Amtsgericht
Staatsanwalt fordert: Sexualstraftäter William W. soll verwahrt werden

Am Amtsgericht Olten-Gösgen ist am Freitag der Prozess gegen den mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter William W. fortgeführt worden. Der Staatsanwalt fordert die Verwahrung - W. hingegen erklärte, "nicht schuldig" zu sein.

Philipp Kissling
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Die Hauptverhandlung im Prozess gegen William W. vor Amtsgericht Olten-Gösgen ging mit den erwarteten Anträgen zu Ende. Die Staatsanwaltschaft fordert einen Schuldspruch und sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Der 47-Jährige ist der mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern, der sexuellen Nötigung, der mehrfachen Schändung, der mehrfachen sexuellen Belästigung sowie des Konsums von Tier- und Kinderpornografie angeklagt.

Die Gegenseite will den Freispruch in den meisten Anklagepunkten. Ein Geständnis gibt es bezüglich Tier- und Kinderpornografie, dafür erachtet die Verteidigung eine bedingte Geldstrafe für angemessen.

In der Kirche wurde die Tat entdeckt

Im gut zweistündigen Plädoyer rekonstruierte Staatsanwalt Ronny Rickli chronologisch und detailgetreu die Taten, die William W. zur Last gelegt werden. Rickli stützte sich auf die Aussagen der im Ermittlungsverfahren befragten Kinder und Zeugen.

Demnach habe W. Ende Juli 2018 zwei der Opfer, Brüder im Alter von fünf und sieben Jahren, missbraucht, indem er sich oral an deren Penis zu schaffen gemacht habe. Der Ältere habe weglaufen wollen und sich gewehrt, allerdings erfolglos. Der Übergriff sei in der Wohnung der Buben passiert, als die Eltern anderweitig beschäftigt und W. mit den Kindern alleine in der Stube gewesen sei. Der Beschuldigte war mit der Familie bekannt und von ihr als Freund bezeichnet worden. Am jüngeren der Buben soll sich W. Wochen später abermals und auf die gleiche Weise im Umfeld eines Anlasses in der Friedenskirche vergangen haben.

Während die Tat daheim zunächst unentdeckt blieb, kamen die Betreuungspersonen in der Kirche W. auf die Schliche. Der Beschuldigte wurde danach von der Kirchgemeinschaft ausgeschlossen, eine Anzeige erfolgte nicht.

Als W. im Dezember 2018 wieder zuschlug, flog er aber auf. Mit der Aussicht auf ein Glas Cola lockte er einen Achtjährigen in seinen Restaurantbetrieb, worauf er sich mit dem Buben unterhielt und ihm danach in die Hose fasste. Das Opfer schilderte den Übergriff seiner Mutter, die Polizei einschaltete. Erst später und nach Medienberichten über W.s Verhaftung kamen auch die mutmasslichen Übergriffe auf die beiden Brüdern zur Anzeige.

Staatsanwalt Rickli betonte die Herausforderung, die Aussagen der Kinder auf deren Glaubhaftigkeit zu beurteilen. In seinem Plädoyer beschrieb er, weshalb er selber die Glaubwürdigkeit für unbestritten halte. Vor allem der ältere der beiden Brüder sowie der Achtjährige, der mutmasslich in W.s Restaurant misshandelt wurde, machten konstante Angaben und genaue Beschreibungen zu den Taten und Tatorten. «Solche Geschichten können die Kinder nicht erfunden haben», sagte Rickli.

Ein hoffnungsloser Hochrisikofall

Therapien für Pädophile gebe es zwar, bei William W. habe sich jedoch keine Strategie zur Rückfallvermeidung etabliert. Auch eine medikamentöse Behandlung sei ungeeignet. Staatsanwalt Rickli stützte sich auf die Gutachter, die dem Beschuldigten eine schlechte Prognose ausstellen und ihn als Hochrisikofall einstufen. Insbesondere werfen sie W. zudem vor, eine Auseinandersetzung mit der diagnostizierten Pädophilie abzulehnen.

Der Staatsanwalt erklärte in weiteren Ausführungen, dass für die Festsetzung des Strafmasses das schwerste Vergehen zentral sei. In diesem Verfahren sei das der Vorwurf der sexuellen Nötigung, denn W. habe den älteren der beiden Brüder an der Flucht gehindert und ihn dadurch unter Gewaltanwendung gefügig gemacht.

In seinem «letzten Wort» zum Ende der Verhandlung bezeichnete sich William W. als «nicht schuldig» und warf seinerseits den Ermittlungsbehörden und den Gutachtern Fehler und Unfairness vor. W.s Verteidiger Thomas Fingerhuth erklärte, dass dem Beschuldigten die Taten nicht nachgewiesen werden könne, überdies halte er die Einvernahmeprotokolle für unverwertbar.

In den Augen grosser Teile der Allgemeinheit gehört der Wiederholungstäter William W. längst für immer hinter Gitter. Bereits in den 1990er-Jahren war er für Sexualdelikte verurteilt worden. 2006 vergewaltigte er in Starrkirch-Wil ein achtjähriges Mädchen. Das Opfer von Starrkirch-Wil war auch am zweiten Tag im Gerichtssaal und verfolgte den Prozess mit zumindest äusserlich bemerkenswerter Ruhe. Sie verspreche sich Gerechtigkeit und hoffe, dass W. nie mehr freikomme.

Ob W. verwahrt wird, zeigt sich dann übernächste Woche, wenn das Amtsgericht sein Urteil eröffnet. Verteidiger Fingerhuth will im Falle einer Verurteilung an das Obergericht gelangen.

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