Der Blick zurück auf das Kriegs- und Landesstreikjahr 1918 sowie die geplanten Verschärfungen des Waffenrechts zogen sich wie ein roter Faden durch die Bastiansfeier 2018. Stephan Glättli übernahm als neuer Vater Bastian das Amt von der ersten dazu berufenen Frau. «Mein Dialekt gab fast mehr zu reden als mein Geschlecht», zog Esther Gassler in Anwesenheit der gesamten aktuellen Kantonsregierung Bilanz.

Stephan Glättli freute sich an der 207. traditionellen Versammlung der Oltner Stadtschützen, im zarten Alter von 40 Jahren als Oberstleutnant im Generalstab die Tradition der militärischen Bastiansväter weiterzuführen. In Erinnerung an den Ursprung der Schützenbruderschaften im Mittelalter betonte er die historische Verbundenheit von Soldaten, Schützen und Jägern und deren gemeinsame heutige Interessen. Alle übten ihr Handwerk aus Sorge zum Gemeinwesen gewissenhaft und eigenverantwortlich aus.

Gegen jegliches Diktat

«Im Gegenzug dürfen wir aber auch erwarten, dass wir in unseren Tätigkeiten nicht eingeschränkt und bevormundet werden.» Wo man anfange, den Soldaten vom Bürger zu trennen, sei die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit schon verloren, zitierte der Lostorfer Rechtsanwalt den Schriftsteller Johann Gottfried Seume.

Noch drastischere Worte gegen ein strengeres Waffengesetz fand der neue Bastiansehrenbruder Hans-Peter Wüthrich. Der Präsident von Pro Tell warf der EU vor, die Schweiz entwaffnen, entmündigen und unterjochen zu wollen. Angriffe auf das liberale Waffenrecht kämen jedoch auch aus Bundesbern.

Heinz Eng eröffnete einen zweiten rednerischen Schwerpunkt des Sonntagnachmittags, den Blick hundert Jahre zurück. Mit einem Entschuldigungsschreiben an die Bastiansfeier 1919 rief der Präsident der Oltner Stadtschützen den Landesstreik von 1918 in Erinnerung, als ein Bürgerkrieg gedroht habe. «Die Besonnenheit von Persönlichkeiten auf beiden Seiten hat der Schweiz in dieser schwierigen Zeit geholfen.» Statt der verschiedenen, in diesem Jahr angekündigten «Feiern» wären für ihn «Gedenkanlässe» angebrachter.

Miliz, Gemeinschaft, Geschichten

Beat Loosli leitete in seinen Dankesworten zur Ernennung als Bastiansehrenbruder die Ansprache von Bastiansredner Bruno Staffelbach ein, indem er den Wert des Anlasses in einer globalisierten Welt herausstrich. «Die Bastiansfeier hat sich in sich selber erneuert.» Der Rektor der Universität Luzern forderte die Anwesenden auf, sich selber treu zu bleiben und griff auch auf den 1918 beendeten Ersten Weltkrieg zurück, um die Unberechenbarkeit der Entwicklung auch 2018 im Zeichen von Beschleunigung, Digitalisierung und Migration zu demonstrieren. Die Kombination der Megatrends mit der Vergesslichkeit, der Selbstüberschätzung und den Denkfehlern des Menschen, ergebe eine gefährliche Mixtur von Illusionen, Risiken und Verletzlichkeiten.

Dagegen könne sich die Schweiz mit den Werten der Schützengemeinschaft wappnen, wenn sie sich zur Heimatliebe und zur Miliz bekenne. Es sei zwar schwieriger geworden, militärische und zivile Karriere unter einen Hut zu bringen, sagte der Brigadier. Im Interesse des gesellschaftlichen Wohls brauche es Brückenbauer zwischen individuellen und kollektiven Interessen. Gemeinschaften könnten diese Funktion mit Teamgeist und Treue erfüllen. Darüber hinaus leiste ein Brauchtum mit Geschichten wertvolle Dienste. Es ermögliche, Brücken zu bauen. «Brücken haben es an sich, dass sie quer zum Mainstream stehen», betonte Bruno Staffelbach.