Olten
Stadtrat macht im Internet weiter wie bisher – Webagenturen kritisieren Vorgehen

Der Stadtrat von Olten hat den Auftrag für das Redesign der städtischen Website erneut an Firma i-Web aus Zürich vergeben, ohne andere Offerten einzuholen. Diese Vergabepraxis stösst so manchem sauer auf und wirft Fragen auf.

Fabian Muster
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Die Homepage der Stadt Olten: Der aktuelle Auftritt der Dreitannenstadt im World Wide Web.

Die Homepage der Stadt Olten: Der aktuelle Auftritt der Dreitannenstadt im World Wide Web.

Screenshot olten.ch

60 000 Franken soll der aktualisierte Webauftritt der Stadt Olten kosten. Mit dem Nachtragskredit, welchen der Stadtrat Mitte Juni in eigener Regie bewilligt hat, soll die bestehende Website nach fünf Jahren im Design modernisiert, die Inhalte sich automatisch an die verschiedenen Geräte wie Desktop-Computer oder Handy anpassen (sogenanntes responsives Design) und vor allem die Zeiten für das Hochladen neuer Daten deutlich verkürzen von bisher bis zu einer halben Stunde auf neu höchstens noch zwei Minuten.

Den Auftrag erhalten hat erneut die Zürcher Firma i-Web, bei welcher die Stadt Olten seit 2002 den Webauftritt bezieht. Diese Ausgabe bezeichnet i-Web-Miteigentümer Lorenz Ilg als «typische Folgeinvestition für einen Upgrade» (siehe Kontext unten). Die Stadt Olten hat für den Auftrag keine weiteren Offerten eingeholt.

Lange Ladezeit wird kritisiert

Dies kommt allerdings bei den Webagenturen auf dem Platz Olten nicht gut an und hat eine rege Diskussion in der Oltner Facebook-Gruppe ausgelöst. Kritisiert wird vor allem der Umstand, dass die Stadt den Auftrag nicht öffentlich ausgeschrieben und Konkurrenzofferten bei lokalen Anbietern eingeholt hat, um die Wertschöpfung in der Region zu behalten. Auch die langen Ladezeiten für neue Daten sorgen für Kopfschütteln. «Bei unserer Lösung sind die neuen Daten sofort online verfügbar», sagt Reto Baumgartner von My Sign, dessen Oltner Firma die Websiten für die Aare Energie AG und die Stadt Lenzburg betreut.

Auch die Oltner Internetagentur apload GmbH erstellt Gemeindewebseiten, unter anderem jene von Kappel. Projektleiter Mario Sommerhalder hält fest, dass die Veröffentlichung eines Beitrages nicht direkt mit dessen Ladezeit zu tun habe. Eine Veröffentlichungsdauer von bis zu einer halben Stunde hält allerdings auch er für «wahnsinnig lange». «Einen Newsbeitrag auf der Gemeindeseite von Kappel zu veröffentlichen, geschieht innert Sekunden.», vergleicht er.

Für Tobias Oetiker, der in Olten ebenfalls eine IT-Firma betreibt, sei «die Leidensfähigkeit bei den Stadtangestellten enorm». Zudem könnte die lange Ladezeit auch Folgen auf die Qualität der publizierten Inhalte haben: «Passiert ein Fehler beim Hochladen, geht es eine halbe Stunde, bis er wieder korrigiert ist.» Oetiker hält Komplettlösungen mit verschiedenen Modulen wie von der Firma i-Web für typische «Branchenbiotoplösungen», bei der ein Wechsel zu einem anderen Anbieter erschwert wird, weil das System in sich abgeschlossen ist. «Die Stadt Olten steckt Geld in ein System, aus dem man kaum aussteigen kann.»

