Olten

Stadtschulen haben Sparbremse angezogen und sparen halbe Million

Ueli Kleiner, Gesamtleiter Direktion Bildung und Sport und Mario Clematide, alt Vorsteher der Bildungsdirektion

Ueli Kleiner, Gesamtleiter Direktion Bildung und Sport und Mario Clematide, alt Vorsteher der Bildungsdirektion

Die Schulen starten im Zeichen der Finanznot ins neue Schuljahr. Bildungsdirektor Mario Clematide und Direktionsleiter Ueli Kleiner versichern, dass ab dem kommenden Montag aber niemand Not leiden muss.

Weiter laufende Reformen, aber wegen der städtischen Sparrunden weniger Mittel: Der am 31. Juli abgetretene Bildungsdirektor Mario Clematide und Direktionsleiter Ueli Kleiner erklären, wie Oltens Schulen auch mit weniger Geld funktionieren können und wie gut diese die Veränderungen bewältigt haben.

Bei den städtischen Schulen hängt aktuell einiges in der Schwebe. Dass der neue Bildungsdirektor noch nicht bekannt ist, erklärt diesen Zustand nur teilweise.

Unsicherheit entsteht nach dem Einbruch der Steuereinnahmen bei den juristischen Personen auch durch die nötigen Sparrunden. Dennoch glauben die Verantwortlichen der Direktion Bildung und Sport (Bispo), dass sich Oltens Schulen grundsätzlich auf einem guten Weg befinden.

Im einem Schreiben an die Lehrkräfte von Anfang Februar haben Sie die städtische Finanzlage sehr dramatisch umschrieben: Olten sei vergleichbar mit einem Haushalt, der 7500 Franken ausgebe, aber nur 6000 Franken verdiene. Was heisst das für den Bildungsbereich?

Ueli Kleiner: Liquiditätsengpässe sind ein Thema. Tatsächlich haben wir immer noch mehr Ausgaben als Einnahmen und können keine Entwarnung geben.

Mario Clematide: Die Bereiche Soziales und Bildung haben in den letzten zehn Jahren den grössten Kostenanstieg verzeichnet. Dieser Trend ist mittlerweile aber gebrochen. 2012 schloss unsere Rechnung unter dem Budget ab.

In welchem Umfang hat das Bispo in der Laufenden Rechnung insgesamt schon Einsparungen im Vergleich zum ursprünglichen Budget vorgenommen?

Kleiner: Auf total 25 Mio. Franken haben wir in zwei Sparrunden in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen bisher eine halbe Million eingespart. Ingesamt hat der Stadtrat in der Laufenden Rechnung eine Kürzung von rund drei Mio. vorgenommen. In unserem Bereich sind wir punkto Sparpotenzial an die Grenze gelangt. Darüber hinaus geht es nur mit Leistungsabbau.

Clematide: Mit weniger Klassen würde man am meisten sparen. Das weiss ich schon aus meiner Zeit als Direktor des Berufsbildungszentrums in Olten. Zur Optimierung der Klassengrösse könnte man auch gewisse Tabus brechen, zum Beispiel Kinder von der linken auf die rechte Aareseite in die Schule schicken.

Welche Sparmassnahmen wurden im Stadthaus beschlossen?

Kleiner: Beim Schulmaterial, bei Unterrichtsgeräten und Beiträgen an Veranstaltungen mussten wir starke Reduktionen vornehmen. In Absprache mit den Schulleitungen haben wir entschieden, die beiden Schulblatt-Nummern dieses Jahres einzustellen. Dies erscheint mir verkraftbar, weil das Schulblatt im Rahmen eines neuen Kommunikationskonzeptes ohnehin einer Auffrischung bedarf. Zudem haben wir die Stelle des ICT- Koordinators an der Primar- und Oberstufe gestrichen. Bei einer Überprüfung der Aufgaben haben wir festgestellt, dass für seine Funktion kein Bedarf mehr gegeben war.

Welche Sparübungen mussten die Schulleitungen vor Ort vornehmen?

Clematide: Grundsätzlich gilt es zu sagen, dass ich vier Jahre lang über Globalbudgets geführt habe. Damit waren die Schulleitungen als Verantwortliche vor Ort auch in diesem Fall für ihre Finanzen zuständig. So werden aus Betroffenen Beteiligte.

Kleiner: Auf der Sekundarstufe I wurden 6 von 7 Betreuungslektionen für die Frohheim-Bibliothek gestrichen. Die Bibliothek soll nicht auf Dauer geschlossen oder gar aufgelöst werden, aber es ist der Zeitpunkt gekommen, um bestehende Angebote und deren Kosten zu hinterfragen. Wir haben Doppelspurigkeiten erkannt, die wir uns nicht mehr leisten können. Mit der Jugendbibliothek haben wir eine Institution, die kostengünstigere Lösungen anbietet. Wir stellen uns vor, dass der Bestand in die Jugendbibliothek integriert wird. Dennoch sollen die Bibliothek als Arbeitsraum sowie Sachbücher und Klassenlektüren im Frohheim erhalten bleiben. Die Details der Lösung erarbeiten Sek I und die Jugendbibliothek in den nächsten Wochen.

