Olten und Umgebung

Stets auch der Gegenwart verpflichtet: Kolpingfamilie feiert das 100-Jährige

Der Vorstand: von links Cäsar Bärtschi, Martina Nussbaumer, Bernhard Gloor, Magnus Jäggi, Werner Good, Paul Loser und Trudi Wey vor dem Kolpinghaus an der Oltner Ringstrasse nahe der Martinskirche.

Der Vorstand: von links Cäsar Bärtschi, Martina Nussbaumer, Bernhard Gloor, Magnus Jäggi, Werner Good, Paul Loser und Trudi Wey vor dem Kolpinghaus an der Oltner Ringstrasse nahe der Martinskirche.

Die Kolpingsfamilie Olten und Umgebung kann heuer ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Ursprünglich als Katholischer Gesellenverein gegründet, begeht sie den runden Geburtstag am ersten Septembersonntag mit einem Jubiläumsfest.

Acht engagierte Handwerker gründeten 1920 in Olten einen Katholischen Gesellenverein (KGV Olten) als Teil der Schweizerischen Kolpingbewegung. Sie wurden dabei unterstützt vom Messerschmiedmeister Walter Gisi, Warenhausbesitzer Viktor Meyer und Verleger Otto Walter – alles klingende Namen in der Aarestadt. An einer sogenannten «Agitationsversammlung» am Sonntag, 2. Mai 1920, im damaligen Hotel «Schweizerhof» legten sie den Grundstein des Vereins. Zu dieser Werbeveranstaltung war der grosse Förderer der Kolpingidee, Grossrats Jules Zimmermann extra aus Freiburg angereist.

An der konstituierenden Versammlung eine Woche später wählten die Gesellen den erst 25-jährigen Buchbinder August Deubelbeiss zu ihrem ersten «Senior», wie sie den Vereinspräsidenten nannten. Als ersten Präses (geistlicher Betreuer) konnten sie Vikar Josef Stössel gewinnen; Stössel hatte schon in Zürich das Gesellenhaus Wolfbach initiiert. Gründungspräsident Deubelbeiss trat allerdings bereits nach einem Jahr zurück, sodass der Schriftsetzer Fridolin «Fritz» Schittenhelm, obwohl erst 21 Jahre alt, das Amt des Seniors übernahm.

Anlaufstelle für junge Männer

Zum Freudentag wurde der 17. April 1921. Der KGV Olten konnte seine erste Vereinsfahne weihen und in einem grossen Festzug durch die Stadt tragen. Als Höhepunkt führten die Gesellen im Saal des «Schweizerhofs» ein von der Solothurner Bezirkslehrerin Hadwig von Arx eigens für diesen Anlass geschriebenes Festspiel «Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn» auf.

Dies entsprach durchaus dem Vereinszweck. Der Gesellenverein setzte sich zum Ziel, eine Anlaufstelle für heimische und zugezogene junge Männer zu sein, indem der KGV ein Vereinslokal oder gar ein Kolping-Gesellenhaus bereitstellt. Neben der Pflege der Geselligkeit bezweckte er Bildung und sinnvolle Freizeitgestaltung.

Freies Quartier und Verpflegung

Im Frühjahr 1925 wurde der alte Pfarrhof neben der Martinskirche frei. Der Gesellenverein konnte das Haus mieten und darin vier Zimmer mit sieben Betten für durchreisende Gesellen und ein Vereinslokal sowie eine kleine Hausmeisterwohnung einrichten. Später kam eine kleine Metallwerkstatt hinzu. Da vorerst niemand bereit war, die Hausmeisterstelle zu versehen, übernahm dies Gründungspräsident August Deubelbeiss zusammen mit seiner Frau Josefina und behielt sie bis 1957.

Schon im ersten Jahr nutzten 50 junge Leute auf Wanderschaft die neue Schlaf- und Verpflegungsmöglichkeit. Jeder Durchreisende, der Mitgliedskarte und Wanderbuch vorwies, erhielt freies Quartier und Verpflegung. Die meisten Wanderburschen kamen aus Deutschland.

1964 konnte der KGV Olten das Haus des Konditors Walter Schibler an der Ringstrasse 27 erwerben und in ein Gesellenhaus umbauen. Doch im Laufe der Zeit änderten sich die Bedürfnisse, sodass der seit 1967 in Kolpingsfamilie Olten umbenannte Verein das Haus schliesslich in zwei Schritten 2003 und 2008 an die Pächterfamilie Müller verkaufte. Das Restaurant «Kolping» ist Stammlokal der Oltner Kolpingsfamilie, wie sich der Verein nennt, nachdem er sich 1972 für Frauen öffnete.

Die Liegenschaft Ringstrasse 27

Die Liegenschaft Ringstrasse 27

Regelmässige Vorträge

Nach wie vor verfolgt die Oltner Kolpingsfamilie die traditionellen Vereinsziele, wie Präsident Bernhard Gloor betont. Wie schon in den Anfängen des Gesellenvereins lädt die Kolpingsfamilie regelmässig Referenten für einen Vortragsabend ein. Zum Bereich Bildung gehören gemeinsame Ausflüge. Eine schöne Tradition ist das gemeinsame Mittagessen für alleinstehende Personen jeden dritten Mittwoch.

Neu im Angebot sind Schreibstube und Treffpunkt jeden Dienstag. «Mit diesen Angeboten gelingt es, breitere Kreise anzusprechen», freut sich Gloor, sodass die Mitgliederzahl der Kolpingsfamilie mit über 100 Mitgliedern stabil ist.

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