Nicht eine Million Franken, wie von der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten gewünscht, sondern eine halbe Million will die Stadt an die Sanierungskosten der Stadtkirche beitragen. Über den Subventionsbeitrag wird das Parlament an seiner Sitzung vom 23. November befinden.

Das Gesuch um einen städtischen Beitrag an die Sanierungskosten über rund 6,5 Mio. Franken wurde im Juli gestellt. Daraus geht hervor, dass die Kirchgemeinde mit einem Beitrag von rund einer Million Franken rechnet.

«Unser Vorschlag entspricht in etwa jenem Beitrag, der von der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege zugesichert ist», erklärt Brigitta Köhl, Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten, auf Anfrage.

Weshalb diese überhaupt als Gesuchstellerin auftritt, erklärt die Präsidentin mit dem Umstand, dass die Kirche als Stadtkirche bekannt ist und zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der Stadt Olten selbst erbaut wurde.

«Wir wollen mit unserer Anfrage keinesfalls ein Präjudiz schaffen», so Brigitta Köhl weiter. Dieser Gedanke könnte durchaus aufkommen, hat sich die Stadt bislang noch nie an der Sanierung eines Gotteshauses auf Stadtgebiet beteiligt. Das aktuelle Engagement ist also eine Premiere.

Wahrzeichen erhalten

Nach Ansicht des Stadtrates gilt es die Stadtkirche als Wahrzeichen zu erhalten und ihr mit der Renovation wieder neuen Glanz zu verleihen. Aktivitäten in und um die Stadtkirche würden einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten, «was unter Berücksichtigung der finanziellen Situation der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten die Genehmigung einer Subvention in der Höhe von 500 000 Franken rechtfertigt», argumentiert die Exekutive.


Von einem Entscheid mit präjudizierendem Charakter mag auch Stadtpräsident Martin Wey nicht reden. «Der Gedanke stand zwar am Anfang der Entscheidungsfindung», räumt er ein. Aber im Laufe der intensiven Diskussionen im Rat sei zusehends das Momentum «Stadtkirche» in den Vordergrund gerückt.

Die Stadt sei Erbauerin der Kirche, was wohl mit einer gewissen Einzigartigkeit schweizweit einhergehe. Zudem räumt Wey ein, der Standort der Kirche sei durchaus repräsentativ und ein guter Allgemeinzustand des Gebäudes auch von allgemeinem Interesse.

«Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten und unter der Beachtung von Symmetrieaspekten – auch die Stadt hat schmerzliche Eingriffe vornehmen müssen, von denen auch Institutionen und Vereine betroffen waren – eine doch namhafte Summe sprechen wollen; jenseits der Spruchkompetenz des Stadtrats, die bei 400 000 Franken liegt», so Wey weiter.

Und bezüglich Symmetrieeffekten präzisiert Baudirektor Thomas Marbet: «In den letzte Jahren wurden bei einzelnen Liegenschaften in städtischem Besitz absolut notwendige Sanierungsarbeiten hinausgezögert.

Insofern ist die halbe Million ein durchaus stattlicher Betrag.» Die von der Stadt vorgeschlagene Nutzungsvereinbarung hält Marbet im Übrigen für einen integralen Bestandteil der Subventionszahlung, auch wenn diese noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Das finanzielle Engagement der Stadt wirke sicher als Türöffner für privaten Geldgeber. «Denn damit machen wir deutlich: Hinter dem Vorhaben steckt ein kultureller und gesellschaftlicher Wert», so Wey.

Mit der Subvention will sich die Stadt via Nutzungsvereinbarung aber auch ein wichtiges Gestaltungs- und Nutzungsmittel in die Hand spielen. Etwa die Öffnungszeiten der Kirche, die unentgeltliche Nutzung von bis zu acht Einzeltagen, die Nutzung des Sockels.

Mit dem jetzt zu Debatte stehenden Betrag will der Stadtrat die Diskussion öffnen, die Entscheidungsgrundlagen transparent machen und den Entscheid breit abstützen, erklärt Wey, der allerdings einen Wermutstropfen ausmacht: Die halbe Million, im kommenden Jahr zu überweisen, erscheint nicht im Budget 2017. Grund: Das Gesuch wurde etwas spät eingereicht.

Auch wenn der ursprüngliche Wunsch der Christkatholiken also nicht in Erfüllung gehen wird: «Im Fall eines parlamentarischen Ja nehmen wir den Subventionsbetrag dankbar entgegen», so Brigitta Köhl.

Über die von der Stadt formulierte Nutzungsvereinbarung wird die Kirchgemeinde nächste Woche entscheiden. «Diesbezüglich gehen unsere Vorstellung noch auseinander», so Brigitta Köhl.