Olten
Statt Buchmesse gibts nächstes Jahr ein Buchfestival mit neuem Organisator

Im Herbst 2017 soll ein neuer Literaturanlass mit neuem Namen, neuen Organisatoren und neuem Konzept stattfinden. Hinter dem neuen Buchfestival steht Marc Tabeling mit seiner Firma Relounge – er hat Grosses vor.

Fabian Muster
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Marc Tabeling ist der Kopf des Buchfestivals. Er steht auf der Tribüne der Schützi. Bruno Kissling

Marc Tabeling ist der Kopf des Buchfestivals. Er steht auf der Tribüne der Schützi. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Als Marc Tabeling in der Zeitung las, dass die zehnte Buchmesse Olten 2015 aus finanziellen Gründen die letzte gewesen ist, sagte sich der Inhaber der Oltner Kommunikationsagentur Relounge: «Es kann doch nicht sein, dass Olten als Heimatstadt bekannter Autoren keine wichtige Literaturmesse mehr hat.»

Schon kurz darauf setzten sich er und Alex Summermatter, der Kommunikationschef der Oltner Kabarett-Tage und Mitarbeiter bei Relounge, mit dem Buchmesse-Initiant und Verleger Thomas Knapp zusammen. Es sei nach dem ersten Treffen klar gewesen, dass das bisherige Konzept der Buchmesse nicht eins zu eins übernommen werden könnte. Auch Buchmesse-Initiant Knapp wollte das nicht.

Buchmesse-Initiant bringt sich ebenfalls ein

Der Buchmesse-Initiant Thomas Knapp ist auch bei der Neuauflage als Buchfestival wieder mit dabei. Er freut sich, dass es nach zehn Ausgaben der Buchmesse nun zu einer Fortsetzung kommt, wenn auch mit thematisch erweiterter Ausrichtung und mit mehreren Standorten in der Stadt Olten.

«Das Gleiche hätte ich nicht mehr machen wollen», sagt der Inhaber des Oltner Knapp Verlags auf Anfrage. Zudem musste es in seinen Augen etwas anderes sein als etwa die Solothurner Literaturtage. «Das kann man in Olten nicht kopieren.» Er will sich beim Buchfestival vor allem im Hintergrund einbringen und sein Know-how des Literaturbetriebs und seine Beziehungen zu den Autoren und den bisherigen Buchmesse-Partnern spielen lassen.

Dass die neuen Organisatoren das Buchfestival als nationalen Literaturanlass positionieren wollen, begrüsst er. «Wir hatten bei der Buchmesse Besucher aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem süddeutschen Raum.» Es hätte aber ein paar Jahre gedauert, bis man seine Buchmesse zum Beispiel auch in Zürich ernst genommen hätte. Für Marc Tabeling ist Knapp Gold wert.

Er soll in der Programmgruppe Einsitz nehmen, die mit Leuten aus verschiedenen Sparten bestückt werden soll, um die thematische Vielfalt zu garantieren. (fmu)

Das neue Format sollte etwas sein, dass mehr als nur das literaturbegeisterte Publikum einer Buchmesse anspricht. Die Idee eines Buchfestivals mit thematisch breiterer Ausrichtung und mit Veranstaltungen an mehreren Standorten in der Stadt war geboren.

«Wir wollen mit dem Kulturgut Buch offener umgehen, die ganze Stadt kulturell beleben und auch das Gewerbe einbeziehen», sagt Tabeling, der mit seiner Agentur die Geschäftsstelle und die Kommunikation des Festivals übernimmt.

Das neue Konzept sieht vor, dass die Schützi das neue Zentrum ist, wo neben Veranstaltungen auch Bücher gekauft werden können. Das Stadttheater kam aus Kostengründen nicht mehr infrage. Ein weiterer Austragungsort ist der Schauraum an der Ringstrasse 26, wo die Organisatoren einen Event zum Thema Kochen planen und eine bekannte Kochbuch-Grösse einladen wollen.

Als dritter Hauptort kristallisierte sich das Kino Capitol heraus, wo etwa Literaturverfilmungen gezeigt werden sollen. In weiteren Lokalen wie der Vario Bar, der Galicia Bar, im «Coq d’Or», an der Fachhochschule Nordwestschweiz, im Gewölbekeller Abbasso oder in den beiden Buchhandlungen Schreiber und Klosterplatz sollen zusätzliche Veranstaltungen über die Bühne gehen.

Dabei will Tabeling den Betreibern grossen Spielraum lassen, um ihre eigenen Ideen mit dem thematischen Rahmen der Literatur umsetzen zu können. Mit im Boot ist auch die Jugendbibliothek. Das ist dem Vater eines kleinen Buben besonders wichtig. «Wir wollen die Jugendlichen wieder mehr zum Buch führen.» Wie genau das geschehen soll, ist indes noch offen. Angedacht ist etwa ein Schreibwettbewerb.

Verein wird demnächst gegründet

Etwas Spezielles hat sich Tabeling für die Innenstadt ausgedacht. Der 41-jährige Kommunikationsfachmann, der mit seiner Agentur den Eröffnungsevent auf dem Bundesplatz zum 150-Jahr-Jubiläum des Roten Kreuzes organisiert hat, will das Buch auch als Kunstobjekt inszenieren. «Ein Bücherhimmel in der Altstadt wäre ganz toll.» Auch ein Labyrinth aus Büchern auf der Kirchgasse könnte sich der vor Ideen sprudelnde Tabeling vorstellen.

Nachdem nun konzeptionell die ersten Weichen gestellt sind, wird demnächst der Verein Buchfestival Olten als Träger gegründet. 50 Franken soll der Jahresbeitrag kosten. Mit Tabeling selbst, seinem Mitarbeiter Summermatter sowie Verleger Knapp sind die ersten drei Mitglieder bekannt.

Die Suche nach einem Präsidenten als Aushängeschild, der auch bei der derzeit anlaufenden Sponsorensuche behilflich sein soll, ist aber noch im Gang. Mitte November erfolgt an einer Kick-off-Sitzung der eigentliche Startschuss für das Buchfestival vom 19. bis 22. Oktober 2017.

Mit ihm Boot sind zumindest wiederum einige Partner der bisherigen Buchmesse. Unter anderem wird das Buchzentrum Hägendorf erneut die Logistik der ausgestellten Bücher übernehmen. Anzapfen wollen die Organisatoren neben privaten Geldgebern auch Stiftungen, den Kanton Solothurn oder die Stadt Olten, welche die bisherige Buchmesse mit 5000 Franken unterstützt hat.

Das Budget umfasst einen hohen fünfstelligen Betrag, wie Tabeling verrät. Für Stammgäste soll es einen Festivalpass geben, der für alle Tage gültig ist. Für die Büchertische in der Schützi will er aber eher kein Eintritt verlangen. Bei der Buchmesse sorgten die fünf Franken jeweils für Kritik.