Am Donnerstagabend unterbreitet der Stadtrat dem Gemeindeparlament den Jahresbericht und die Rechnung 2015 der Städtischen Betriebe Olten (sbo) zur Genehmigung. Wie zwei Tage zuvor an der Generalversammlung der Alpiq Versorgungs AG (Avag) können sich die Anwesenden an den Zahlen erfreuen, doch die wichtigsten Informationen werden ihnen (noch) fehlen.

An wen verkauft die Alpiq ihr Tochterunternehmen, an dem sie abgesehen vom kleinen Anteil der 14 Konzessionsgemeinden 96,7 Prozent aller Namenaktien hält? Kommen die sbo zum Handkuss und wenn ja mit welchem starken Partner? Beide Fragen sind auch relevant für die Aare Energie AG (a.en), welche als Betreibergesellschaft für die als Joint Venture geführten sbo und Avag auftritt.

Entscheid vor Ende Juni?

An der 16. GV der Avag gab es wenigstens ein paar terminliche Annäherungen an die Antworten. Verwaltungsratspräsident Martin Eschle bestätigte, dass es verschiedene Interessenten für die Übernahme der Avag gebe. Ende Mai läuft die Angebotsfrist für Bewerber ab.

Vieles deutet daraufhin, dass sich die Alpiq bei der Sichtung der Offerten nicht viel Zeit lassen und wahrscheinlich noch vor Ende Juni den Entscheid bekannt geben wird. Dementsprechend schnell könnte eine ausserordentliche GV der Avag fällig werden. Eschle betonte, dass der bekannt gewordene Verkauf der Alpiq-seitigen AEK-Beteiligung an die BKW keinen Zusammenhang mit der Avag-Frage habe.

Am Rande der GV bestätigte Ernst Zingg als sbo-Verwaltungsratpräsident, dass die Städtischen Betriebe ihre Offerte eingereicht haben, aber angesichts des laufenden Prozesses noch nichts zu ihrer Partnerschaft sagen dürften. Die sbo seien gut aufgestellt, um einer regionalen Lösung unter Erhalt der Versorgungssicherheit und der a.en zum Durchbruch zu verhelfen.

Trotz schwierigem Umfelds mit Energiesparmassnahmen, sinkenden Preisen und der Konkurrenzsituation im freien Markt, präsentierte sich die Avag an der 16. GV in Olten als attraktive Braut. Bei einer Gesamtleistung von 96 Mio. Franken erwirtschaftete sie einen leicht gestiegenen Jahresgewinn nach Steuern von 2,7 Mio. Franken. Die Versammlung genehmigte alle Traktandenanträge und hiess damit auch eine Dividende von 40 Franken pro Aktie gut.

Damit gehen vom Bilanzgewinn von 3,685 Mio. Franken 2 Mio. an die Anteilseigner. Die Netznutzung blieb im Versorgungsgebiet mit 325,4 Mio. kWh praktisch unverändert, wogegen die gelieferte Energie um 2 Prozent auf 281,2 Mio. kWh abnahm.

Wie Norbert Caspar, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, erläuterte, gelingt es der Avag neben der Grundversorgung (55 Prozent) und der Fremdbelieferung von Netzkunden (15 Prozent) vermehrt auch kleinere KMU und Gemeinden mit Marktstrom einzudecken. Mit fast allen Gemeinden habe die Avag zudem im vergangenen Jahr neue Verträge über Erstellung und Betrieb der öffentlichen Strassenbeleuchtung abgeschlossen.

13 Mio. Franken investiert

Mit einer Tour d’Horizon durch die Energielandschaft skizzierte Martin Eschle die Dezentralisierung in der Energieproduktion, die auch Netzbetreiber wie die Avag mit neuen Herausforderungen und Chancen konfrontiere. 2015 nahm die Avag 61 Photovoltaik-Anlagen neu ans Netz, womit sich deren Bestand auf 263 oder 1,5 Prozent des Verbrauchs erhöhte. Die allgemein steigende Zahl der Anschlüsse habe grossen Einfluss auf den Investitionsbedarf, so der Verwaltungsratspräsident.