Marion Rauber und Thomas Marbet: Mit diesen beiden Protagonisten der SP zieht die Stadtpartei ins Rennen um zwei angestrebte Stadtratsmandate. Deren Nomination erfolgte am Donnerstagabend zwar nicht einstimmig, aber doch grossmehrheitlich und unter einer Handvoll Enthaltungen.

An die 40 Genossinnen und Genossen applaudierten dem Kandidatenduo nach der Wahl, die in der Spittelschüür über die Bühne ging; die eigentliche Heimstätte der Sälizunft, der die frisch gebackene Stadtratskandidatin Marion Rauber seit Jahrzehnten angehört. Weitere Nominationen aus der Versammlungsmitte wurden nicht genannt. Damit zementiert die Stadtpartei den Status quo, hat sie doch in der auslaufenden Legislatur bereits zwei Parteivertreter in der Exekutive sitzen.

Der Fall Schafer

So weit – so gut also. Der in diesem Nominationsgeplänkel auf der Strecke gebliebene Peter Schafer, langjähriger Stadtrat und über Jahre hinweg eigentlicher Garant für Wahlerfolge der SP, war der Veranstaltung ferngeblieben. Parteipräsidentin Brigitte Kissling krankheits- und gesundheitshalber im Übrigen ebenso. Sie hat zudem ihren Rücktritt bekannt gegeben. Derzeit wird die Partei durch die Geschäftsleitung geführt.

Auch wenn die Traktandenliste der Nominationsversammlung noch geändert wurde und die zuvor traktandierte Aufarbeitung des Falls Schafer damit verhindert worden wäre: Die Sache kam trotzdem aufs Tapet und zeigte in aller Deutlichkeit auf: Die städtische SP glänzt nicht durch geschlossene Reihen.

Die Junge SP kündigte gar noch eine eigene Stadtratskandidatur an, was bei den arrivierten Genossen nicht nur auf eitel Zustimmung stiess und im ersten Moment als Drohung und als «nicht lösungsorientiert» bezeichnet wurde. Dennoch: Die Junge SP brachte klar zum Ausdruck, dass die beiden Kandidaten zu sehr am rechten Rand der SP politisieren würden und die Interessen der Jugendlichen damit schlicht untervertreten seien.

Kritik an Geschäftsleitung

Item: Der abgehalfterte Peter Schafer hätte sich freuen können. Er erfuhr an dieser Nominationsversammlung so etwas wie späte Ehre. Mehrere Votanten schilderten das Vorgehen innerhalb der Geschäftsleitung (GL) bezüglich des Evaluationsvorgangs als «wenig transparent» und überhastet. Kurzzeitig war gar von einer Verschiebung der Nomination die Rede. «Wir stehen nach dem Fall Schafer schlecht da in der Öffentlichkeit», gab Georg Hasenfratz zu verstehen, der Schaden sei angerichtet. Dieter Ulrich schilderte die Neutralisierung Schafers als einer SP unwürdig. Und Ursula Ulrich konstatierte rhetorisch: «Ist das noch meine Partei?» Klärung tat not.

Die Geschäftsleitung habe, unter Berücksichtigung vor Fragestellungen wie Sesselkleberei und Frauenvertretung schliesslich Peter Schafer überzeugen können, nicht mehr anzutreten, gab Ruedi Moor zu verstehen. Restlos aufklären liess sich der Sachverhalt aber nicht, auch weil die Präsidentin fehlte, der auf mehr oder minder direkte Art im Übrigen eigenmächtiges Vorgehen vorgehalten wurde. Die GL wirkte grundsätzlich etwas ratlos und argumentierte zudem, man habe nicht mit drei Kandidaturen für lediglich ein Zweierticket antreten wollen. Schliesslich brachte Rita Lanz etwas Klärung in die Angelegenheit: «Wer auf das Zweierticket gehört, hätte durchaus die Parteiversammlung entscheiden können; sie ist nämlich das oberste Organ der Partei.»

Es war kein wirkliches Freudenereignis für die SP, die Nomination von Marion Rauber und Thomas Marbet. Die Partei scheint wenig geeint, nicht wenige durch die Entmachtung Schafers irritiert, viele fühlen sich hinters Licht geführt und desavouiert. Aber natürlich gabs auch freudige Zuversicht, das Allerweltsheilmittel in der Politik. «Mer zwöi wöi» gaben die beiden Nominierten denn auch entschlossen zu verstehen. Daran zweifelte eigentlich niemand in der Spittelschüür.