Der zweite diesjährige Casting-Abend im Schwager Theater Olten toppte den ersten als Gesamtpaket, so dass sich Patrick Boog, der ebenfalls einen überzeugenden Auftritt aufs Parkett legte, mit einem zweiten Platz begnügen musste.

Boogs Auftritt als Beat Wipfli, Toupet-Träger aus Überzeugung, der einen abstrusen Wunsch eines verstorbenen Onkels in die Realität umsetzten soll, war einfallsreich, amüsant und professionell in Szene gesetzt. Trotzdem lief ihm der Schriftsteller und Mundart-Poet Christoph Simon, der heute in Bern lebt und schon mit zwei Literaturpreisen des Kantons Bern ausgezeichnet wurde, mit seiner subtilen Wortkunst den Rang ab.

Denker mit Dackelblick

Als ob er kein Wässerchen trüben könnte, steht Christoph Simon mit treuherzigem Dackelblick auf der Bühne, kickt einen Gedanken an, entwickelt ihn weiter, bis dieser sich in ein höchst durchdachtes Ganzes fügt. Simon ist dem Wort, nicht dem szenischen Spiel verpflichtet. Alltagsbanalitäten und philosophische Gedanken gehen Hand in Hand. Der Künstler zeigt sich gleichzeitig gesellschaftlich engagiert wie provokant, regt zum Nachdenken an, wirkt aber nie hochtrabend oder elitär.

Rund um das Streben nach Glück

Christoph Simon macht sich Gedanken über das Leben als Mann («Letzte Worte: Ein Mann löst seine Probleme selbst.») oder als Frau, die mit «weniger Geld für die gleiche Arbeit lebensfroher sein kann». Und er skizziert die sanfteste Entführung, die man sich denken kann, inklusive Lösegeldübergabe bei der Robert-Walser-Gesamtausgabe in der Kornhausbibliothek.

Auf der Bühne charakterisiert er sich selbst als Studienabbrecher, Schriftsteller und Versager, dem es nicht darum geht, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Und so präsentiert sich sein Auftritt als charmante Gedankenreise rund um das Streben nach Glück.

Mit Sinn für schwarzen Humor

Während Christoph Simon auf Verkleidung und Schauspiel verzichtet, tritt der an der Hochschule für Theater Bern ausgebildete Luzerner Patrick Boog in der Rolle von Beat Wipfli, Typ seitengescheitelter Buchhalter, auf die Bühne. Mit sich trägt er eine Urne mit den sterblichen Überresten von Onkel Aschi. Mit viel Sinn für schwarzen Humor macht er sich daran, den letzten Wunsch des Verstorbenen in die Tat umzusetzen: Nämlich dessen Asche während einer laufenden Vorstellung im Schwager Theater zu verstreuen. Welche Rolle der aktuell defekte Laubbläser dabei zu spielen hat, möchte man sich lieber nicht vorstellen.

Clownesk und musikalisch gaben sich die «Scharlatanten», zwei unter anderem an der Comart ausgebildete Künstlerinnen: Nina Maria und Barbara Stehli, die seit über zehn Jahren gemeinsam unterwegs sind. Sie setzten sich selbstironisch in Szene, mit dem erklärten Ziel, «eine Nummer über Schweizer Volkstümlichkeit, mit schwebendem Höhepunkt und integrativem Charakter» auf die Bühne zu bringen. Die 153-cm-Frau mit Akkordeon, Stützstrümpfen und Zimtsohlen und die Grossgewachsene, die «extrem gern ein Himbeeri wäre», boten eine amüsante Momentaufnahme ohne Nebenwirkungen, spielfreudig, unkonventionell und schrill.

Für das Duo blieb es beim Zehn-Minuten-Auftritt in der ersten Runde des Abends. Ebenso für Lionel Kuster, der unter dem Künstlernamen «Der Irretierte» den Geheimdienstmitarbeiter mimte, der unter anderem der Frage nachgeht, weshalb die NSA auf Terrorismusbekämpfung setzt, wo doch Tausende von Menschen jährlich an Erdnüssli sterben.

Cornichons nicht Erdnüssli durften die Teilnehmer des dritten Oltner Kabarett-Castings nach Hause nehmen. Klar, das Christoph Simon das grösste Glas fürs Handgepäck bekam, zusammen mit einem Förderpreis von 10 000 Franken, in Form eines Coachings der Oltner Kabarett-Tage im Hinblick auf seinen Auftritt am Newcomer-Wettbewerb «Sprungfeder» im Rahmen der Oltner Kabarett-Tage 2015.

Einen vielversprechenden Kabarett-Casting-Abend im Schwager-Theater darf das Publikum auch am Freitag, 4. April, erwarten. Weitere Infos sowie Vorverkauf: www.kabarett-casting.ch