Der Oltner SP ist am Montag ein schier unglaubliches Missgeschick passiert: Der bereits von der Partei nominierte Peter Schafer wurde nicht rechtzeitig bei der Stadtkanzlei angemeldet. Erst zehn Minuten nach Eingabeschluss ist die Partei darauf aufmerksam gemacht worden, doch die Stadtkanzlei hat darauf beharrt, dass die Frist um 17 Uhr abgelaufen ist.

Oltens Stadtrat und vermeintlicher Stadtpräsidiumskandidat Peter Schafer selbst will sich nur per E-Mail äussern. Er schreibt auf Anfrage: «Ich bin zutiefst enttäuscht. Ein Traum, der Realität hätte werden können, ist zerstört.»

SP Olten verpennt Frist für den bereits nominierten Stadtpräsidiumskandidaten

SP Olten verpennt Frist für den bereits nominierten Stadtpräsidiumskandidaten.

Über weitere Schritte wolle er sich im Moment nicht äussern, «weil ich noch nicht die Ruhe gefunden habe, sachlich über das Ganze nachzudenken.» Der SP-Mann war bereits vor vier Jahren Stapi-Kandidat. Damals unterlag er knapp dem bisherigen Amtsinhaber Ernst Zingg, der nun nicht mehr antritt.

SP-Präsident wird wohl per sofort zurücktreten

Verantwortlich für das Versäumnis ist Lukas Derendinger, Präsident der SP Olten. «Der Fehler liegt ganz klar bei mir», sagt dieser auf Anfrage. Er sei erst darauf aufmerksam geworden, als ihn Peter Schafer um 17.10 Uhr anrief und ihn nach der Anmeldung fragte.

Derendinger zieht für sich bereits die Konsequenzen. «Ich werde mir in den nächsten Stunden und Tagen überlegen, ob ich auf mein Versäumnis mit meinem sofortigen Rücktritt reagieren soll.» Vorgesehen war ursprünglich, dass er erst im Sommer sein Amt als SP-Präsident zur Verfügung stellt.

«Unterlassung ist Fantasie»

Auch für Fraktionspräsident Daniel Schneider ist die Situation äusserst unangenehm. «Ich wurde von Lukas Derendinger um 19 Uhr über dessen Versäumnis informiert, eine Stunde später erfolgte eine Krisensitzung im engeren Parteikreis», erzählt Schneider. Er habe emotional reagiert, gesteht er ein. Speziell auch darum, weil innerhalb der Geschäftsleitung nachgefragt worden sei, ob die Sache mit der Anmeldung Schafers auch klappe.

Die Vermutung, die Unterlassung sei eine Reaktion auf den selbentags erfolgten Schulterschluss zwischen CVP und FDP, verweist Schneider ins Reich der Fantasie. «Menschliches Versagen ist die Ursache», reicht er pointiert nach. Und: Dies sei nun der richtige Zeitpunkt über neue Strukturen in der Partei zu reden.

Fällt nach Baden nun auch Olten in grüne Hände?

Am 9. Juni treten die Grüne Iris Schelbert und der CVP-Mann Martin Wey gegeneinander an. Schelbert hat im ersten Wahlgang als Stadträtin am meisten Stimmen geholt, vor dem ebenfalls im ersten Wahlgang vom 3. März bestätigten SP-Mann Peter Schafer. CVP-Wey wurde erst im zweiten Wahlgang in seinem Amt bestätigt.

Ironie des Schicksals: Durch die verpasse Anmeldung von Schafer steigen die Chancen für rot-grün, erstmals in der Geschichte der Stadt Olten das Stadtpräsidium zu erobern. Die linken Stimmen werden nun nicht auf zwei Kandidaten aufgesplittet, sondern grösstenteils der grünen Schelbert zufallen. Damit könnte Olten nach Baden mit dem grünen Nationalrat Geri Müller die nächste Schweizer Kleinstadt sein, die in grüne Hände fällt. Im fünfköpfigen Stadtrat hat Rot-Grün seit den letzten Wahlen Anfang März wieder die Mehrheit inne. Er besteht aus zwei SP- sowie je aus einem FDP, CVP- und Grünen-Mitglied.

Anmeldefrist nicht absichtlich verpasst

Ob die SP nun eine Wahlempfehlung für die grüne Kandidatin abgibt, ist laut Fraktionschef Schneider noch unklar. Dass die Frist für Schafer absichtlich verpasst wurde, um die Chancen für rot-grün zu erhöhen, wird aber von der Parteileitung klar dementiert.

Die Bürgerlichen hatten sich bereits vorgängig auf eine Einerkandidatur geeinigt. Der neu gewählte FDP-Stadtrat Benvenuto Savoldelli lässt dem langjährigen CVP-Stadtrat Martin Wey den Vortritt. Damit ist auch klar, dass eine jahrzehntelange Tradition in Olten zu Ende geht: Seit 196 Jahren hatte jeweils die FDP das Stadtpräsidium inne. (fam/hub)