Tanztage
Tanzfieber soll sich in ganz Olten verbreiten

Am 18. November fällt zum 20. Mal der Startschuss zu den alljährlich stattfindenden Tanztagen in Olten. Motto der diesjährigen Edition: das Jubiläum. Gross schmückt die Nummer 20 das diesjährige Plakat, und dies spiegelverkehrt.

Liliane Manzanedo
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Eröffnungstanz mit Sand 1996 von Elfi Schäfer-Schafroth.

Eröffnungstanz mit Sand 1996 von Elfi Schäfer-Schafroth.

ZVG

Die Künstler Roland Nyffeler und Christian Schumacher hatten dieses Jahr die Ehre, das Plakatbild für die Oltner Tanztage zu entwerfen. Sie entschieden sich für den Einsatz von Spiegeln.

«Da es dieses Jahr um das 20.-Jahr-Jubiläum geht, ist der Aspekt des Erinnerns – der Rückblick, aber auch das Vorwärtsblicken – ein wichtiger Bestandteil dieser Tanztage. Für das Titelbild wurde deshalb mit Spiegeln gearbeitet.

Der Tanz in Olten-Vorstand liess sich von ihrer Spiegel-Idee für die Installation in der Schützi inspirieren. Es wird eine Überraschung», erzählt Ursula Berger, Präsidentin des Vereins Tanz in Olten, dessen Vorstand die Tanztage organisiert.

Auch die Choreografien, die während der Tanztage aufgeführt werden, haben etwas mit Erinnerungen zu tun. Sie seien für alle Produktionen Motor, Ausgangslage gewesen. Der Solothurner Choreograf und Profi-Tänzer Thomas Hauert ging für sein Werk «MONO» von einer Kindheitserinnerung aus: Wie er damals Hörspielen lauschte und sich dazu bewegte.

Der Suisse-Romand Philippe Saire geht für sein Werk «UTOPIA MIA» von Woodstock aus: Was ist davon noch übrig geblieben? Er geht von seiner Jugenderinnerung aus, als er noch glaubte, man könne die ganze Welt neu zusammensetzen.

Der zeitgenössische Tanz ist ein Zusammenspiel von Zuschauer und Agierenden. Ausserdem sind die Produktionen nicht einfach Choreografien, sondern Gesamtkunstwerke: «Dazu gehören Künstler auf und hinter der Bühne, extra dafür komponierte und zusammengestellte Musik, Lichterspiel, audiovisuellen Effekte, Bühne und Ideen, die dahinterstecken.

Alles beginnt mit dem, was der Choreograf vorher gedacht hat. Seine persönliche Erinnerung ist es, die sich dann in ein zeitgenössisches Kunstwerk verwandelt.» Ein solches Gesamtkunstwerk, so rät Tanzexpertin Berger, solle man wie ein Bild im Museum betrachten und gespannt sein, was es in uns auslöst. Darin verweilen und alle seine Sinne fliessen lassen.

Die Begegnung mit dem zeitgenössischen Tanz beschränkt sich nicht nur auf die Schützi, sondern wird auch in der Galicia- und Vario Bar, im Kino Capitol, während der Workshops und auf der Strasse während der Flashmobs möglich sein: «So extrem wie dieses Jahr haben wir das bisher noch nie durchgeführt. Olten soll vibrieren, in Bewegung kommen, sich anstecken lassen. Es soll ein klarer Kontrast zwischen den unglaublichen Werken in der Schützi und den persönlichen Begegnungen in den weiteren Locations entstehen. Der 20. Geburtstag soll nicht nur in der Schützi mit traumhaften Kompositionen gefeiert werden, sondern auch in der Stadt», strahlt Ursula Berger.

Tänzerin Elfi Schäfer-Schafroth sie eröffnete die allerersten Tanztage mit einer unvergesslichen Sand-Show – lieferte dem Vorstand die besondere Idee: Sie haben die Schweizer Regisseurin Irene Loebell eingeladen, um mit ihrem Dokumentarfilm «Life in Progress» die Tanztage heute Sonntagabend im Kino Capitol einzuläuten, worin es um drei Jugendliche geht, die in Südafrika Ende der Apartheid heranwachsen. Das Tanzen verleiht ihnen eine neue Identität und sorgt für eine Wende in ihrem Leben.

Loebell wird bei jeder Kinovorstellung mit den beiden im Film mitwirkenden südafrikanischen Tänzern, Venter Teele Rashaba und Teboho Moloi vor Ort sein. Während heute der Film für die Öffentlichkeit gedacht ist, wird er im Verlaufe der Tanztage immer wieder für Schulklassen ausgestrahlt, worauf anschliessend die von Venter und Teboho durchgeführten Workshops stattfinden.

«560 Schüler werden in den Genuss des Pantsula Tanzes kommen. Dafür reservierten die Schulen diverse Turnhallen und sogar das ‹Capitol› wird zwischendurch als Tanzstudio dienen», weiss Berger. Mitmachen dürfen aber alle, nicht nur Schüler oder Schülerinnen.

Enthusiastisch fügt sie hinzu: «Mit Venter und Teboho haben wir zwei richtige Begegnungen! Zwei Menschen, mit denen man künstlerisch arbeiten kann.»

Die Produktionen sind Juwelen. Trotzdem kann es sein, dass sie jemandem nicht gefallen: «Viele Leute haben eine gewisse Schwellenangst, sich das anschauen zu gehen», befürchtet Berger.

Sie erinnert aber daran: «Die Kompanien treten auf der ganzen Welt auf. Normalerweise muss man weit reisen, um solche Künstler zu sehen. Wir sind stolz, ist Olten ein kleiner Punkt der etwas zum zeitgenössischen Tanzstil, der auf dem ganzen Globus boomt, liefert.»

Der Fokus sei darauf ausgerichtet, die Neugierde der Leute zu wecken, die Schützi soll schliesslich gefüllt werden. Der Vorstand freut sich auf die grandiosen Perlen und ist gespannt, wie sich die Streetperformance à la Flashmob entwickeln wird.