Rendite
Städtische Betriebe Olten mit Millionengewinn – Wieso gibts keine Preissenkungen?

Seit Jahren erwirtschaften die Städtischen Betriebe Olten, welche zu 100 Prozent der Stadt Olten gehören, einen Millionengewinn. Trotzdem hat der Monopolist bei den Privatkunden nicht vor, die Preise im grossen Stil zu senken.

Fabian Muster
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Die Städtischen Betriebe Olten erwirtschafteten 2017 bei einem Umsatz von 63,7 Millionen einen Gewinn von 2,9 Millionen Franken (auf dem Bild erneuert ein Mitarbeiter die Komponenten bei einem Verteilkasten). Archiv

Die Städtischen Betriebe Olten erwirtschafteten 2017 bei einem Umsatz von 63,7 Millionen einen Gewinn von 2,9 Millionen Franken (auf dem Bild erneuert ein Mitarbeiter die Komponenten bei einem Verteilkasten). Archiv

Bruno Kissling

Die Städtischen Betriebe Olten (sbo) weisen für letztes Jahr einen Gewinn von knapp 2,9 Mio. Franken aus. Ohne die Bar- und Sachleistungen an die Stadt Olten würde dieser sogar auf 6,2 Millionen Franken klettern. Bei einem Betriebsertrag von 63,7 Millionen Franken ergibt dies eine Umsatzrendite von knapp 10 Prozent. Da stehen die sbo im Branchenvergleich sehr gut da.

Beat Erne: Das ist korrekt. Die sbo stehen im Branchenvergleich der mittelgrossen Schweizer Stadtwerke gut da. Die Umsatzrenditen 2017 liegen im Rahmen anderer, gut geführter Stadtwerke.

Beat Erne ist einer von drei Geschäftsleitungsmitgliedern bei den Städtischen Betrieben Olten sowie Leiter Marketing und Kommunikation.

Beat Erne ist einer von drei Geschäftsleitungsmitgliedern bei den Städtischen Betrieben Olten sowie Leiter Marketing und Kommunikation.

zvg

Zwar sind die sbo rechtlich gesehen ein von der Stadt eigenständiges Unternehmen, das laut Statuten «soweit möglich gewinnbringend geführt» werden soll, gehören aber zu 100 Prozent der Stadt. Das Unternehmen hat somit in erster Linie zu gewährleisten, als Monopolist die Einwohner mit Strom, Wärme und Wasser zu versorgen. Ist es daher nötig, einen solch hohen Gewinn zu erwirtschaften?

Der Gewinn wird zu einem grossen Teil ausserhalb der Stadt und in der Industrie erwirtschaftet. Er verbleibt im Unternehmen, wird also als Wertschöpfung in der Region wieder investiert. Damit werden künftige Aufgaben und Investitionen finanziert. Auch grössere Projekte – wie etwa die Wärmeversorgung für die nächsten Etappen in Olten SüdWest – lassen sich nicht aus leerer Kasse umsetzen. Die unternehmerischen und finanziellen Vorgaben aus der Eignerstrategie des Stadtrates geben hierfür die Leitplanken.

Das zahlen die Oltner für die Energie

Die sbo haben ihre Preise in jüngster Vergangenheit auch gesenkt. So hat der Energieversorger, der zu 100 Prozent der Stadt Olten gehört und bei den Privatkunden das Monopol innehat, auf dieses Jahr hin beim Strom den Preis um 8 Prozent reduziert (Standardkategorie: Fünfzimmerwohnung ohne Elektroboiler). Auch in den Vorderjahren gab es Abschläge zwischen 5 und 12 Prozent. Weil aber die vorgegebenen Preise für die Netznutzung sowie die Förderabgabe für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) stark zunahmen, bezahlen die Kunden unter dem Strich trotzdem mehr: nämlich 21,62 (2018) statt 19,02 Rappen pro Kilowattstunde (2013, Quelle: Elcom).

Kantonal gesehen bewegt sich der Strompreis in der Stadt Olten im Mittelfeld. Auch beim Gaspreis gab es in der Vergangenheit Preisabschläge. So verbilligte der Energieversorger den Erdgaspreis im 2015 um 1 Rappen pro Kilowattstunde, auch 2016 wurde der Preis zweimal gesenkt respektive der teurere Biogasanteil im Standardprodukt erhöht. Derzeit liegt der Gaspreis bei 9,51 Rappen pro Kilowattstunde (Standardkategorie: Einfamilienhaus mit Jahresverbrauch von 20'000 Kilowattstunden). Im Kantonsvergleich gehört der Gaspreis in Olten allerdings klar zu den höchsten (Quelle: Preisüberwacher). Beim Wasserpreis hingegen gab es in den vergangenen Jahren keine Preisabschläge.

Im regionalen Vergleich ist der Wasserpreis in der Stadt Olten mit Fr. 1.65 leicht höher als in Wangen bei Olten mit Fr. 1.60 oder klar höher als etwa in Dulliken mit Fr. 0.90 pro Kubikmeter (jeweils ohne Gebühren). Im kantonalen Städtevergleich sieht es allerdings besser aus: Die Solothurner bezahlen Fr. 1.70, die Grenchner gar Fr. 2.40 pro Kubikmeter Wasser. (fmu)

Die Kasse ist allerdings alles andere als leer. Das Eigenkapital beträgt knapp 50 Millionen Franken. Das nötige Geld für Investitionen ist also bereits jetzt vorhanden.

Im wegen der Leitungen kapitalintensiven Versorgungsgeschäft ist eine solide Eigenkapitalbasis mehr als nur von Vorteil. In diesem Sinne ist ein Gewinn wichtig, um die Unternehmenstätigkeit nachhaltig weiterentwickeln zu können.

