Gefährlicher Fussgängerstreifen

SP-Gemeinderat hat gewarnt – nun kam es doch zu schwerem Unfall vor dem «Galicia»

Die Ampel ist ausgeschaltet, Fussgänger müssen auf eine Lücke zwischen den vorbeibrausenden Autos hoffen.

Die Ampel ist ausgeschaltet, Fussgänger müssen auf eine Lücke zwischen den vorbeibrausenden Autos hoffen.

Eine Frau wurde auf dem Zebrastreifen vor dem «Galicia» in Richtung Aarepark in Olten angefahren. «Sie wurde mehrere Meter weit geschleudert und blieb am Boden liegen», schildert ein Zeuge den Unfall. SP-Gemeinderat Luc Nünlist hat vor der gefährlichen Situation gewarnt.

Am letzten Donnerstag ist auf der Unterführungsstrasse eine Frau auf dem Fussgängerstreifen angefahren worden. Sie wollte kurz nach 19 Uhr vor dem «Galicia» die Strasse in Richtung Aarepark überqueren. Es war bereits dunkel, als sie auf den Fussgängerstreifen trat, wo sie von einem Auto erfasst wurde.

«Die Frau wurde mehrere Meter weit geschleudert und blieb am Boden liegen», schildert ein Zeuge den Unfall. «Sie wurde mittelschwer verletzt und musste von einer Ambulanz ins Krankenhaus gebracht werden», bestätigt Astrid Bucher, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn, das Unglück.

Wenn die Tage wieder kürzer werden, müssen Fussgänger generell besser aufpassen. Doch die Situation vor dem «Galicia» ist eine spezielle. Während des Baus des Aareparks wurde in die Verkehrsführung eingegriffen: Das Trottoir auf der Seite des Aareparks wurde gesperrt.

Fussgänger, die von der Von-Roll-Strasse die Unterführungsstrasse überqueren möchten, mussten einen Umweg von ungefähr 200 Metern bis zum nächsten Fussgängerstreifen in Kauf nehmen. Weil die Menschen aber gern den Weg des geringsten Widerstands wählen, wurde der Zebrastreifen trotzdem genutzt.

Ampel lässt Fussgänger im Stich

SP-Gemeinderat Luc Nünlist hat im Januar eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht. «Die Ecke Von-Roll-Strasse/Unterführungsstrasse ist hochgradig gefährlich. An jedem Tag ist ein Unfall zu erwarten», schrieb er. Er wollte vom Stadtrat wissen, ob Schritte geplant seien, um die Übersichtlichkeit des Knotens zu verbessern. «Die Verkehrsregelung wurde nach gesetzlichen Vorschriften von der Stadtpolizei in Abstimmung mit der kantonalen Behörde angeordnet», steht in der Antwort von Baudirektor Thomas Marbet.

Doch als Reaktion auf die Interpellation wurde das Trottoir auf der Seite des Aareparks für Fussgänger wieder geöffnet, wie es von der Oltner Baudirektion heisst. Das Trottoir in Richtung Von-Roll-Strasse blieb jedoch gesperrt. Fussgänger können nach der Überquerung des Zebrastreifens also offiziell nur nach links gehen – oder seit neuem durch einen Eingang in den Aarepark.

Gemeinderat Luc Nünlist ist mit dieser Lösung nicht zufrieden: «Der Stadtrat hat sich zu leicht aus der Affäre gezogen. Jetzt haben wir Oktober und es wurde nichts unternommen.» Die ideale Lösung sei für ihn ein Fussgängertunnel um die Baustelle gewesen, so wäre es zu weniger gefährlichen Querungen gekommen.

Nun kommt ein weiterer Faktor dazu: Seit die Belagsarbeiten auf der Von-Roll-Strasse begonnen haben, ist die Ampel an der Kreuzung ausser Betrieb. Diese hat auch den Verkehr über den Fussgängerstreifen geregelt.

«In der Antwort auf meine Interpellation im Januar hiess es, dass die gefährliche Situation auf Ende letzten Winter behoben sei», sagt Nünlist. «Dass nun ein schlimmer Unfall passieren musste, ist tragisch», so Nünlist.

Polizeisprecherin Bucher möchte sich zum Unfall auf der Unterführungsstrasse nicht äussern, generell gelte jedoch: «Fussgänger haben grundsätzlich Vortritt auf einem Fussgängerstreifen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie einfach loslaufen dürfen und auf diesem Recht beharren können. Beim Überqueren einer Strasse ist zu jeder Zeit Vorsicht geboten.»

Für Nünlist beeinträchtigt die ausgeschaltete Ampel auf jeden Fall die Sicherheit der Fussgänger. «Die Autofahrer verlassen sich auf die Ampel, und wenn diese ausgeschaltet ist, nehmen alle an, dass sie Vortritt haben. Für Fussgänger bremst selten einer und so kommt es täglich zu gefährlichen Situationen», sagt Nünlist.

«Für mich ist diese Verkehrsregelung nach wie vor ein schlimmes Beispiel für das fahrlässige Ungleichgewicht zwischen Autofahrern und Fussgängern.» Der Leiter Verkehrstechnik des Kantons Solothurn war am Donnerstag für eine Stellungnahme zu der ausgeschalteten Ampel nicht mehr erreichbar.

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