Mit dem ersten gemeinsamen Auftritt von Uta Köbernick und Heinz de Specht warteten die 27. Oltner Kabaretttage an ihrem Abschlussabend im Stadttheater mit einer weiteren Premiere auf. Einer Premiere, die begeisterte. Und bewies, dass es manchmal einfach auf die richtige Mischung ankommt – auch wenn sie gegensätzlicher scheinbar nicht sein kann. Während die in Zürich lebende Berlinerin Uta Köbernick nämlich durchweg über ernste Themen philosophiert, beschäftigen sich Christian Weiss, Daniel Schaub und Roman Riklin alias Heinz de Specht in ihrem dritten Liederprogramm «schön» fast ausschliesslich mit scheinbar (!) banalen Lebensweisheiten.

Scharfzüngig und subtil

Uta Köbernick steht anfangs alleine mit ihrer Gitarre auf der Bühne. Sie präsentiert Lieder und Gedichte, Geschichten und manchmal auch nur einzelne Sätze aus ihrem Programm «auch nicht schlimmer». Scharfzüngig und mit subtilem Humor spielt sie mit den Wörtern, verdreht sie, schiebt sie hin und her, bis sie sie genau dort hat, wo sie hingehören – und wo sie ihre maximale Wirkung entfalten können. Ihre Texte sind literarisch raffiniert, präzise und poetisch. Ihre Themen sind ernst: Es geht um Integration (auf Mundart), Verantwortung, Überwachung und das Scheitern. Um Energiesparlampen, Wasserknappheit, Armut und Durst, um Freiheit, Freihandelsabkommen, Denken und Handeln – «erst wenn Handeln frei ist von Denken, ist ein echter Freihandel überhaupt möglich.»

Beim Vortragen kommt es zu überraschenden Wendungen. Köbernick macht Pausen, bringt Einwände, bricht mitten im Satz ab, beginnt neu, erklärt sich, macht Überleitungen, bis niemand mehr weiss, wo Anfang und Ende sind. «Ich sag’ gerne Sachen», meint sie zwischendurch immer wieder, und es klingt fast wie eine Entschuldigung. Dann wird sie plötzlich wieder sehr direkt und beweist mit einem Lied über die 22 fliegenden Untertassen von Ueli Maurer sowie einem Song über Europa, der in einer geistreichen Persiflage auf die Schweizer Nationalhymne endet, dass sie auch politisch sein kann.

Eingängig und berührend

Dann kommen Heinz de Specht hinzu und steigen als Background-Sänger in Köbernicks Lied über den Schatten ein. Anschliessend bleiben sie alleine auf der Bühne (sitzen) und präsentieren ihre Lieder über Rosmarie, Tasten im Dunkeln, Maggi und Aromat in Restaurants, das Leben auf dem Land und die Probleme eines Vampirs aus Papier. Die drei Musiker wechseln sich beim Singen ab. Ihre Melodien sind eingängig und berührend, oft volkstümlich-zeitlos. Ihre Lieder beschreiben oft scheinbar Banales und Belangloses, thematisieren – vor dem Deckmantel des harmlos Alltäglichen – aber auch Tiefgründig-Ernstes wie die Krisen auf der Welt, die Waffenindustrie, Verbrechen und Schuld.

Die zweite Hälfte des Abends verbringen Uta Köbernick und Heinz de Specht gemeinsam auf der Bühne, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Und am Ende des Auftritts, als die vier Künstler mit Plastikinstrumenten auf der Bühne herum rocken und das Publikum Zugabe um Zugabe fordert, sind Solo-Auftritte von Uta Köbernick und Heinz de Specht kaum mehr vorstellbar. Die scharfzüngige Philosophiererin Köbernick und das sympathisch-unterhaltsame Trio Heinz de Specht ergänzten sich perfekt, als hätten sie schon immer gemeinsam auf der Bühne gestanden. Ob sie wohl in Zukunft öfters zusammen auftreten werden?