Wie sagt doch Thomas Lack aus Olten nach seinem Ritt auf dem Swiss Tower? «Die Beschleunigung ist einfach traumhaft.» Nach der kleinen Höllenfahrt über 80 Höhenmeter wirkt er nur Sekunden danach noch ganz begeistert. «Es macht dich atemlos; oben ein freier Blick über die Stadt, das Herz rast, und wenn du Glück hast, kannst du sehen, ob bei dir jemand zu Hause ist», scherzt er. Da trifft es sich gut, dass der Ritt auf dem Swiss Tower im Vergleich zum vorigen Jahr, als die Bahn die Attraktion schlechthin war, günstiger geworden ist. Lack jedenfalls ist der Ansicht, dass die Preise für das Vergnügen mit Langzeitwirkung reduziert wurden.

Sehen, gesehen werden, erleben: Das sind Elemente einer geglückten Chilbi.

Sehen, gesehen werden, erleben: Das sind Elemente einer geglückten Chilbi.

Ebbe präsentiert sich bei einem der vielen Wurfstände. Keiner der potenziellen Tellensöhne will sich messen; Tellentöchter schon gar nicht. Lässig lehnt sich die Schaustellerin gegen die Wand. Sie kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Osten der Slowakei und kennt ihre Klientel hier dennoch. «Je später der Abend, desto mehr wollen sich die Besucher messen», weiss sie aus Erfahrung. Denn je später der Abend, desto ausgelassener die Stimmung. Kommen auch Angeheiterte vorbei? «Manchmal schon», sagt sie. Aber das sei nicht schlimm. «Es kommt dann gute Stimmung auf», verrät sie noch.

Dauerbrenner – Zuckerwatte.

Dauerbrenner – Zuckerwatte.

Auch schräg gegenüber bietet ein Wurfstand den Vergnügungssüchtigen eine Plattform. Stofftiere und -figuren locken als Preise. «Am häufigsten nehmen die Kunden nach erfolgreichem Parcours Schildkröten oder Minions mit», weiss die Schaustellerin, die eben einen jungen Mann anzulocken sucht. Nur: «Noch nicht», gibt der freundlich zu verstehen und zieht von dannen, während zwei Frauen, vollbepackt mit Stofftieren, locker dahinschlendern. «Nein, die gehören nicht uns», schmunzeln beide. Deren Söhne und Töchter sind die glücklichen Besitzer. «Wir Mütter dürfen die Dinger jetzt bloss herumschleppen», fügen sie hinzu und lachen. «Das ist doch unsere Aufgabe, oder?», meint die eine spassig.

Fangquoten – unlimitiert.

Fangquoten – unlimitiert.

Droben auf der Kirchgasse bietet Markus Spiegelberg aus Däniken ein Panoptikum an Fantasiefiguren an. Vier Stunden brauche er für die Herrichtung des Standes, meint er; auspacken inbegriffen. Feen, Elfen, Drachen, Grusel- und andere Wesen hält der Marktfahrer bereit. Die Ware stamme aus China. «Wer über 30 ist, hat ein Faible für Feen und Elfen, jüngere ziehts eher zu Drachen- und Gruselwesen hin», weiss der Mann, dessen Standbeleuchtung enorm Wärme abstrahlt. «Im Moment ist das ein Nachteil, aber an Weihnachtsmärkten wirkt sich das positiv aus», lacht er.

Apropos Gruselwesen: Solche gibts auch auf der alt bekannten Geisterbahn zu erleben. Sie bleibt trotzdem ein Magnet. Gerade berichtet ein Bub seiner Mutter von den ungeheuerlichen Erlebnissen; mit grossen Augen und ausschweifenden Armbewegungen. Solches bleibt bei jenen aus, die vom Riesenrad – ebenfalls einem Klassiker – steigen. Ein Zeichen dafür aber, dass auch das Besinnliche seinen Platz findet.

«Die Welt gehört ein bisschen mir.»

«Die Welt gehört ein bisschen mir.»

Und wenn dann im Graben der Duft von Chnoblibrot lockt und einer in der nahen Freiluftbeiz deinen Namen ruft, du gleichzeitig überrascht und freudig zu ihm hingehst und ein paar nette Worte wechselst, dann ist klar: In Olten ist Chilbi. Das Volksfest für alle, jenseits von rütteln, schütteln und beschleunigen. Denn das Büchsenwerfen, das wissen wir jetzt, das kommt später.