Urs Bartenschlager, war Gewalt im Spiel bei der Entführung des 12-Jährigen?

Urs Bartenschlager: Wir gehen davon aus, dass er sein Zuhause freiwillig verlassen hat. Gemäss unserem derzeitigen Wissen, war bei seinem Weggang keinerlei Gewalt im Spiel. Ob Gewalt angewendet worden ist, als er mit dem Mann in Düsseldorf zusammen war, werden die Ermittlungen zeigen. 

Man fand beim Jungen eine Strichliste, mit der er offenbar die Tage bis zu seinem Verschwinden zählte. Was hat es damit auf sich?

Ja, diese Strichliste gibt es. Es schien, als würde er sich auf den entsprechenden Tag freuen. Und er hat gegenüber Mitschülern angedeutet, dass er an diesem Tag nicht mehr da sein werde. 

Der Junge kam mit in Internet-Spielen mit dem 35-jährigen Düsseldorfer in Kontakt. Wie lief das genau?

Das ist Gegenstand der Ermittlungen. Bisher deuten die Ermittlungen darauf hin, dass er sich in einem Chat intensiv mit dem Mann ausgetauscht hat. Um welche Spiele es geht, kann ich nicht kommentieren. 

Der Junge ist also in die sogenannte Internet-Falle getappt.

Das ist so, ja. 

Sie haben auch das amerikanische FBI in die Ermittlungen eingeschaltet. Warum?

Es gab einen kleinen Bezug nach Amerika, diesen Draht wollten wir direkt nutzen. Wir gelangten an das FBI, das einzelne Fragen klären konnte. Mehr darf ich dazu derzeit nicht sagen.

Es heisst, der Junge sei wohlauf aufgefunden worden. Was heisst das genau?

Er war auf den ersten Blick körperlich unversehrt, es gibt aber noch genaue Untersuchungen von Ärzten. Das Wiedersehen mit seinen Eltern in Düsseldorf war von sehr grosser Freude geprägt. Er war glücklich, seine Eltern wieder zu sehen.

(26.06.2016)