Vor dem Historischen Museum Olten steht ein schwarzes Ungetüm. Es handelt sich um eine Gusspfanne der Von Roll’schen Eisenwerke in Les Rondez bei Delsberg. Dieser grosse Schmelztiegel dient als Blickfang für die Ausstellung «Von Roll – 200 Jahre Metallindustrie», die vorgestern Mittwoch offiziell eröffnet wurde.

Genau genommen stammt die Gusspfanne aus dem Besitz der Firma mit dem Namen vonRoll casting (rondez) sa. Daran sieht man, dass diese Ausstellung über die Geschichte der Ludwig Von Roll’schen Eisenwerke den Bogen von den Anfängen des Unternehmens bis zur Diversifikation im 21. Jahrhundert schlägt.

Die Ausstellung ist nicht nur zeitlich, sondern auch geografisch breit angelegt, betrieb die Firma Von Roll doch Zweigniederlassungen an mehreren Orten im und auch ausserhalb des Kantons Solothurn. «Deshalb», betonte Museumsleiter Peter Kaiser an der Vernissage, «ist die Präsentation der Von Roll Eisenwerke im Historischen Museum Olten bedeutend für den ganzen Kanton.

Sie zeigt Objekte, die noch nie in diesen breiten Zusammenhang ausgestellt wurden.» Mit eröffnet wurde die Ausstellung durch Regierungsrat Peter Gomm und Stadtpräsident Ernst Zingg.

Gründer gab Namen

Die Von Roll’schen Eisenwerke tragen den Namen von ihrem Gründer Ludwig von Roll. Sein Vater war noch Feldmarschall gewesen, der sein Vermögen (bis zur Französischen Revolution) in fremden Diensten machte.

Ludwig hingegen war ein aufgeklärter Patrizier, der unternehmerisch tätig wurde, indem er 1798 in Matzendorf eine Fayencefabrik aufbaute. 1810 übernahm er Hochöfen im waldreichen Gänsbrunnen und der Klus, in Gerlafingen baute er eine Textilfabrik in eine Hammerschmiede um.

Mit der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Eisen. 1823 wandelte er seine Firma in eine Aktiengesellschaft um. Die Ludwig Von Roll’sche Eisenwerk AG wuchs, indem sie Konkurrenten übernahm und ausschaltete, aber auch, indem sie in neue Geschäftsfelder expandierte.

Mit Von Roll auf den Weissenstein

Ende der 1940er-Jahre erhielt die Firma Von Roll den Auftrag für eine Luftseilbahn auf den Solothurner Hausberg. Kurz zuvor hatte das Werk in Bern unter Leitung des Chefkonstrukteurs Paul Zuberbühler ein neues Sesselbahnsystem entwickelt. Diese Sesselbahn benötigte nur ein einziges Drahtseil.

Die Weissensteinbahn ist deshalb eine sogenannte Einseilumlaufbahn. Zuberbühlers Patent bestand darin, dass man zweisitzige Hängesessel mit einer Klemme an das umlaufende Seil kuppeln konnte. Das hat den Vorteil, dass die Passagiere ruhig auf einem Sesseli Platz nehmen können, das anschliessend per Drahtseil auf die Reise zur nächsten Station geschickt wird.

Sesselbahnen dieses Modells konnte Von Roll weltweit über 110-mal bauen. Inzwischen ist aber die Sesselbahn Oberdorf–Weissenstein die letzte dieses Typs in der Schweiz. Ob das «Sässeli» auf den Weissenstein überleben wird, ist bekanntlich umstritten.

In der schwergewichtigen Ausstellung – sie zeigt Objekte von gesamthaft über zehn Tonnen Eisen und Stahl – werden die einzelnen Werke und ihre Produkte anschaulich dargestellt. Gleichzeitig berühmt und alltäglich sind die Dohlendeckel oder Hydranten.

Die Produktepalette reicht hin bis zu modernen Hightech-Geräten. Sehenswert ist auch eine Ansicht eines veritablen Von-Roll-Stadtteils, der Giesserei in Olten, die 1866 südlich der Bahnlinie eröffnet, 1984 aber schliesslich wieder stillgelegt wurde.

Urkunde zur Schweizer Geschichte

Die Von Roll AG ist zudem untrennbar verbunden mit einem Wendepunkt in der Schweizer Geschichte der Neuzeit. Auf Initiative von Konrad Ilg, dem damaligen Zentralsekretär des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbandes Smuv, kam 1937 das sogenannte «Friedensabkommen» (Verzicht auf Kampfmassnahmen, Verfahren zur Erledigung von Konflikten, Lohnfindung, Ferienregelung, Mitwirkung der Arbeitnehmenden) zustande.

Verhandlungs- und Vertragspartner der Gewerkschaft war Ernst Dübi. Dübi fungierte als Generaldirektor der Von Roll und Präsident des Arbeitgeberverbandes der Schweizerischen Maschinen- und Metallindustriellen ASM.

Dieser für die Schweizer Geschichte ebenso bedeutende wie umwälzende Vertrag ist in der Ausstellung im Original vorhanden. Diese Urkunde an der Konradstrasse in Olten sehen zu können, ist ebenso rar wie der Schwyzer Bundesbrief in New York.

Eingebettet ist die Ikone in eine Ausstellung zur Solothurner und mithin Schweizer Industriegeschichte, deren Besuch sich auf jeden Fall sehr lohnt.

Die Sonderausstellung «Von Roll Eisenwerk» dauert bis 27. Oktober 2013