Olten
Städtischer Energieversorger ist unter Druck

Bald sollen Privatkunden Strom am Markt kaufen können – wie gut sind Städtische Betriebe Olten darauf vorbereitet?

Fabian Muster
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Ab voraussichtlich 2018 soll der Strommarkt auch für Privatkunden unter 100000 Kilowattstunden pro Jahr geöffnet werden (im Bild das Atomkraftwerk Gösgen mit Wasserkraftwerk in Niedergösgen). Bruno Kissling/Archiv

Ab voraussichtlich 2018 soll der Strommarkt auch für Privatkunden unter 100000 Kilowattstunden pro Jahr geöffnet werden (im Bild das Atomkraftwerk Gösgen mit Wasserkraftwerk in Niedergösgen). Bruno Kissling/Archiv

Bruno Kissling

Sind die Städtischen Betriebe Olten sbo dafür gewappnet, wenn ab voraussichtlich 2018 das Monopol fällt und auch die privaten Haushalte den Strom frei am Markt kaufen können? Der Oltner SVP-Gemeinderat Matthias Borner befürchtet, dass die sbo nicht darauf vorbereitet sind.

In einem Vorstoss, der von Vertretern aller Parteien unterschrieben worden ist, fordert Borner den im Verwaltungsrat vertretenen Oltner Stadtrat auf, Strategien aufzuzeigen, wie die Energiefirma konkurrenzfähige Preise anbieten könnte.

Verliert sie nach der Marktöffnung nämlich zu viele Kunden, könnte Borner zufolge dasselbe passieren wie mit der Alpiq vor ein paar Jahren: Die jährlichen Einnahmen für die Stadtkasse würden drastisch zurückgehen. In den letzten Jahren haben die Städtischen Betriebe, die zu 100 Prozent der Stadt gehören, Olten immer etwas mehr als drei Millionen Franken an Abgaben in die Kasse gespült.

Ist der Strom in Olten zu teuer?

Auf der anderen Seite ist Borner der Meinung, dass die Oltner derzeit zu viel für den Strom bezahlen. Auf diesen Befund kommt er, wenn man die Strompreise vergleicht mithilfe der Preisübersicht auf der Website der Strom-Aufsichtsbehörde Elcom zwischen der Stadt Olten und dem ganzen Kanton Solothurn.

Auffällig ist, dass die Strompreise in Olten für dieses Jahr in fast allen Kategorien privater Haushalte auf einer Skala von 1 bis 5 in der Kategorie 3 oder 4 angesiedelt sind – wobei 1 die günstigste und 5 die teuerste Kategorie darstellen. Bei den beiden Gewerbebetriebs-Kategorien bis 30 000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr sind die Strompreise auf dem Platz Olten sogar in der Kategorie 4 und 5, also den beiden teuersten. «Ich habe das Gefühl, dass die sbo zu viel Gewinn machen auf Kosten der Stromkunden.»

Diesen Vorwurf will die Firma nicht auf sich sitzen lassen. Sie listet in der Vorstoss-Antwort auf, dass die Preise im Jahr 2014 bereits um 10 Prozent gesunken sind, auf dieses Jahr hin nochmals um 5 Prozent abnahmen und für das Jahr 2017 um 10 bis 15 Prozent tiefer sein werden. Insgesamt entspricht dies einer Preissenkung seit 2014 von 30 Prozent.

Einige Grosskunden verloren

Dass die Preise in Olten im Vergleich zum gesamten Kanton durchschnittlich etwas höher liegen, habe laut Kommunikations-Chef Beat Erne damit zu tun, dass die Städtischen Betriebe mit dem Stromzulieferer Alpiq einen Liefervertrag bis Ende 2015 abgeschlossen hatten, der noch auf höheren Energiepreisen beruhte. Nachdem die Preise seit 2012 stark gesunken seien, verlängerten die sbo den bisherigen Vertrag mit der Alpiq um zwei Jahre unter der Bedingung, dass gleichzeitig auch die Preise für die Endkunden tiefer ausfielen.

Dass die Befürchtung des SVP-Gemeinderats Borner, die sbo könnte nach der Strommarktliberalisierung private Kunden verlieren, nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, beweisen die Grosskunden mit einem Verbrauch von mehr als 100 000 Kilowattstunden pro Jahr. Diese dürfen den Stromlieferanten seit 2009 frei auf dem Markt wählen. Die Städtischen Betriebe haben seit damals wichtige Kunden an die Konkurrenz verloren, namentlich die SBB, Swisscom, Migros und Coop.

Rund ein Viertel des Gesamtstroms, der in Olten verbraucht wird, liefern derzeit externe Anbieter. Die sbo verweisen aber auch darauf, dass letztes Jahr 50 neue Verträge mit ortsansässigen KMU-Kunden abgeschlossen werden konnten. Kommunikations-Chef Beat Erne: «Das beweist, dass die Städtischen Betriebe marktgerechte Preise bieten können.»

Zur Beruhigung sei aber auch gesagt: Die Kundenverluste haben nichts daran geändert, dass der Energieversorger jährlich etwas mehr als drei Millionen Franken an Angaben an die Stadt abliefert.