Staatsanwalt Christoph Fricker hatte sich die Sache in seinem Plädoyer nicht einfach gemacht. Differenziert beleuchtete er vor den Schranken des Amtsgerichts Olten-Gösgen die Persönlichkeit des Angeklagten und einstigen Lehrers ebenso wie die ihm zur Last gelegten Vorhalte.

Er fand dennoch – oder trotzdem – zu einem recht harten Strafmass und forderte einen vierjährigen Freiheitsentzug und als Massnahme eine vollzugsbegleitende ambulante Therapie. Aber Fricker räumte ein: «Es ist schwierig, in diesem Fall das Augenmass behalten zu können.»

Verhalten ambivalent

Den Grund dafür sah der Staatsanwalt im recht ambivalenten Verhalten des knapp 40-jährigen Angeklagten. Einerseits habe dieser das eine Opfer den Untersuchungsbehörden von sich aus präsentiert und damit kooperatives Verhalten an den Tag gelegt, andererseits habe der einstige Lehrer wenig Zeit in eine Therapie investiert und relativ spät damit begonnen, sei mittel- bis langfristig durchaus mit erneuter Delinquenz zu rechnen. Zudem habe der Beschuldigte seine Opfer klug ausgesucht, was sich ebenfalls strafverschärfend auswirke: Die Opfer seien allesamt eher unterdurchschnittlich begabt, was dem ausgebildeten Pädagogen entgegengekommen sei.

Ebenfalls strafverschärfend sei festzuhalten, dass der Angeklagte kaltblütig «das volle Programm» (gemeint waren damit die sexuellen Praktiken) durchgespielt und im ganzen Verfahrensverlauf nie so richtig Reue und Einsicht gezeigt habe. Ebenfall negativ für den Beschuldigten wirkte sich die von Fricker am Tag zuvor gestellte Frage an den Beschuldigten aus, ob er vom kantonalen Bedrohungsmanagement angegangen worden sei. Dies bejahte der Angeklagte. Zwischenzeitlich nämlich hatte der begonnen, einem Zwölfjährigen Nachhilfeunterricht zu erteilen. Auf Wunsch von dessen Mutter, wie der Angeklagte erklärte. Inzwischen wurde das Lehr- und Lernverhältnis wieder aufgegeben.

Zwei Jahre bedingt

Die Verteidigung ihrerseits machte geltend, der Beschuldigte weise einen bislang einwandfreien Leumund auf, sei die Anklageschrift doch irgendwie irreführend abgefasst. Denn bei den Opfern handle es sich nicht um Kinder im eigentlichen Sinne, sondern eher um Jugendliche; davon könne man bei einem Alter ab 13 Jahren durchaus sprechen. Zudem wollte die Verteidigung die Häufigkeit der sexuellen Übergriffe in Zweifel gezogen haben. «Die angegebenen 100 bis 150 Übergriffe sind wohl doch etwas weit hergeholt», so die Verteidigung.

Motiv für diese Überreaktion ortete der Verteidiger in möglichen Vergeltungsabsichten des einen Opfers. «Vielleicht ist die Zahl der von meinem Mandanten angegebenen Übergriffe (rund 35) doch näher an der Realität.» Die Verteidigung plädierte für eine auf vier Jahre bedingt ausgesprochene zweijährige Freiheitsstrafe, da der Beschuldigte nach einem Berufsverbot als Lehrer in einer andern Tätigkeit wieder Fuss gefasst habe, und ein geregelter Lebensalltag festgestellt werden könne. Strafmildernd sei auch anzufügen, dass die Vergehen einige Jahre zurückliegen würden und der Angeklagte im Wesentlichen geständig sei.

«Übersetzte» Ansprüche

Die von der dreiköpfigen Privatklägerschaft angemahnte Genugtuungssumme über insgesamt 50 000 Franken wies die Verteidigung als «übersetzt» zurück; ebenso deren Forderung nach Bezahlung allfälliger Heilungskosten für die erlittenen psychischen Schädigungen der Opfer. Sein Mandant verfüge derzeit noch über ein Kapital von einer mittleren fünfstelligen Summe. «Er kann für diese möglichen Kosten nie und nimmer aufkommen», so der Verteidiger weiter. Heute müsse festgehalten werden, dass der Beschuldigte aufgrund eines Zeitungsartikels über den aktuellen Prozess seine Arbeitsstelle verloren habe, er freigestellt worden sei. Dennoch offerierte die Verteidigung Genugtuungssummen über insgesamt 8000 Franken.

Die Privatkläger machten geltend, der Beschuldigte würde seine Taten zum einen geschickt herunterspielen und zum andern die Verantwortung dafür gerne mit den Opfern teilen. Er habe immer nur gestanden, was einwandfrei habe nachgewiesen werden können. Zudem liege kein umfassendes Geständnis vor, stelle der Mann noch immer ein potenzielles Risiko dar, was an seiner Bereitschaft, unter den gegebenen Umständen erneut ein Mandat als Nachhilfelehrer zu bekleiden, ersichtlich werde. Mit dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmass erklärten sie sich einverstanden.

Das letzte Wort gehörte dem Angeklagten. Der Mann bemerkte, er wolle sich bei allen entschuldigen, was er in der Folge auch tat und jedem der noch anwesenden Opfer (zwei von drei) in die Augen blickte und um Vergebung bat. Der Urteilsspruch fällt am 27. März.