«Der Applaus tut gut», meinte die Gemeindepräsidentin. Ja, es gibt sie noch, die stehenden Ovationen für Gemeinderatsvorsitzende. Bestes Beispiel dafür: Daria Hof, Wangens Gemeindepräsidentin. Nach einer mehr als dreistündigen Budgetversammlung erhoben sich fast alle der 149 anwesenden Stimmberechtigten und spendeten der Gemeindepräsidentin einen Stehapplaus. Nicht des Budgets wegen; das schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 178 150 Franken. Nein. An der Versammlung gabs auch Orientierungen von offizieller Seite zu Ungereimtheiten im Rat. Vor knapp zwei Monaten nämlich waren der Presse Papiere anonym zugespielt worden, welche von Gemeinderat Christian Riesen verfasst worden waren und die Gemeindepräsidentin belasteten: Darin war von unprofessionellem Umgang Hofs die Rede, wurde ihr vorgehalten, gegen sie stünden schon längst Rücktrittsforderungen im Raum beziehungsweise würde eine Strafanzeige laufen, wäre sie SVP Mitglied. Einer der Gründe für die Anwürfe: Der von der Gemeinde beabsichtigte Kauf der Danzmatt (Gelände mit Pfefferlihaus), welcher gemeinsam, aber nicht zu gleichen Teilen, mit einem ausserkantonalen Interessenten getätigt werden sollte. Ein Vorhaben, welches nach Ansicht Riesens, aber nicht nach Einschätzung von Daria Hof, widerrechtliche Züge in sich trug.

Informationen aus Hofs Hand

Die Ausführungen Hofs zum Fall Danzmatt kamen am Montagabend ohne Emotionen zur Sprache. Demnach hatte Riesen, noch bevor der Gemeinderat offiziell die Kaufabsicht beim Kanton deponierte, eigenmächtig den Regierungsrat angefragt, ob das Vorgehen der Gemeinde rechtens sei. Daraufhin stornierte der Regierungsrat das Geschäft. Mittlerweile soll sich gemäss Daria Hof der Partner vom Kauf zurückgezogen haben. Wangen aber ist nach wie vor an der Liegenschaft interessiert, auch wenn der Verkaufspreis durch Riesens Intervention vermutlich deutlich erhöht wird und die Gemeindeversammlung zu einem späteren Zeitpunkt über den notwendigen Kredit zu befinden hat. Der Rat möchte nämlich auf dem fraglichen Gelände so etwas wie ein neues Dorfzentrum entstehen sehen.
Aus den Reihen der Stimmberechtigten hatte Riesen eine Rüge einzustecken. Man hielt ihm, sehr diplomatisch ausgedrückt, unkollegiales Verhalten vor. Es gab nach der Versammlung auch Stimmen, die dem SVP-Rat hinter vorgehaltener Hand eine Demission nahelegen wollten. Das kommt ebenso selten vor wie stehende Ovationen für Ratsvorsitzende. Wie Riesen auf Anfrage betonte, könne er sich durchaus vorstellen, dass sich die politischen Gegner seine Demission wünschten. «Von daher nehme ich das sportlich. Es ist natürlich merkwürdig, dass die Unterstützung eines rechtlich mindestens umstrittenen Sachgeschäftes zu keinen Diskussionen Anlass gibt und der Kritiker, in dem Fall also ich, mit einer Demissions-Empfehlung hinter vorgehaltener Hand mundtot gemacht werden soll. Aber das ist das normale Verhalten, wie es Whistleblower immer wieder bestätigen. Nicht der Verursacher des Problems, sondern der Überbringer der schlechten Nachricht soll zur Strecke gebracht werden.»
Der Rest der Versammlung ist relativ schnell erzählt. Grossmehrheitlich wurden sämtliche Kreditbegehren, deren sieben, aus der Investitionsrechnung (über 100 000 Franken) gutgeheissen: Einzig das Informatikkonzept für die Jahre 2019 bis 2023 über insgesamt 760 000 Franken wurde von einigen als «zu wenig transparent dargestellt» empfunden. Die Orientierung über Jugendraum, den Stand des räumlichen Leitbildes sowie das Schul- und Dorffest wurden wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Geschäftsliste unverändert

Roland Kissling hatte zu Beginn der Versammlung beantragt, diese Orientierungen den Budgetberatungen vorzuziehen, weil gewisse Elemente aus Ersterem mit Letzterem direkt zusammenhängen würden. Sein Antrag wurde mit 77 zu 44 Stimmen abgelehnt. Wie die Zusammenhänge spielten, zeigte in der Folge die Durchsicht sämtliche Budgetposten. Der Korrekturvorschläge gabs viele: Infrage gestellt etwa wurden die Gelder für die Tagesstätte (25 000 Franken, wegen monierter mangelnder Transparenz des Geschäfts, die auch trotz vorgezogener Präsentation für Kritiker und Skeptiker nicht hergestellt werden konnte); 20 000 Franken für die Schalloptimierung im Schulhausbereich oder die Dienstaltersgeschenke bei der Musikschule (19 300 Franken). Keiner der Streichungsanträge, die meisten aus den Reihen von der SVP nahe stehenden Kreisen, fand auch nur annähernd eine Mehrheit. Sie unterlagen alle grossmehrheitlich.
In Wangen arbeiten die Verantwortlichen am Auf- und Umbruch. Das war an dieser Versammlung zu spüren: Gut 5100 Einwohner brauchen eine zeitgemässe Infrastruktur. Und dazu gehöre auch das Angebot einer Kita, wie Gemeinderätin Bettina Widmer erklärte. Bei allem Gestaltungswillen: Der Steuerfuss bleibt unverändert bei 119 Prozent, für natürliche wie für juristische Personen. Das Budget 2019 wurde schliesslich bei lediglich einer Handvoll Gegenstimmen abgesegnet.