Firma i-Web nimmt Stellung zur Kritik

Miteigentümer und Marketingchef Lorenz Ilg der Firma i-Web sagt auf Anfrage, dass die lokalen Webagenturen zwar ein technisch gleich gutes Inhaltsverwaltungssystem, dem sogenannten Content Management System (CMS), und Design bieten könnten. Zugleich macht er aber deutlich, dass bei i-Web als Spezialist für Homepages der öffentlichen Hand gewährleistet ist, dass alle gesetzlichen Auflagen wie die Einhaltung des barrierefreien Surfens auch für Behinderte, Sicherheitsstandards wie mehrfache Redundanz der Daten und verschlüsselte Sicherung in Rechenzentren erfüllt sind, was in seinen Augen eine lokale Webagentur nicht in diesem Ausmass bieten kann. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter sei «theoretisch zwar möglich», bedeute aber für die Gemeinde finanziell, aber auch für die Verwaltung ein Mehraufwand, weil alle Daten ins neue CMS gezügelt werden müssten. «Heute gibt es in der Schweiz keinen vergleichbaren Anbieter.» Die lange Ladezeit von bis zu einer halben Stunde bezeichnet Ilg selbst heute als «unakzeptabel». Mit dem Upgrade des CMS soll die Ladezeit auf höchstens zwei Minuten gekürzt werden. Dies geschieht dadurch, das beim Laden nicht mehr alle Archivinhalte gleichzeitig mitgeladen werden.

Bildungsdirektion lädt Bewerber ein

Stadtschreiber Markus Dietler bestätigt, dass ein Wechsel zu einem anderen Anbieter in der Stadtratssitzung Mitte Juni kein Thema war. Dafür habe kein Grund bestanden: «Wir sind mit der Firma i-Web seit 15 Jahren sehr zufrieden», sagt Dietler. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter wäre ein «Riesenprojekt», das gewisse Ressourcen in der Stadtverwaltung binden würde. Wenn es denn überhaupt Anbieter mit dem gleichen Angebotskatalog, wie ihn i-Web über Jahre entwickelt habe, gebe, seien doch Websites für Gemeinden einer gewissen Grösse eine spezialisierte Welt.

Als einziges Manko des aktuellen Auftritts bezeichnet er die lange Ladezeit aufgrund des grossen Archivs, das mit der heutigen Technologie zugleich jedes Mal mitgeladen wird, was allerdings mit den technischen Neuerungen behoben werden soll. Der Vorteil eines Branchenführers wie i-Web sei aber auch, dass man als Gemeinde nicht selbst die Entwicklung des Systems steuern müsse, weil ein paar hundert andere Kunden die selben Bedürfnisse und Anforderungen hätten. Die Kritik der lokalen Webagenturen kommt aber zu spät: Die Verträge für den 60 000-Franken-Auftrag sind bereits unterschrieben.

Im Jahr 2002 schrieb die Stadt Olten ihren Webauftritt ein letztes Mal aus. Damals erhielt die Zürcher i-Web den Zuschlag, zu deren Kunden übrigens auch Solothurn und Grenchen gehören. Seither gab es in regelmässigen Abständen Angebotserweiterungen sowie Updates der Technik und Modernisierungen der grafischen Darstellung der Website, zuletzt vor fünf Jahren für 40 000 Franken. Schon damals war ein Nachtragskredit des Stadtrats nötig, um den Auftrag auszulösen.

Einen anderen Weg geht die Direktion Bildung und Sport, welche für die Schulen eine eigene Homepage betreibt, die ebenfalls von i-Web gehostet ist. «Wir wollen die Seite überarbeiten und treten nun auf eigene Initiative mit mehreren Bewerbern in Kontakt», sagt Jan Rechsteiner als Leiter Dienste. Eine Analyse und Diskussion der bisherigen Website hält er für unabdingbar, um zu wissen, ob man die nächsten fünf bis zehn Jahre weiter auf die Zürcher i-Web setzen wolle. Dieses Vorgehen hätte er auch bei der städtischen Homepage begrüsst. Ob der Auftrag für die Schulhomepage allerdings neu ausgeschrieben wird, ist damit noch nicht entschieden.