Olten viel getan. Durch unser Tanzfestival haben immer mehr Leute Zugang zum zeitgenössischen Tanz gefunden. Diese Art von Tanz ist halt schon nicht einfach Unterhaltung. Es ist eine Kunstform.

Kunst für jedermann?

Ja, man muss nur bereit sei, nicht zu urteilen. Mit den verschiedenen Bewegungen wollen die Tänzer Emotionen im Zuschauer wecken – gute wie auch schlechte. Man muss nur offen dafür sein.

Einige Bewegungen sehen auf der Bühne nicht wirklich schwierig aus. Da kann der Zuschauer glatt mal denken «das kann ich auch».

Es geht beim zeitgenössischen Tanz nicht allein um die Ästhetik, sondern darum, was zwischen dem Zuschauer und dem Tänzer passiert. Der zeitgenössische Tanz ist eine abstrakte Kunstform. Da geht es um Emotionen, die ausgedrückt und eben übertragen werden. In dieser Kunst muss nicht unbedingt alles erklärt werden, damit auch eigene Bilder entstehen können. 

Man muss den zeitgenössischen Tanz also nicht verstehen?

Nein. Man braucht ihn nur zu erleben. In unserer Gesellschaft sind viele noch sehr stark auf traditionelle Tänze und Bewegungsmuster fixiert. Aber viele Tanzrichtungen haben sich mit der Zeit verändert.

Und das ist gut so.

Mit der Geburt des zeitgenössischen Tanzes ist eine neue Kunstform entstanden, die es ermöglicht, intensiver mit Emotionen zu spielen, bis zum Extremum. Dabei denke ich zum Beispiel an die Choreografin Pina Bausch, die neue Tanzgeschichte schrieb und dadurch innerste Befindlichkeiten nachvollziehbar machte. In einem Stück zum Beispiel mit der Repetition einer Ohrfeige, sodass die Zuschauer den Schmerz fast nachempfinden können. Das kann dann vielen Zuschauern auch zu viel werden.
Und das ist normal.

Es gibt Fälle, in denen das Publikum sich schwertut mit dem zeitgenössischen Tanz. Das heisst oft aber nichanderes, als dass vor oder nach dem Auftritt mehr Gespräche notwendig sind.

Eine Hemmschwelle, um sich als Laie überhaupt an ein zeitgenössisches Tanzstück zu wagen, ist aber generell noch da.
Teilweise. Deshalb finde ich die Arbeit mit Schulen wichtig. Der Tanz sollte auch in der Schule unterrichtet werden. Denn jeder mag es, sich zu bewegen. Tanzen wirkt zudem befreiend und stimulierend. Weiter ist Tanzen nicht sprachbezogen; es ist eine eigene internationale Sprache. Man versteht sie, unabhängig von der Herkunft, der Religion oder vom Geschlecht.

Das sind viele Wünsche. Haben Sie etwas vor, um diese zu verwirklichen?

Nächstes Jahr – wenn der Verein das 20-Jahr-Jubiläum feiert – wollen wir die Wahrnehmung des Tanzes mit Strassenaktionen intensivieren. So werden wir versuchen, Alltagsorte zu verzaubern und sowohl Frauen als auch Männer auf das Tanzen neugierig zu machen und mitzureissen. Zudem werden wir weiterhin die Zusammenarbeit mit Schulen und andere Institutionen suchen. Denn zusammen können wir am meisten bewegen. All diese Wünsche können natürlich nur mit einem engagierten Vorstandsteam realisiert werden.

Wie stellen Sie sich die Oltner Tanztage in 10 Jahren vor?

Ich stelle mir die Tanztage noch experimenteller vor. Vielleicht auch Teil eines grösseren Ganzen; ein Zusammenschluss mit anderen Tanzveranstaltern der Schweizer Tanzszene.

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