Olten
Starkes Soloprogramm: Mike Müller begeistert als Gemeindepräsident

Mike Müller überzeugt mit dem Theaterstück «Heute Gemeindeversammlung» im Oltner Theaterstudio. Vom Baseldeutsch sprechenden Gemeindeschreiber, über den Vertreter des Lagerhauses – er spielt alle Rollen selber.

Rahel Bühler
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Mike Müller zog bei seinem Auftritt im Theaterstudio in Olten das Publikum mit gekonntem Rollenspiel in seinen Bann.

Mike Müller zog bei seinem Auftritt im Theaterstudio in Olten das Publikum mit gekonntem Rollenspiel in seinen Bann.

Patrick Luethy;Partick Lüthy;

Das Verdikt des Oltner Publikums nach vollendeter Aufführung im Oltner Theaterstudio ist klar: «Sackstark» oder «Genial», lautet es. Wenige Minuten zuvor hat dort, in der intimen Atmosphäre von 90 Zuschauern, Mike Müller seine Gemeindeversammlung beendet.

Beginnen wir von vorne: «Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger», begrüsst Gemeindepräsident Mike Müller alias Raoul Furler in typischer Gemeindeversammlungsmanier die anwesenden Stimmberechtigten, nachdem er bereits mit einigen davon einen kurzen Schwatz abgehalten und sich nach dem Befinden der Grossmutter oder dem Status des Friedensrichteramtes erkundigt hat.

Auch der weitere Ablauf seines dritten Soloprogramms kommt einer gewöhnlichen Gemeindeversammlung gleich: Absegnung der Traktandenliste, Befürwortung des letzten Protokolls, Abarbeiten der Traktanden. Diese präsentieren sich mit dem Antrag über subventionierte Kindergeburtstage, der Auswahl eines Lagerhauses für das Skilager der Oberstufenschüler und einer geplanten Umzonungen als unspektakulär.

Einzig das letzte Traktandum verspricht Brisanz. Falsch gedacht. Bereits vor dem Abschluss des ersten Traktandums stellt Herr Habegger, ein besserwisserischer Querulant wie er im Buche steht und wie ihn jede Dorfgemeinde kennt, einen ersten Antrag – einige weitere sollten folgen.

Simples Bühnenbild

Nach wenigen Minuten hat Mike Müller das Publikum im Sack. Es wird mehrfach lauthals gelacht, gejohlt, gegrölt. Er spielt alle Rollen selber: Vom Baseldeutsch sprechenden Gemeindeschreiber, über den Vertreter des Lagerhauses aus dem Muotathal bis zum einzubürgernden Serben Stojadinovic, der sich den anwesenden Stimmbürgern im breitesten Berndeutsch präsentiert.

Nicht nur spielt Müller alle Rollen der Anwesenden selber, er wechselt auch die Zeitformen: Zu Beginn hat der Zuschauer das Gefühl, die Versammlung spiele sich im Hier und Jetzt ab. Erst, als Müller in die Rolle des Erzählers schlüpft, wird einem bewusst, dass sich die Ereignisse in der Vergangenheit, genau genommen im November 2016, abgespielt haben.

 Nach wenigen Minuten hat Mike Müller das Publikum des Theaterstudios Olten im Sack.

Nach wenigen Minuten hat Mike Müller das Publikum des Theaterstudios Olten im Sack.

Patrick Lüthy

Das Bühnenbild ist simpel, aber effizient: Zwei dunkle Holzstühle, ein Tischchen. Darauf ein Glas Wasser, eine Tasse Espresso, ein Löffel, ein Päckli Zucker und eine Packung Zigaretten, von der sich Furler ab und an eine genehmigen will, aber jedes Mal am fehlenden Feuerzeug scheitert. Sogar auch dann, als er sich von einem anwesenden Stimmbürger eines geben lässt: Es funktioniert spontan nicht.

Akrobatische Skieinlage

So nimmt die Gemeindeversammlung also ihren Lauf: Dem Antrag über subventionierte Kindergeburtstage wird nicht entsprochen, die Stimmbürger entscheiden sich für das Muotathaler Lagerhaus und nicht für jenes im Wallis.

Raoul Furler erzählt, wie er durch eine Straftat zum Job als Gemeindepräsidenten gekommen ist, streitet sich abwechselnd mit seinen Gemeinderatskollegen Bühler und Roth und präsentiert beim Einbürgerungsgespräch mit dem berndeutsch sprechenden Serben akrobatische Skieinlagen. Bis es schliesslich zum entscheidenden Traktandum kommt: der Fusion mit der Nachbarsgemeinde. Damit verbunden ist auch eine Zonenplanänderung.

Am Ende des Traktandums sieht sich der Gemeindepräsident unter widrigen Umständen und dem Einfluss von Querulant Habegger und Gemeindeschreiber Giannini gezwungen, die folgenreiche Vertrauensfrage zu stellen. «Das war ein Fehler», sagt der Erzähler im Anschluss. Sie sollte Raoul Furler den Kopf kosten und den Weg für einen neuen Gemeindepräsidenten mit Berner Akzent ebnen.

Das Publikum macht seiner Begeisterung auch nach der Aufführung Platz, indem es minutenlang applaudiert und Müller zu mehrfachen Verbeugungen anspornt. Er selber zeigt sich nach dem Auftritt zufrieden damit und ergänzt: «Im Theater meiner Freunde aufzutreten, welches ich damals auch selbst mitbegründet habe, ist schon etwas Spezielles.» Und das merkt man auch nach dem Auftritt mehr denn je: dort ein Schwatz, da ein Handshake. Diesmal allerdings nicht als Gemeindepräsident.

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