Es gibt jeweils, ganz am Schluss eines schier jeden Adventskonzerts, dieses simple Weihnachtslied, welches zu Heiligabend 1818 von Organist Franz Xaver Gruber (Melodie) und dem Hilfspfarrer Joseph Mohr (Text) in Oberndorf (A) uraufgeführte wurde.

Genau: «Stille Nacht». Das war auch am Adventskonzert der Stadt- und Jugendmusik Olten am ersten Adventssonntag in der Stadtkirche nicht anders. Aber: In Olten hat man dieses Lied, welches in Österreich als immaterielles Kulturgut gelten soll, besonders lieblich inszeniert: Die Jugendmusik spielt die Melodie Grubers und die Mitglieder der Stadtmusik, brennende Kerzen haltend, bieten zusammen mit dem Publikum diesen Dauerbrenner der Weihnachtszeit in ergreifender Weise gesanglich dar.

Lediglich bei Kerzenlicht gesungen ist dieses Stück schon die halbe Miete eines jeden geglückten Adventskonzerts.

Die andere Hälfte

Im Übrigen aber hatte das Konzert einen überwiegend weltlichen Touch. «A Christmas Night», ein Medley von «Herbei o ihr Gläubigen» bis hin zum We Wish You a Merry Christmas» und – wer so will – ein ebensolches Medley zu «Jesus Christ, Superstar» waren Werke, die an kirchliche Momente erinnerten, allesamt gut vorgetragen, eindrücklich vor sich prächtige entfaltenden Klangbildern dynamisiert. Ein Duo im erfrischenden Kontrast zu säkularen musikalischen Episoden wie Gershwins «An American in Paris», das von der Stadtmusik unter Marco Müller mit einer fröhlichen Leichtigkeit vorgetragen wurde, dass man gelegentlich mitzupfeifen versucht war.

Etwas melancholischer «Blue Bone» mit Julien Stäger, einem Posaunisten der Jugendmusik, der sein Solo unter Leitung von Beat Kohler so zu präsentieren verstand, dass unweigerlich etwa Edward Hoppers Bild «Nighthawks» vor dem geistigen Auge hätte aufsteigen können. So etwas nahm das Publikum in der sehr gut besetzten Stadtkirche gerne entgegen. Klar, Teile daraus wollte man noch einmal hören, der Groove dieser Symbiose sollte nachhallen. Und: Er tat es.

Nur kurz zuvor hatte die Jugendmusik schon mit der Trilogie «Glory of Baroque» geglänzt. Tänzerisch leicht folgte die Wiedergabe von Bildern höfischen Zeremoniells. Und selbst wenn die Triolen zum Schluss dieses Dreiteilers nicht in konsequenter Dichte ertönten: Ein Genuss war die unterhaltsame Barockeinlage allemal. Auch davon hätte man gerne mehr gehört.

Mussorgsky zu Gast

Erhabenes gabs schliesslich auch noch: Die Stadtmusik gab Modest Mussorgskys «Das grosse Tor von Kiew», den letzten Satz aus «Bilder einer Ausstellung». Tempiwechsel, sensible Parts für Blech und Flöte, tragend breite Klangentwicklungen, Raum öffnende Tonalität erfüllten die Kirche. Erstaunlich, dass dieser früh verstorbene Russe sehr selten zu Gast ist in unseren Breiten. Das mag damit zu tun haben, dass viele seiner Werke unvollendet blieben und von dessen Freund Nikolai Rimski-Korsakow bearbeitet wurden. Umso schöner, dass ein Ausschnitt seines Schaffens in der kleinen Oltner Adventsfeierstunde zur Geltung kam.