Rendite

Städtische Betriebe Olten mit Millionengewinn – Wieso gibts keine Preissenkungen?

Die Städtischen Betriebe Olten erwirtschafteten 2017 bei einem Umsatz von 63,7 Millionen einen Gewinn von 2,9 Millionen Franken (auf dem Bild erneuert ein Mitarbeiter die Komponenten bei einem Verteilkasten). Archiv

Die Städtischen Betriebe Olten erwirtschafteten 2017 bei einem Umsatz von 63,7 Millionen einen Gewinn von 2,9 Millionen Franken (auf dem Bild erneuert ein Mitarbeiter die Komponenten bei einem Verteilkasten). Archiv

Seit Jahren erwirtschaften die Städtischen Betriebe Olten, welche zu 100 Prozent der Stadt Olten gehören, einen Millionengewinn. Trotzdem hat der Monopolist bei den Privatkunden nicht vor, die Preise im grossen Stil zu senken.

Die Städtischen Betriebe Olten (sbo) weisen für letztes Jahr einen Gewinn von knapp 2,9 Mio. Franken aus. Ohne die Bar- und Sachleistungen an die Stadt Olten würde dieser sogar auf 6,2 Millionen Franken klettern. Bei einem Betriebsertrag von 63,7 Millionen Franken ergibt dies eine Umsatzrendite von knapp 10 Prozent. Da stehen die sbo im Branchenvergleich sehr gut da.

Beat Erne: Das ist korrekt. Die sbo stehen im Branchenvergleich der mittelgrossen Schweizer Stadtwerke gut da. Die Umsatzrenditen 2017 liegen im Rahmen anderer, gut geführter Stadtwerke.

Zwar sind die sbo rechtlich gesehen ein von der Stadt eigenständiges Unternehmen, das laut Statuten «soweit möglich gewinnbringend geführt» werden soll, gehören aber zu 100 Prozent der Stadt. Das Unternehmen hat somit in erster Linie zu gewährleisten, als Monopolist die Einwohner mit Strom, Wärme und Wasser zu versorgen. Ist es daher nötig, einen solch hohen Gewinn zu erwirtschaften?

Der Gewinn wird zu einem grossen Teil ausserhalb der Stadt und in der Industrie erwirtschaftet. Er verbleibt im Unternehmen, wird also als Wertschöpfung in der Region wieder investiert. Damit werden künftige Aufgaben und Investitionen finanziert. Auch grössere Projekte – wie etwa die Wärmeversorgung für die nächsten Etappen in Olten SüdWest – lassen sich nicht aus leerer Kasse umsetzen. Die unternehmerischen und finanziellen Vorgaben aus der Eignerstrategie des Stadtrates geben hierfür die Leitplanken.

Die Kasse ist allerdings alles andere als leer. Das Eigenkapital beträgt knapp 50 Millionen Franken. Das nötige Geld für Investitionen ist also bereits jetzt vorhanden.

Im wegen der Leitungen kapitalintensiven Versorgungsgeschäft ist eine solide Eigenkapitalbasis mehr als nur von Vorteil. In diesem Sinne ist ein Gewinn wichtig, um die Unternehmenstätigkeit nachhaltig weiterentwickeln zu können.

Am meisten Geld verdienen die sbo mit dem Gasverbrauch. 2017 machte das Unternehmen dort rund 80 Prozent des gesamten Jahresgewinns. Warum werden in dieser Sparte die Preise für die Kunden nicht stärker gesenkt, so wie das die sbo bereits beim Strom getan haben?

Dieses Geschäftsfeld steht von jeher in scharfem Wettbewerb mit anderen Wärme- und Prozessenergieträgern. Die Gasversorgung Olten hat ihre Wurzeln zwar in Olten und Trimbach, ist mittlerweile aber zwischen Schönenwerd und Wiedlisbach in 30 Gemeinden tätig und zählt unter den 100 Schweizer Gasversorgern zu den 15 grossen. Ohne konkurrenzfähige Preise wäre eine solche geografische Durchdringung nicht möglich gewesen. Seit 2015 wird im Privatsegment 10 Prozent umweltfreundliches Biogas geliefert, dies ohne Preiserhöhung. Die Marktöffnung im Gasbereich steht ebenfalls vor der Tür. Dies bedingt wie im Strombereich den Aufbau neuer Informations- und Kommunikationstechniken sowie Steuerungssystemen.

Bereits im Vorjahr 2016, als die Kennzahlen nach Geschäftsbereichen erstmals in der gleichen Tabelle nebeneinander aufgeschlüsselt wurden, machten die sbo dort am meisten Gewinn. Es waren ebenfalls rund 80 Prozent des gesamten Jahresgewinns. Es drängt sich also ein tieferer Gaspreis auf.

Der Geschäftsbereich Erdgas/Biogas/Wärme ist mit einer Absatzmenge von gegen 600 Gigawattstunden der mit Abstand grösste Geschäftsbereich. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass er auch einen grossen Anteil zum Erfolg beisteuert. Die Preise basieren wie beim Strom auf einer Netz- und einer Energiekomponente. Die Energiekomponente ist sehr unbeständig; entsprechende Preisänderungen – nach oben wie nach unten – geben wir 1:1 weiter. Ein Wechsel zum günstigeren Produkt mit 100 Prozent Erdgas ist für die Kunden jederzeit möglich.

Ebenso ist im Bereich Wasser die Rentabilität gut, auch wenn der Gewinn dort mit 344000 Franken verhältnismässig viel weniger zum gesamten Jahresgewinn beiträgt. Die Ebitda-Marge, also das Verhältnis des Betriebsergebnisses vor Abzug der Zinsen, Steuern und Abschreibungen zum Jahresgewinn – beträgt sehr gute 38,7 Prozent. Auch in diesem Bereich drängen sich für die Kunden weitere Preissenkungen auf. 

Nein, denn das Jahresergebnis ist nur eine Momentaufnahme. Seit 25 Jahren entwickeln die sbo ihre Nachhaltigkeits- und Versorgungsstrategie im Bereich Wasser kontinuierlich weiter. Angefangen beim schweizweit grössten Nitratprojekt, über Massnahmen im Hochwasserschutz bis zur Eliminationsmassnahmen von Mikroverunreinigungen in ARA. Ab 2018 werden die beiden aus den 1940er-Jahren stammenden Pumpwerke auf den neusten Stand der Technik gebracht, und die Auflagen und Aufgaben aus der von der Regierung im 2016 beschlossenen Regionalen Wasserversorgungsplanung haben erst gestartet.

Insgesamt erweckt es den Eindruck, dass die sbo sehr gut an ihren Kunden, also den Einwohnern Oltens, verdienen. Das Eigenkapital beträgt nun knapp 50 Millionen Franken, die Nettoverschuldung noch 9,2 Millionen, der Selbstfinanzierungsgrad war in den letzten Jahren immer über 100 Prozent – das heisst, alle Investitionen konnten ohne fremdes Geld finanziert werden. Die sbo sind eine richtige Cashcow geworden – zugunsten der Stadt Olten, zulasten aber ihrer Einwohner. Was sagen Sie dazu?

Wir sind stolz auf unsere Mitarbeitenden, welche sich rund um die Uhr für unsere Kundinnen und Kunden – nicht nur in Olten – einsetzen, und mit fairen Preisen Jahr für Jahr ein solides Ergebnis erwirtschaften.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

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