Amtsgericht

Staatsanwältin fordert drastische Strafe – Angeklagter ist teilweise geständig

Bruno Kissling (Archiv)

Zweiter Verhandlungstag: Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten ihre Plädoyers.

Bruno Kissling (Archiv)

Ein wegen Sexualdelikten mit Jugendlichen angeklagter junger Mann soll für mehrere Jahre ins Gefängnis. Das forderte die Staatsanwaltschaft bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen.

Gut zwei Stunden benötigt die Staatsanwältin Petra Grogg für ihr Plädoyer am Amtsgericht Olten-Gösgen. Es bildet den Auftakt zum zweiten Prozesstag in der Hauptverhandlung vom Montag. Dem angeklagten 24-jährigen Lastwagenchauffeur aus der Region werden Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornografie und weitere Sexualdelikte zur Last gelegt, darunter Nötigung. In Teilen der Anklage ist der mutmassliche Täter geständig. Als Opfer sind in der Anklage insgesamt acht Mädchen aufgeführt. Zum Tatzeitpunkt waren diese zwischen 13 und 16 Jahre alt, der Angeklagte damals zwischen 19 und 21 Jahren.

Grogg zeigt sich überzeugt, dass der Hauptpunkt der Anklage – die Vergewaltigung – erfüllt sei. So habe der Angeklagte im Wissen um die Minderjährigkeit der Mädchen gehandelt. Auch sei ihm, das gehe aus den Akten hervor, klar gewesen, dass einige der Betroffenen sich noch im Schutzalter befanden. Grogg wirft dem Angeklagten wiederholtes Lügen und widersprüchliche Aussagen im Ermittlungsverfahren vor. Er habe aus egoistischen Motiven gehandelt und dabei die Unerfahrenheit der Mädchen ausgenutzt. Grogg beruft sich auf die polizeilichen Befragungen der Opfer, auf Auszüge aus Chatprotokollen, welche der Angeklagte mit den Betroffenen führte, seine Aussagen und hauptsächlich auf das ältere von zwei Gutachten.

Thema ist wiederholt die charakterliche Unreife des Angeklagten und seine belastende Kinder- und Jugendzeit. Die Staatsanwältin anerkennt diese Aspekte, lässt sie aber nur bedingt gelten. Der Angeklagte sei in allen Punkten im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. Als Strafmass fordert sie eine unbedingte Gefängnisstrafe von sechs Jahren und acht Monaten. Dazu eine ambulante Massnahme in Form einer Therapie. Zudem sei für den Angeklagten ein Tätigkeitsverbot nach altem Recht auszusprechen, welches ihm jede berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit mit Minderjährigen für zehn Jahre verbiete und eine Bewährungshilfe mit einschliesst.

Handelte es sich um Liebesbeziehungen?

Raphael Ciapparelli, amtlicher Verteidiger des Angeklagten, kontert in seinem Plädoyer die Sichtweise der Staatsanwältin. Die Suche seines Mandanten nach sexuellen Erfahrungen sei nicht abwegig. Ihn als sexbesessenen Täter hinzustellen, sei vermessen. Vielmehr habe dieser mit den betroffenen Mädchen über den Zeitraum von zwei Jahren verschiedene Beziehungen geführt. Diese seien im gegenseitigen Einverständnis erfolgt.

Sein Mandant habe niemandem schaden wollen und habe bei Rückweisungen der Mädchen diese stets respektiert. Ciapparelli verneint den Tatbestand der Vergewaltigung. Es seien die gegeben Umstände genau zu betrachten: Das betroffene Mädchen wurde von seiner Mutter im Auto zum Angeklagten gefahren. Sie habe von der Beziehung - auch der sexuellen - gewusst und nichts dagegen vorgebracht, im Gegenteil, wie aus einer SMS der Mutter an ihre Tochter hervorgehe.

Dass sein Mandant sich über das Verbot von sexuellen Handlungen mit Jugendlichen im Schutzalter und Minderjährigen hinwegsetzte, sei klar ein Fehler von ihm gewesen und werde diesem nun zum Verhängnis. Doch sei vom Gericht anzuerkennen, dass es nicht um einen älteren Mann gehe, der sich an Kindern verging, sondern um Beziehungen unter Jugendlichen. Sein Mandant weise gemäss den Gutachten eine Unreife auf. Teile davon seien in den letzten zwei Jahren aufgeholt worden.

Verteidiger: Gefängnisstrafe würde sich kontraproduktiv auswirken

Der Angeklagte habe sich zum Tatzeitpunkt auf geistiger Augenhöhe mit den betroffenen Mädchen befunden. Erst in der Therapie habe sein Mandant zu verstehen gelernt, was das Schutzalter bedeute und was seine Taten für die jugendlichen Mädchen für Folgen haben können. In den letzten zwei Jahren sei sein Mandant deliktfrei geblieben, habe sich aufgeschlossen gezeigt und an der Therapie beteiligt.

Ciapparelli plädiert auf zwei Jahre bedingt, mit einer Probezeit über vier Jahren. Dazu sei eine therapeutische Massnahme mit Bewährungshilfe, ebenfalls über vier Jahre, auszusprechen. Eine Gefängnisstrafe würde sich kontraproduktiv auswirken und einem jungen Mann, der das Leben noch vor sich habe, dieses verbauen und zerstören.

Angeklagter bedauert Fehler

Jetzt äussert sich abschliessend der Angeklagte zur Verhandlung und den ihm vorgeworfenen Punkten. Er bedaure seine Fehler. Dann fasst er sein jetziges Leben zusammen und zeigt Angst vor einer Gefängnisstrafe. Er habe durch den ganzen Gerichtsprozess eine Läuterung erlebt. Die letzte Zeit sei sehr belastend für ihn gewesen. Sein Beruf und die Arbeit stellten für ihn ein Kindheitstraum dar. Den betroffenen Mädchen habe er nicht schaden wollen. Beim Gedanken daran, eine unbedingte Strafe zu erhalten, überkommen ihn im Gerichtssaal die Emotionen.

Für den Angeklagten besteht weiterhin die Unschuldsvermutung. Die schriftliche Urteilsverkündung hat das Gericht in den kommenden Wochen angesetzt.

Meistgesehen

Artboard 1