Die Oltner Politik reagiert unterschiedlich auf die Meldung des Oltner Tagblatts, dass der Stadtrat nun erneut die Möglichkeit hat, die Winkelüberbauung als ganzes oder den nur zur Liegenschaft gehörenden Teil der Winkelunterführung zu kaufen. Die Preisvorstellungen für beide Varianten wurden der Oltner Regierung über einen Mittelsmann zugesteckt.

Grünliberale-Gemeinderat Christian Ginsig sagt ganz klar: «Wenn die Stadt nun die Chance hat, die Winkelunterführung zu kaufen, dann muss sie zuschlagen.» Ginsig, der damals auch im Komitee sass, welches die Volksinitiative «Stadtseiten verbinden» lancierte, spricht aber bereits von einer verpassten Chance. «Die Stadt hätte die Winkelunterführung schon vor drei, vier Jahren zu einem tieferen Preis erwerben sollen.» Nun könne der Besitzer einen höheren Preis diktieren, weil der Stadtrat unter Zugzwang stehe.

SP fordert Transparenz

Ganz so weit auf dem Fenster lehnen will sich die SP nicht. Doch auch für die Genossen ist laut einer Mitteilung klar, dass «die bislang geltende Strategie Zuwarten umgehend zu überdenken ist» und die Partei vom Stadtrat eine aktive Bereitschaft erwartet, mit dem Besitzer eine zukunftsweisende Lösung zu finden. «Bei einem Projekt dieser Grössenordnung darf auch eine grosse Investition nicht abschrecken und die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Langzeitfolgen müssen in Betracht gezogen werden.» Zudem soll der Stadtrat transparent über anstehende Gespräche und Visionen noch vor den Wahlen konkret informieren, heisst es weiter.

Auch die SVP findet, dass ein Kauf erneut geprüft werden soll. «Es macht schon Sinn, einen Erwerb in Betracht zu ziehen, auch wenn die Stadt derzeit für ein solches Projekt eigentlich kein Geld hat», sagt SVP-Präsident Philippe Ruf.

Für FDP-Fraktionschef Urs Knapp hingegen ist ein Kauf der Winkelunterführung «nicht die beste Lösung». Die Stadt sollte in seinen Augen eher darauf hinwirken, die Ausnützungsziffer des Grundstücks zu erhöhen, damit der Besitzer den Innenhof der jetzigen Liegenschaft auch überbauen könnte. «Dank der Mehrwertschöpfung biete sich für die Stadt vielleicht so die Chance, die Winkelunterführung gratis zu erhalten.» Diese Idee hat Knapp dem Stadtrat schon einmal schmackhaft gemacht.

«Das ist doch Blödsinn!»

Grüne-Gemeinderat Felix Wettstein, der damals im Komitee der Initiative «Stadtseiten verbinden» sass, ist gegenüber einem Kauf der Winkelunterführung ebenfalls skeptisch. «Wir forderten damals eine sichere, direkte und helle Verbindung für den Velo- und Fussverkehr zwischen beiden Stadtseiten.» Das sei mit der verwinkelten Verbindung nur schwer möglich. «Die Winkelunterführung war städtebaulich schon in den 1980er-Jahren ein Stuss.» In seinen Augen ist von den Kosten und der Praxis her die Variante am besten, welche eine effiziente oberirdische Querung der Aarburgerstrasse bis zum Restaurant Zollhaus vorsieht und dann mit einer neuen breiten Unterführung für Fussgänger und Velofahrer die Bahngeleise unterquert. Zudem dürfe man nun nicht die beiden Unterführungen Hammer–Olten SüdWest und Winkel gegeneinander ausspielen. «Wir wollen beide Verbindungen voranbringen.»

Einig sind sich alle angefragten Politiker, dass der Stadtrat nun endlich wieder das direkte Gespräch mit Besitzer Erik Rischmann suchen muss. «Das ist doch kein Dauerzustand, sich über einen Mittelsmann auszutauschen», sagt Wettstein. Noch deutlicher wird Knapp: «Das ist doch Blödsinn!» Es verliere niemand das Gesicht, wenn die beiden Parteien wieder aufeinander zugehen würden. (fmu)