Sanft und betörend schön singen zum Auftakt die Frauenstimmen von «Herz und Mund und Tat und Leben» und dies ist denn auch der Titel der beliebten Bachkantate BWV 147. Johann Sebastian Bach komponierte mit seiner Leipziger Fassung (1723) ein feierliches Stück barocker Kirchenmusik, das aber in den 1970er-Jahren in einer Popversion durchaus auch ein weltliches Publikum zu faszinieren wusste.

Der Oratorienchor Olten, der unter seinem langjährigen Dirigenten Christoph Moser traditionellerweise gemeinsam mit der Cantica Nova aus Worb auftritt, stellte die populäre Bachkantate an den Beginn des diesjährigen Sommernachtskonzerts. Eine dankbare Aufgabe, sind doch nur drei Chorstücke mit kammermusikalischer Begleitung zu singen – der Eingangschorus, ein Choral in der Mitte und der prächtige Schlusschoral «Jesus bleibet meine Freude».

Der Hauptteil der festlichen Kantate bietet gesanglich anspruchsvolle Aufgaben für die Solisten. Alle vier sind dem Oltner Publikum bereits durch frühere Sommernachtskonzerte ein Begriff: Die Thuner Sopranistin Beatrice Ruchti, die Berner Altistin Judith Lüpold, der englische Tenor James Elliott und der Solothurner Bass Patrick Oetterli bestritten stimmstark und akzentuiert, nur mit kleinster instrumentaler Begleitung je eine Arie und je ein längeres Rezitativ.

Solisten eingebettet

Ganz anders im zweiten Stück des Konzertes: Der spätromantische tschechische Komponist Antonín Dvorák verwebt in seiner leider wenig bekannten Messe in D-Dur op. 86 öfters die Stimmen des Chores und der Solisten aufs Schönste ineinander und bettet sie ein ins musikalische Geschehen.

Eine dankbare Aufgabe also nicht nur für die Sängerinnen und Sänger, sondern auch für das Huttwiler Kammerorchester, mit dem Christoph Moser und die beiden Chöre ebenfalls seit Jahren zusammenarbeiten. In der grösseren Formation brillierte das Begleitorchester im Dvorák-Werk mit einer überzeugenden Gestaltung des musikalisch sehr ansprechenden und halt eben: romantisch klangschönen Werkes. Zu einem besonderen, intensiven Höhepunkt für alle Mitwirkenden geriet den beiden motiviert singenden Chören und den vorzüglichen Solisten das fünfteilige Credo. Es ist bei Dvorák kein blosses Glaubensbekenntnis an den einen Gott, sondern fasst zuerst in einer Art musikalischer Erzählung in aller Kürze das Leben Christi zusammen.

Die Solisten singen jeweils den Text zuerst, der Chor wiederholt ihn dann im Forte und schliesst diesen Teil der Dvorák-Messe mit einem feierlichen Amen ab. Eindrücklich! Und nicht minder berührend ist der Schluss der 1887 uraufgeführten D-Dur-Messe. Während alle Teile dieses kirchenmusikalischen Werkes mit einem starken Forte-Akzent des Chores enden, schliesst das «Agnus Dei» mit einem vom Chor sehr ruhig und leise vorgetragenen «Dona nobis pacem». Diese flehende Bitte um Frieden hat auch in unserer Zeit nichts an Aktualität verloren.