Stand-up-Paddling? Wissen Sie, was das ist? Zwischen unzähligen Schlauchbooten, die diesen Sommer auf der Aare trieben, waren hin und wieder ein paar Typen zu sehen, die auf einem Brett standen und sich mit einem Stechpaddel fortbewegten. Stand-up-Paddler. Besonders ins Auge stachen sie, wenn sie statt mit der Strömung gegen sie unterwegs waren. Aber die entdeckte man selten.

Wintertraining an Land

Markus Müller ist einer von denen. Und jetzt, wo die Sommersaison endgültig vorbei ist, hätte man da mal ein paar Fragen an den 52-jährigen Oltner. Zum Beispiel, wie sich ein Stand-up-Paddler durch die kalte Jahreszeit bringt. Müller grinst. «Ich habe letztes Jahr angefangen mit Landpaddeln. Das sieht voll hohl aus.» Von Dezember bis Ende Februar trainiert er auf einem Skateboard und mit einem Stock – sorry, Kahuna-Stick – in der Hand. «Im Frühling habe ich gemerkt, dass ich im Winter trainiert habe. Du brauchst die gleiche Muskulatur wie beim Stand-up Paddeln.»

Je nach Wasserhöhe wird er also noch bis Ende November auf der Aare anzutreffen sein. «Theoretisch kannst du das ganze Jahr aufs Wasser gehen», sagt Müller. Aber zwischen Dezember und Februar habe es eine Temperatur von vier bis fünf Grad, da brauche man schon einen Trockenanzug. Er selbst besitzt Neoprenanzüge in verschiedenen Dicken. Mit seiner Ausrüstung kann er während neun Monaten im Jahr aufs Wasser.

The Aare riders sequence — Stand Up Paddle auf der Aare in Olten

The Aare riders sequence — Stand Up Paddle auf der Aare in Olten

Aber jetzt mal ehrlich: Stand-up-Paddling sieht doch eher langweilig aus. «Wenn ich auf den See gehe, finde ich es auch langweilig», gibt Müller zu. Allerdings sei der Sport dann sehr entspannend, weil repetitiv. Gegenstrompaddeln aber, das sei etwas ganz anderes. «Das hat den Trainingsaspekt. Jeder Muskel und auch die Balance wird trainiert.»

Stand-up-Paddling oder Stehpaddeln stammt ursprünglich aus Hawaii. In der Schweiz kenne man den Sport seit etwa acht Jahren, erzählt Müller. Er selbst, der früher im Ausland Windsurfen und Wellenreiten ging, fand vor etwa fünf Jahren zum Stand-up-Paddling. Weil sich der Sport in der Schweiz anbietet, wo sich die Wellen ja in Grenzen halten. «Ich probierte es auf der Aare und getraute mich mit der Zeit immer mehr.» Heute paddelt er zwischen Winznau und Boningen. «Auf dem Fluss ist die Strömung und die Wasserhöhe immer anders, das ist viel abenteuerlicher als auf dem See.»

Eine olympische Sportart?

Stand-up-Paddling sei inzwischen zu einem «Riesenmarkt» geworden, sagt Müller. «Der Sport explodiert gerade richtig.» Ein gutes Einsteigerbrett koste um die 800, ein besseres Brett bis zu 1600 Franken. Spezielle Boards gibt es für jeden Paddeltypen: Wildwasser-, Renn-, Fluss-, Reiseboards, Boards mit Segel. Er selbst taste sich derzeit ans Wildwasserfahren heran. «Voll cool» nennt er es. «In sieben Jahren wird Stand-up-Paddling vielleicht sogar eine olympische Sportart sein», glaubt er.

Anfangs benötigte er für die Strecke Olten-Chessiloch zwanzig Minuten. Aber mit dem konstanten Training erlangte er mehr Kraft, sodass er denselben Weg inzwischen in sieben Minuten hinlegt. «Das Chessiloch ist eine heikle Stelle, da musst du erst mal durchkommen», sagt er. Überhaupt werde die Aare rund um Olten unterschätzt – Strömungen, Strudel und Untiefen müssen überwunden werden.

Naturerlebnis begeistert

Auf dem hiesigen Aareabschnitt trifft er jeweils nicht viele Paddler an. «Es sind wohl etwa vier bis fünf in der Woche. Und wir sind nur zu dritt, die gegen die Strömung fahren.» Kürzlich postete Müller auf der Oltner Facebook-Gruppe ein Video von seinen Aaretouren. «Vier Leute haben sich gemeldet, die nächstes Jahr auch einmal mitkommen wollen», sagt er. Alle, die ihn bisher begleitet hätten, seien begeistert gewesen. Nicht zuletzt, weil manche Strecken sehr naturbelassen seien. Etwa von Olten Richtung Aarburg. Und wenn mehrere Leute gemeinsam paddeln gehen, stehe der Spass im Vordergrund.