Oltner Tanztage

Tanzen, bis die Muskeln brennen

Unsere Autorin hat sich an einem Workshop in «Urban Dance» im Rahmen der Tanztage unters Tanzvolk gemischt.

Als ich das «Dance Studio Olten» von Ursula Berger an der Oltner Katzenhubelstrasse bei strahlendem Sonnenschein betrete, stockt mir der Atem. Im Saal hüpfen vier Mädchen im Teenageralter über die Tanzfläche und drehen sich in perfekten Pirouetten. Ich dachte, das hier wäre ein Urban-Dance-Kurs, keine Ballettstunde.

Verdattert gehe ich zum Kassier und stelle mich vor. Nachdem ich mich umgezogen habe, beruhigt sich mein aufgebrachtes Gemüt: Zwei der Mädchen verschwinden in der Kabine, die Anderen ziehen sich die Ballettschuhe aus. Nach und nach betreten auch andere Mädchen und Frauen das Tanzlokal.

Pünktlich beginnt der Tanzworkshop unter dem Motto «Urban Dance», der im Rahmen der Oltner Tanztage durchgeführt wird. Ursula Berger begrüsst die 14 Teilnehmerinnen und stellt uns den Kursleiter vor: Er heisst Joseph Simon, stammt aus Frankreich und tanzt in der einer zeitgenössischen Tanztruppe, die aus Holland stammt und sich «Arch 8» nennt.

Dance Workshop anlässlich der Tanztage Olten

Dance Workshop anlässlich der Tanztage Olten

Unsere Autorin war bei einem Tanz Workshop im Dance Studio Olten von Ursula Berger dabei.

Der «Flow» der Atmung

Zu Beginn bilden wir einen Kreis auf und machen Atemübungen. Auch fliessende Armbewegungen gehören dazu. Das sei der «Flow» unserer Atmung, dem wir nun folgen würden, erklärt Joseph. Aus den Atemübungen werden mal fliessende, mal roboter-ähnliche Bewegungen mit Kopf, Schultern, Hüften und Beinen.

Ich blicke in die Runde. Die jüngsten Teilnehmerinnen sind etwa zehn Jahre alt, die Ältesten bewegen sich bestimmt schon im Pensionsalter. Schön, dass sich Menschen jeden Alters fürs Tanzen interessieren, denke ich und muss lächeln. Dann konzentriere ich mich wieder auf meine Atmung – ein, aus.

Daraufhin schliessen wir uns in kleine Gruppen zusammen. «Atmet gemeinsam und bewegt euch dazu», weist uns Simon an. Dabei sollen wir zwei langsame, fliessende Bewegungen machen, die von zwei roboter-ähnlichen gefolgt werden. Ich bin mit den beiden jüngsten Teilnehmerinnen in der Gruppe und erstaunt, wie exakt sie Simons Anweisungen folgen. «Mir gefällt es», schwärmt die zehnjährige Ilva Schmid. Synchron bewegen wir bei der nächsten Übung unsere Arme auf und ab, zuerst langsam, dann schneller und seitenverkehrt. Nach einigen Minuten beginnen sie zu brennen.

Dann bringt uns Simon bei, wie man eine Wellenbewegung mit Armen und Schultern machen kann. Er zeigts vor und ich denke mir, «einfach, das schaffe ich auch». Also los: Arme ausstrecken, Hand nach unten, Ellenbogen nach oben, Schulter nach oben, Brust raus, Schulter nach oben, doch, was mache ich jetzt mit dem anderen Arm? So einfach ist es dann halt doch nicht.

Doch, eigentlich war das eine der einfacheren Übungen, denn nun «ist Breakdance angesagt», wie Joseph Simon strahlend verkündet. Er zeigt uns die Bewegungen vor und wir ahmen sie nach. Jede Bewegung sieht bei ihm einfach aus. Ich scheitere schon bei einer der ersten Übungen. Zu untrainiert ist meine Koordination.

Nach drei weiteren Übungen und unzähligen unsanften Landungen auf dem Boden gebe ich auf. Nein, Breakdance ist nichts für mich. Einigen anderen Teilnehmerinnen geht es gleich. «Diese Bodenübungen kann ich einfach nicht», meint Irène Nussbaum, 66, die das Tanzstudio schon seit vierzig Jahren besucht. Ihre 57-jährige Kollegin Cornelia Allemann nickt zustimmend. Ich höre den beiden zu und kann nicht vermeiden, dass sich ein fahles Gefühl in meinem Bauch schleicht, ich bin erst 21 Jahre alt.

«Motivierte und kreative Leute»

Gott sei Dank studieren wir nun eine kurze Choreografie ein. Sie dauert drei Mal acht Takte, das ist eher mein Terrain. Anschliessend machen wir Zweiergruppen und tanzen das Geprobte zu passender Musik.

Am Ende des Workshops zeigt sich Simon begeistert, bedankt sich bei allen fürs Mitmachen und erntet dafür enthusiastischen Applaus. «Ich finde es toll, mit motivierten und kreativen Leuten zu arbeiten», erzählt er mir am Schluss.

Ich gehe zurück in die Garderobe. Als ich das Tanzstudio bei immer noch strahlendem Sonnenschein verlasse, bin ich müde, aber zufrieden als ich merke, wie sich bereits der Muskelkater in den Armen ankündigt. Ob es den anderen Teilnehmerinnen auch so geht?

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