Region Olten

Städtische Betriebe möchten Stromversorgerin Avag kaufen

Nicht gerade Lebens-, aberÜbernahmegefahr bei der Avag.cva

Nicht gerade Lebens-, aberÜbernahmegefahr bei der Avag.cva

Die Städtischen Betriebe Olten (sbo) möchten den zum Verkauf stehenden Anteil an der Avag übernehmen – aber für die Alpiq stehen die wirtschaftlichen Kriterien im Vordergrund.

Ein erster Kaufinteressent für die Oltner Stromversorgerin Avag ist bekannt. Es ist der nächstliegende: die Städtischen Betriebe Olten (sbo), die schon heute zusammen mit der Avag die grosse regionale Energieversorgerin a.en (120 Mitarbeiter) besitzen.

«Die sbo wird Alpiq ein marktgerechtes Angebot für die Avag unterbreiten», teilt Beat Erne, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Marketing und Kommunikation der a.en, mit. «Das hat der Verwaltungsrat der sbo einstimmig beschlossen.» Präsident des sechsköpfigen sbo-Verwaltungsrates ist der frühere Oltner Stadtpräsident Ernst Zingg, die weiteren VR-Mitglieder sind der Anwalt Aristide Roberti, die beiden amtierenden Stadträte Thomas Marbet und Benvenuto Savoldelli, die Steuerberaterin Franziska Steiner (Wangen) und der Trimbacher Gemeindepräsident Karl Tanner.

Die Oltner Stadtregierung trägt das Ziel, die mit kommunalen und überregionalen Stromnetzen reich dotierte Avag vor dem Zugriff «fremder» Hände zu sichern, mit. Der Stadtrat wurde am Montag dieser Woche über den Beschluss des sbo-Verwaltungsrates orientiert, teilt Ernst Zingg auf Anfrage mit. Der städtische Finanzdirektor Savoldelli verweist auf die Zuständigkeit des sbo-Verwaltungsrates (dem er selbst angehört), bestätigt aber, dass der Stadtrat informiert ist.

Ein Millionengeschäft

Ein Kauf der Avag (beziehungsweise des 96,7-Prozent-Anteils der Alpiq) ist alles andere als eine Kleinigkeit. Zum Marktwert der Aktien sind Aussagen nicht möglich, da sie nicht gehandelt werden. Anlässlich des Eintritts der Gemeinden Balsthal, Niedergösgen und Schönenwerd in den Aktionärskreis der Avag 2005 wurde der Wert einer Aktie auf 4240 Franken beziffert; zu diesem Wert stehen sie auch heute in den Büchern der Gemeinde Schönenwerd, die von den 14 Aktionärsgemeinden über den grössten Aktienanteil verfügt.

Nach diesem Wert gerechnet, wäre der Alpiq-Anteil an der Avag über 200 Mio. Franken wert. Bei allen Vorbehalten gegenüber dieser theoretischen Rechnung muss wohl in jedem Fall mit einem dreistelligen Millionenbetrag gerechnet werden. 

Wieviel die Avag tatsächlich wert ist, werden die Verkäuferin Alpiq wie auch die Kaufinteressenten nun ganz genau ermitteln. Alpiq hat die Wirtschaftsprüfungsfirma PwC beauftragt, eine Verkaufsdokumentation zu erstellen. Die sbo ihrerseits müssen die Finanzierung eines Avag-Kaufs abklären. Die sbo sind ein selbstständiges, öffentlich-rechtliches Unternehmen, das zu 100 Prozent der Stadt Olten gehört. Ein Avag-Deal würde also nicht direkt die Rechnung der Stadt betreffen.

Für das Jahr 2014 wies die Avag einen Umsatz von 99,8 Mio. Franken und einen Jahresgewinn vom 2,4 Mio. Franken aus. Sie investierte 8,2 Mio. Franken in ihr Regionalnetz und 6,8 Mio. Franken ins überregionale Verteilnetz.

Mit ihren Aktionärsgemeinden verfügt die Avag über Konzessionsverträge bis ins Jahr 2027. Sie beherrscht aber auch das überregionale Hochspannungs-Verteilnetz am Jurasüdfuss, über das Alpiq-Strom in die Netze der BKW und der Baselbieter Stromversorger EBL und EBM transportiert wird. Hingegen gehören das Personal und alle Betriebsmittel zur Betriebsgesellschaft a.en, an der Avag und sbo zu je 50 Prozent beteiligt sind.

Furcht vor Finanz-Raidern

Die sbo dürften kaum als einzige bei der Alpiq anklopfen. Als «Strom-Nachbarn» könnten die Bernischen Kraftwerke (BKW), die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) oder die Elektra Baselland Liestal (EBL) Interesse anmelden. 

Eine Übernahme durch diese Energiedienstleister könnte Arbeitsplätze der a.en in Frage stellen. Auf noch grössere Vorbehalte in der Region dürfte eine Übernahme durch aussenstehende, reine Finanzinvestoren stossen, bei denen etwa um den guten Unterhalt der Avag-Stromnetze zu fürchten wäre.

«Verkauf ist eine Hiobsbotschaft»

Kurt Henzmann, Gemeindepräsident von Niedergösgen und einer der zwei Vertreter der Aktionärsgemeinden im Avag-Verwaltungsrat, zeigte sich auf Anfrage alarmiert durch die Verkaufsabsicht der Alpiq und sprach von einer Hiobsbotschaft. Die Kleinaktionäre müssten sich nun abstimmen und ihre Optionen prüfen. «Mit der Variante sbo könnten wir leben», meint Henzmann. Ihm seien dabei die Arbeitsplätze bei a.en und sbo wichtig.

Nicht verbergen will Henzmann seine Enttäuschung über Christian Wanner, der den Kanton Solothurn im Alpiq-Verwaltungsrat vertritt und erst im Mai 2014 neu in den Avag-Verwaltungsrat gewählt worden war – laut Henzmann mit der ausdrücklichen Erwartung, dass er die Verbindung zwischen Alpiq und Gemeinden festigen sollte. Nun habe Wanner den Ausstieg von Alpiq aus der regionalen Stromversorgung nicht verhindern können.

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