Am Ende des vierten Detaillistenzirkels von Gewerbe Olten stand ein neuer Termin fest. An diesem will sich Co-Präsidentin Daniela Gaiotto mit Stadtpräsident Martin Wey über den Fahrplan zur Schaffung eines Velo-Lieferdienstes in Olten unterhalten. Inspirieren liessen sich die beiden wie alle anderen Anwesenden im Schauraum an der Ringstrasse von Philipp Keel, der in Solothurn im letzten Jahr den Fahrradkurierdienst Collectors ins Rollen gebracht hat.

Ein Schleppdienst

«Wir sind kein Online-Shop», stellte der 35-jährige Wirtschaftsingenieur gleich zu Beginn seiner Präsentation klar. Collectors versteht sich als Schleppdienst in einem 4,5-km-Radius für Kunden, die zuvor ihre Waren in Läden und auf dem Markt eingekauft haben.

Philipp Keel (2. von links), Daniela Gaiotto (Co-Präsidentin Gewerbe Olten) und Stadtpräsident Martin Wey. Ganz links Moderator Ralph Hubacher.

Philipp Keel (2. von links), Daniela Gaiotto (Co-Präsidentin Gewerbe Olten) und Stadtpräsident Martin Wey. Ganz links Moderator Ralph Hubacher.

Die Kuriere liefern die Einkäufe innert drei Stunden für 6,50 Franken nach Hause, wobei das jeweilige Geschäft 2 Franken übernimmt. Im unlimitierten Jahresabo kostet der Service 250 Franken. Wer die Dienstleistung zum Beispiel im Gegenzug auch fürs Recycling nützen will, ist im Kombiabo mit 300 Franken dabei. Als weitere Geschäftsfelder pflegt Collectors Geschäftslieferungen und nimmt Werbeaufträge wahr.

Ökologisch und sozial

Für den Detailhandel stellt der Velo-Lieferdienst eine günstige Lieferoption mit einer näheren Kundenbindung dar. Wichtige Partner sind auch die Sozialämter, welche oft sehr motivierte Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger als Arbeitskräfte vermitteln. Dadurch fallen bei Collectors keine eigentlichen Lohnkosten an, zudem werden die Angestellten von ProWork betreut, welche in Solothurn die Velostation am Bahnhof betreibt.

«Wir sind als Umweltprojekt gestartet, nun sind wir mindestens so viel ein Sozialprojekt», sagte Philipp Keel. Seit dem Juli 2016 haben die mit 760 Stellenprozenten Beschäftigten 2000 Lieferungen in den Beinen. Mit einem steten weiteren Wachstum soll Collectors im dritten Jahr selbsttragend werden.

Grosses Potenzial

Der Collectors-Gründer ortete für Olten als Pendlerstadt mit einer offenen Bevölkerung ein grosses Potenzial für ein ähnliches Projekt und stiess damit auf offene Ohren. Martin Wey erkannte Oltens Aufholbedarf gegenüber vergleichbaren Städten mit Mobilitätsproblemen. Laut dem Stadtpräsidenten besteht im Hinblick auf die Konkretisierung auch schon ein Draht zur Bildungswerkstätte Oltech.

Nicht ganz das Gelbe vom Ei

Während Nachfrage und Kundenzufriedenheit in Solothurn für die Collectors stimmen, ortete Ralph Hubacher bei der jüngsten Osteraktion des Oltner Gewerbes Verbesserungspotenzial. Der Moderator des Detaillistenzirkels kam mit seiner Aussensicht als «Hofnaar» bei der Golden-Ei-Aktion zu einer gemischten Bilanz. Die Teilnahme von 28 Geschäften und liebevolle Geschenke zur Belohnung der Kundentreue wertete er positiv.

Zu viele Detaillisten hätten aber daraus eine Rabattaktion mehr gemacht, die an einen Verkauf gebunden sei. «Wieso nicht einfach so in den Kunden investieren?», gab Hubacher mit auf den Weg. Auch empfahl er, künftig eine solche Kampagne besser zu inszenieren, auch in den sozialen Medien.