Können die Schulen ihren Auftrag nach wie vor gut erfüllen?

Kleiner: Unser Vorgehen beim Sparen war dadurch bestimmt, dass wir die gute Schule Olten nicht in ihren Grundfesten erschüttern wollten. Dazu gehören Elemente, die mit den beiden grossen Reformen zusammenhängen. Diese Begleitumstände wollten wir schützen. Bei der Speziellen Förderung wollen wir weiterhin den Maximalpool an Lektionen ausschöpfen. Auf der Sek I sollen die Klassenlehrerstunde und die LernBar erhalten bleiben.

Clematide: Unsere Strategie bei den Reformen ging von der Frage aus: Was braucht es, damit die Kinder aufgrund ihrer Stärken vorankommen? Daraus haben wir die Strukturen abgeleitet. Die gestaffelte Einführung der Sek-I-Reform und der Speziellen Förderung auf der Oberstufe hat funktioniert. Beide Reformen waren im Übrigen trotz gegenteiliger Meinungen in der Lehrerschaft nie verhandelbar, aber sehr wohl gestaltbar. Nach den Strukturen wird das Augenmerk der Arbeit an der Kultur gelten. Dazu gehören die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus und moderne Kommunikationsformen.

Die Reform der Sekundarstufe I ist mit dem bald beginnenden neuen 9. Schuljahr voll umgesetzt. Wie lautet Ihre bisherige Bilanz?

Kleiner: Auf die Schnelle ist diese Reform nicht zu machen. Wir haben erst einen kleinen Teil des Wegs gemacht. Aber wir kommen in diesem intensiven Prozess gut voran. Auch unter den Lehrpersonen nimmt die Zuversicht zu, dass es zu schaffen ist. Die Zusammenführung der Sek I im Frohheim hat sich bewährt. Es ist gut gelungen, die Kulturen der früheren Oberschule im Säli und der Abteilungen im Frohheim zu verschmelzen. Die schwierigen Geschichten haben deswegen nicht zugenommen.

Clematide: Der in nur 14 Monaten realisierte Annexbau im Frohheim hat die Zusammenlegung erst möglich gemacht. Dass die Sek I ohne P-Zug geführt wird, kann man als Verlust ansehen. Aber wichtig ist es, am E- und B-Profil Schüler heranzuziehen, die in der Gesellschaft bestehen. Ob dies gelungen ist, wird sich erstmals in einem Jahr zeigen. Es braucht aber dann noch weitere Jahrgänge, bis man eine erste Analyse zu den Auswirkungen der Sek-I-Reform machen kann.

Kleiner: Das gilt auch für die Sek P, an die in unserem Schulkreis mit Starrkirch-Wil und Boningen nach den sehr hohen Quoten in den beiden ersten Jahren nun noch 25 Prozent des Jahrgangs wechseln. Wir können feststellen, dass die ersten Sek-P-ler auch tatsächlich den Einstieg in die Maturitätslehrgänge geschafft haben. Aber es ist immer noch zu früh, eine Aussage darüber zu machen, ob tatsächlich die richtigen Schüler dort sind.

Gibt es wieder engere Kooperationspläne auf der Oberstufe mit Trimbach und Dulliken?

Kleiner: Es gibt eine Initiative Dullikens in diese Richtung, weil es seinen Standort gefährdet sieht. Der Kanton hat sein Interesse an einer Lösung bekundet. Wir sind grundsätzlich offen, möchten aber, dass der neue Stadtrat zuerst seine Haltung definiert.

Was ist der Stand bei der Planung eines neuen Primarschulhauses?

Kleiner: Eigentlich haben wir unsere Arbeit gemacht. Das Team des Hübelischulhauses, das dereinst umziehen wird, hat ein pädagogisches Konzept für einen Neubau gemacht, inklusive Raumplanung. Die vom Gemeindeparlament überwiesene Volksmotion sorgt für eine hohe Priorität des Projekts, welches nun die Baudirektion voranbringen muss.

Clematide: Der Entscheid fürs Kleinholz und gegen Olten SüdWest, wo lange Zeit Baulärm droht, war für uns schnell klar. Schon heute kommen zwei Drittel der Hübeli-Schüler aus dem Kleinholz. Die Planungkosten von 200 000 Franken sind nun im Investitionsplan 2014 enthalten. Auf das Schuljahr 2015/16 sollte das Schulhaus bezugsbereit sein.

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