Olten
Sonderbewilligungen auf langer Bank – Gesperrte Tannwaldstrasse bereitet Unmut

Ab Anfang Mai bleibt die Tannwaldstrasse bis August 2018 gesperrt – Nutzer zeigen wenig Freude.

Urs Huber
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Die beiden SBB Brücken (im Bild) über der Tannwaldstrasse werden erneuert (im Vordergrund) oder verbreitert.

Die beiden SBB Brücken (im Bild) über der Tannwaldstrasse werden erneuert (im Vordergrund) oder verbreitert.

bko

Ab Anfang Mai wird die Tannwaldstrasse für den motorisierten Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Satte 16 Monate lang. Grund dafür ist die Sanierung beziehungsweise Erneuerung der beiden SBB-Überführungen, welche im Zuge der 4-Spur-Bahnverbindung Olten Aarau notwendig werden.

Wie Christian Ginsig, SBB Mediensprecher der SBB auf Anfrage erklärt, wird die eine Brücke für das neue vierte Gleis der Zufahrt zum Bahnhof Olten verbreitert. «Die zweite Brücke auf der Verbindungslinie zum Hauensteintunnel muss wegen der veränderten Gleisgeometrie komplett neu gebaut werden.» Man werde bemüht sein, die Einschränkungen des Langsamverkehrs zu minimieren.

Die ersten drei Monate der Bauzeit gehören allerdings dem Werkleitungsbau. Diese Arbeiten erfolgen unter der Ägide der Aare Energie AG und des städtischen Tiefbauamts. Der Brückenneubau ist von aufwendigen Vorkehrungsarbeiten begleitet. «Vor Ort müssen eine Baugrube und später eine Hilfsbrücke erstellt werden», sagt Ginsig. Im September folgt deren Einbau, in neuen Jahr dann wird die neue Brücke eingeschoben, das Trasse neu erstellt und auch die Verlängerung der Brücke Süd angegangen.

Durchfahrtbewilligungen sistiert

Die Tannwaldstrasse ist eigentlich mit diversen Verboten belegt, dies als Folge der Eröffnung Entlastung Region Olten (ERO). Allerdings haben sich mehrere Industriebetriebe um eine spezielle Durchfahrtbewilligung beworben und diese nach Prüfung durch den Stadtrat auch erhalten. Gegen eine Jahresgebühr von 30 Franken lässt sich die Tannwaldstrasse mit jeweils einem Fahrzeug passieren.

Diese Lösung ist jetzt auf Eis gelegt. «Wir haben die Firmen auf den Umstand der Strassensperrung aufmerksam gemacht und eigentlich wenig Reaktion darauf erhalten» sagt Franco Giori, Leiter öffentliche Sicherheit bei der Stadt Olten. Dass die bezahlen Prämien für die Sonderfahrten, die nun nicht ausgeführt werden können, irgendwie verrechnet werden, ist klar. Dazu Giori: «Wir werden die Verrechnungsprozesse beim nächsten Neubezug der Sonderbewilligung regeln. So muss kein Geld hin und her geschoben werden.»

Knapp 70 bewilligte Fahrten täglich hat der Stadtrat bislang bewilligt. «Mit dem Ausfall der Tannwaldstrasse müssen wir wieder mit mehr Reservezeit kalkulieren, die an sich unproduktiv ist», tönts etwa bei der Firma R. Nussbaum AG. «Die Mehrkosten, die uns wegen der Sperrung der früher ohne Einschränkung befahrbaren Tannwaldstrasse erwuchsen, gingen aufs Jahr gerechnet in die Zehntausende von Franken», hatte Urs Nussbaum, Delegierter des Verwaltungsrats dieser Zeitung im vergangenen Oktober schon vorgerechnet. Und wer rechnet, der weiss: Diese fallen nun in den kommenden knapp anderthalb Jahren wieder an. Glücklich ist unter den Betroffenen darüber natürlich niemand.

Die Nussbaum AG mit ihren verschiedenen Firmenstandorten in Trimbach und Olten hat den Weg über die Tannwaldstrasse mehrmals täglich genutzt. Genau so wie etwa der Samariterbund, der seinen Hauptsitz an der Martin-Disteli-Strasse, sein Warenlager aber an der Haslistrasse führt. Der Weg über Unterführungsstrasse, Postplatz und Bahnhofquai, vor allem in verkehrsintensiven Zeiten, machte die Handhabung des Zeitmanagements schwierig, ja teils unberechenbar.

In seinen Berechnungen war der Stadtrat seinerzeit davon ausgegangen, dass dem Samariterbund durch die Ausnahmebewilligung jährlich zwischen 350 und 400 Fahrstunden entfallen würden. Auch die sind jetzt wohl für knapp anderthalb Jahre dahin.