«Auf Ihre Mithilfe angewiesen», «es kann nicht länger zugewartet werden», «wir bitten Sie inständig» – Michel Tschanz als Leiter der Sozialregion Untergäu wählte in der Gemeinderatssitzung von Hägendorf deutliche Worte. Doch welches Anliegen brennt so sehr?

Bekannt ist, dass die Sozialregion Untergäu mit den Gemeinden Boningen, Fulenbach, Gunzgen, Hägendorf, Kappel, Rickenbach und Wangen seit geraumer Zeit Platzprobleme an ihrem Standort in der Gemeindeverwaltung Hägendorf kennt.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 mit damals noch acht Mitarbeitern ist die Arbeitsbelastung in den Aufgabenbereichen Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz, Beistandsschaft, Asyl- und Flüchtlingswesen, AHV-Zweigstelle und regionales Arbeitsamt stark gestiegen.

Heute beherbergt die SRU nicht weniger als vierzehn Mitarbeitende. Um diesem Wachstum Herr zu werden, mussten in der Vergangenheit Zimmer unterteilt, neue Räumlichkeiten im Gebäude dazu gemietet oder andere Lösungen gefunden werden.

Mit der Neueinstellung einer zusätzlichen Arbeitskraft per Anfang Oktober wurde der Platzbedarf noch akuter, erläuterte SRU-Leiter Tschanz. Zur Entschärfung hat Neo-Gemeindepräsident Andreas Heller jüngst sein persönliches Büro in der Kanzlei geräumt und der SRU überlassen.

Manko Sicherheit

Als grösstes Manko führt Tschanz aber die mangelhafte Sicherheit der Mitarbeitenden und die oftmals nichtgegebene Diskretion für die Klienten ins Feld. «Wir arbeiten in sensiblen Feldern und haben bereits mehrfach bedrohliche Situationen von ausfälligen Klienten erlebt», berichtet Tschanz dem Gemeinderatskollegium mit Nachdruck.

Und was den Persönlichkeitsschutz der Klienten anbelange, so kommt es nicht selten vor, dass aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten im selben Zimmer zwei Beratungen durchgeführt werden müssen, womit von der geforderten Diskretion für die Bedürftigen keine Rede könne sein. «Mit den aktuellen Begebenheiten hielte unser Betrieb keiner externen Überprüfung stand», so Tschanz.

Von Status quo bis zum Wurf

Soweit die Bestandsaufnahme. Über den Bedarf sind sich die Beteiligten zumindest ansatzweise einig, doch an der Frage, wie der Engpass beseitigt werden soll, scheiden sich die Geister.

So hatte der Gemeinderat über drei Optionen zu befinden, wobei Variante Null, nämlich das Festhalten am Status quo, einer Nicht-Lösung gleichkäme.

Die Konzentration der SRU im 2. Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes an der Bachstrasse 13 mit der Investition von rund 200 000 Franken würde eine echte Verbesserung der Situation bedeuten. «Wir könnten damit absolut leben, doch fraglich ist, wie zukunftsträchtig diese Variante ist», kommentierte Tschanz.

Im Gegensatz dazu würde der Umzug der gesamten SRU-Räumlichkeiten nach Wangen in die Liegenschaft der alten Post an der Dorfstrasse 47 den grossen Wurf darstellen. Nach ersten Schätzungen würde dieser Umzug Investitionen in der Höhe von 300 000 Franken nach sich ziehen.

Stolperstein Vertragswerk

Doch die Schwierigkeiten lauern da gleich ums Eck: Der Standort der SRU ist gemäss Satzung in Hägendorf verortet, womit ein Wegzug nicht vertragskonform wäre. Also wäre eine Vertragsänderung vonnöten, was wiederum die Zustimmung aller sieben Mitgliedsgemeinden bräuchte.

Kein einfaches Unterfangen, hat doch Tschanz bei seinen ersten Vorsprechen in den Vertragsgemeinden festgestellt, dass bezüglich eines Wegzuges mit entsprechender Vertragsänderung keine einhellige Meinung herrscht.

Eine baldige, gangbare Lösung ist so nicht absehbar. «Auch wenn die Zeit eilt und die SRU lieber heute als morgen einen Entscheid auf dem Tisch hätte, so will ich eine gemeinsame Lösung mit den anderen Gemeinden finden», machte Gemeindepräsident Heller klar.

SRU-Leiter Tschanz sprach der Runde zum Schluss seines Plädoyers nochmals ins Gewissen: «Wir können mit beiden Varianten leben. Hauptsache, es gibt die Zustimmung für eines der beiden Projekte.»

Den Entwicklungsbedarf anerkennend, entschied sich die siebenköpfige Männerrunde für eine offene Haltung zum Variantenentscheid, wobei die Variante A, der Ausbau der SRU-Räume im zweiten Stock der Hägendörfer Gemeindeverwaltung anzustreben sei.

Mit dieser Haltung will Gemeindepräsident Andreas Heller die Exponenten der Vertragsgemeinden in einer Konferenz bald auf einen Nenner bringen.