Am meisten Geld verdienen die sbo mit dem Gasverbrauch. 2017 machte das Unternehmen dort rund 80 Prozent des gesamten Jahresgewinns. Warum werden in dieser Sparte die Preise für die Kunden nicht stärker gesenkt, so wie das die sbo bereits beim Strom getan haben?

Dieses Geschäftsfeld steht von jeher in scharfem Wettbewerb mit anderen Wärme- und Prozessenergieträgern. Die Gasversorgung Olten hat ihre Wurzeln zwar in Olten und Trimbach, ist mittlerweile aber zwischen Schönenwerd und Wiedlisbach in 30 Gemeinden tätig und zählt unter den 100 Schweizer Gasversorgern zu den 15 grossen. Ohne konkurrenzfähige Preise wäre eine solche geografische Durchdringung nicht möglich gewesen. Seit 2015 wird im Privatsegment 10 Prozent umweltfreundliches Biogas geliefert, dies ohne Preiserhöhung. Die Marktöffnung im Gasbereich steht ebenfalls vor der Tür. Dies bedingt wie im Strombereich den Aufbau neuer Informations- und Kommunikationstechniken sowie Steuerungssystemen.

Bereits im Vorjahr 2016, als die Kennzahlen nach Geschäftsbereichen erstmals in der gleichen Tabelle nebeneinander aufgeschlüsselt wurden, machten die sbo dort am meisten Gewinn. Es waren ebenfalls rund 80 Prozent des gesamten Jahresgewinns. Es drängt sich also ein tieferer Gaspreis auf.

Der Geschäftsbereich Erdgas/Biogas/Wärme ist mit einer Absatzmenge von gegen 600 Gigawattstunden der mit Abstand grösste Geschäftsbereich. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass er auch einen grossen Anteil zum Erfolg beisteuert. Die Preise basieren wie beim Strom auf einer Netz- und einer Energiekomponente. Die Energiekomponente ist sehr unbeständig; entsprechende Preisänderungen – nach oben wie nach unten – geben wir 1:1 weiter. Ein Wechsel zum günstigeren Produkt mit 100 Prozent Erdgas ist für die Kunden jederzeit möglich.

Ebenso ist im Bereich Wasser die Rentabilität gut, auch wenn der Gewinn dort mit 344000 Franken verhältnismässig viel weniger zum gesamten Jahresgewinn beiträgt. Die Ebitda-Marge, also das Verhältnis des Betriebsergebnisses vor Abzug der Zinsen, Steuern und Abschreibungen zum Jahresgewinn – beträgt sehr gute 38,7 Prozent. Auch in diesem Bereich drängen sich für die Kunden weitere Preissenkungen auf.

Wettstein ist noch nicht zufrieden

Der Grüne-Politiker Felix Wettstein hat vergangenes Jahr in einer Motion gefordert, dass Bericht und Antrag ans Gemeindeparlament zum sbo-Geschäftsbericht transparenter werden müssen. Obwohl der Vorstoss nicht überwiesen wurde, hat der Stadtrat in seiner Antwort versprochen, die Anliegen aufzunehmen. Obwohl Bericht und Antrag für die Mai-Sitzung noch nicht veröffentlicht sind, gibt der bereits publizierte sbo-Geschäftsbericht einen Anhaltspunkt. Wettstein ist indes noch nicht zufrieden, wie er auf Anfrage schreibt: «Erfreulicherweise stellt die sbo nun erstmals die Zahlen der beiden letzten Jahre tabellarisch nebeneinander, sodass der Vergleich zwischen Erfolgsrechnung 2017 und 2016 in den einzelnen Geschäftsfeldern Strom, Gas und Wasser angestellt werden kann, ohne dass man den alten Bericht ausgraben muss.» Die stillen Reserven seien indes kaum transparenter als früher: Zwar wird ein Teil der Auflösung derselben ausgewiesen, doch der Umfang der stillen Reserven sei nicht bekannt. «Das verunmöglicht es dem Parlament, die Aussagen zur Risikobeurteilung zu bewerten.» (fmu)

Nein, denn das Jahresergebnis ist nur eine Momentaufnahme. Seit 25 Jahren entwickeln die sbo ihre Nachhaltigkeits- und Versorgungsstrategie im Bereich Wasser kontinuierlich weiter. Angefangen beim schweizweit grössten Nitratprojekt, über Massnahmen im Hochwasserschutz bis zur Eliminationsmassnahmen von Mikroverunreinigungen in ARA. Ab 2018 werden die beiden aus den 1940er-Jahren stammenden Pumpwerke auf den neusten Stand der Technik gebracht, und die Auflagen und Aufgaben aus der von der Regierung im 2016 beschlossenen Regionalen Wasserversorgungsplanung haben erst gestartet.

Insgesamt erweckt es den Eindruck, dass die sbo sehr gut an ihren Kunden, also den Einwohnern Oltens, verdienen. Das Eigenkapital beträgt nun knapp 50 Millionen Franken, die Nettoverschuldung noch 9,2 Millionen, der Selbstfinanzierungsgrad war in den letzten Jahren immer über 100 Prozent – das heisst, alle Investitionen konnten ohne fremdes Geld finanziert werden. Die sbo sind eine richtige Cashcow geworden – zugunsten der Stadt Olten, zulasten aber ihrer Einwohner. Was sagen Sie dazu?

Wir sind stolz auf unsere Mitarbeitenden, welche sich rund um die Uhr für unsere Kundinnen und Kunden – nicht nur in Olten – einsetzen, und mit fairen Preisen Jahr für Jahr ein solides Ergebnis erwirtschaften.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

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