Olten
Solothurner Musiklegenden vor der Kamera: Die Musikszene soll auf Film eingefangen werden

Die Solothurner Musikszene hatte ihre Blütenjahre in den 60er, 70er und 80er Jahren. Peter Borer will sie nicht in Vergessenheit geraten lassen: Diesen Sonntag treffen sich Musiker und Fans von damals im Hammer 2 in Olten. Er plant auch einen Dokumentarfilm, der in den nächsten Jahren realisiert werden sollte.

Urs Huber
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The 16 Strings, Pioniere der kantonalen Musikszene in den 1960er-Jahren: Von links Kurt Amrein, Dieter Klein, Jörg Pfändler und Urs Hälg.

The 16 Strings, Pioniere der kantonalen Musikszene in den 1960er-Jahren: Von links Kurt Amrein, Dieter Klein, Jörg Pfändler und Urs Hälg.

zvg

«Nein, von Krokus kann niemand kommen. Die sind anderswo engagiert.» Der das mit leisem Bedauern sagt: Peter Borer, Musiklehrer und Schlagzeuger aus Solothurn. Ein Pfundskerl mit Ambitionen. Der Mann beabsichtigt nämlich, einen Film über die Musiklegenden aus dem Kanton Solothurn zu drehen. Quasi ein filmisches Vademekum der Szene und ihrer Vertreter solls werden. Zeitspanne, so verrät die Einladung, welche zum Stelldichein vor dem Oltner Hammer 2 bittet: 1960 bis 1985. «Auf ein paar Jahre früher oder später kommts mir nicht an», sagt der Solothurner. Am Sonntag rechnet er mit bis zu 100 Gästen. «Und vielleicht werden noch ein paar andere Kiebitze dabei sein», sagt er.

Hammer – nicht zufällig

Der Hammer ist natürlich nicht zufällig Treffpunkt der einstigen und teils noch immer aktiven Musiklegenden. Der Hammer war eben mal der Hammer, um ein kleines Wortspiel zu riskieren. Dort traten Grössen wie Pink Floyd oder Chris Barber, The Kinks oder Tony Sheridan auf. Und auch regionale Nummern waren darunter: The 16 Strings, The Clevers oder The Wood Bees, um nur einige zu nennen. Die und andere will Borer nun am kommenden Sonntag zusammenbringen. Killer, Kaktus, Irrwisch, Hot Stuff, Montezuma, The Shapes, The Babblers, Uhrsprung und andere mehr.

Die Übersicht zu behalten, ist nicht einfach. «Eben drum lad’ ich die Cracks vor den Hammer», sagt Borer. «Damit möglichst niemand vergessen geht.» So steht die Veranstaltung unter der Prämisse: «Weisch no?». «Und natürlich erwarte ihn so nebenbei noch hin und wieder eine Zusatzinformation, wen das Leben zwischenzeitlich wohin verschlagen hat», erzählt der Solothurner.

The 16 Strings – weisch no?

Als Gast im Hammer ganz sicher dabei sein wird der Oltner Klaus Schmuziger (The Wood Bees). «Vielleicht treffe ich jemanden der 16 Strings», so der Architekt. «Das waren unsere Vorbilder damals. Der Bandname ergab sich aus der Saitenzahl der Gitarren.»

Und DJ Tscheisi, alias Heinz Kaiser, so etwas wie das heimliche Wissen vergangener Musikertage, sagt dazu: «The 16 Strings aus Olten waren eine der ersten Schweizer Bands, die in der klassischen Rock-Besetzung spielten.» Bereits Ende der 1950er-Jahre hatten die beiden Schulfreunde Urs Hälg und Jörg Pfändler als ‹Rocking Boys› erste musikalische Gehversuche gewagt. «Spezialität der um 1962 gegründeten Nachfolgeband The 16 Strings waren aber gepflegte Gitarreninstrumentals im Stil der Shadows und Ventures. Mit dieser Mischung und einem erstaunlichen instrumentalen Niveau wurden die Oltner zu den Abräumern an diversen Jekamis und Nachwuchswettbewerben», so Kaiser weiter.

1964, das gilt als verbrieft, konnten sich die 16 Strings als erste Deutschschweizer Gitarrengruppe einen Plattenvertrag sichern. «Doch sie blieben in erster Linie gefragte Live-Attraktion: Mit ihren massgeschneiderten Bühnenanzügen, Kurzhaarschnitten und einem gemässigten Repertoire, in dem bald auch Songs der Beatles, Roy Orbinson und Chuck Berry auftauchten, waren sie vor allem an ‹besseren› Adressen ein gefragtes Attraktionsorchester», so Kaiser. Ende 1966 löste sich die Gruppe auf. «Die waren unangefochten die Nummer 1 auf dem Platz», erinnert sich Schmuziger. «Solothurns Rockherz hat in Olten zu schlagen begonnen, die Solothurner haben die ganze Angelegenheit dann verfeinert.»

Eine Menge Arbeit

Auf Peter Borer wartet eine Menge Arbeit. Nach dem Treffen vor dem Hammer 2 zieht die Karawane in den «Rathskeller» zum Apéro. Oltens Stadtpräsident Martin Wey ist Ehrengast. Im kommenden Jahr will Borer die Produktion beisammen haben. Noch aber fehlen die Produktionsmittel zu weiten Teilen. Borer rechnet mit rund 200 000 Franken. «Bevor ich ein Konzept erstellen kann, muss ich erst wissen, welches Material und welche Leute ich überhaupt vor die Kamera bekomme», sagt er. Und dann redet er wieder vom Hammer 2, das Meeting nennt er schon fast liebevoll Klassentreffen. «Tja, so ein Klassentreffen, das ist eitel Freude ...», sang die Liedermacherin Joana schon 1975. Da wurde eben Irrwisch aus der Taufe gehoben.

Treffpunkt: Sonntag, 5. März, ab 14 Uhr, Hammer 2 in Olten.

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