Die Frau an der McDonald’s-Kasse schüttelt den Kopf. «Vegan gibt es bei uns nicht», sagt sie. Mitleidig betrachtet sie die Fragenden. Was für eine komische Idee, im McDonald’s nach Essen ohne Fleisch-, Milch- und Eierprodukte zu suchen.

Mitleid ist eine der vielen Reaktionen, die Leonie Iseli entgegenschlägt, wenn sie sich als Veganerin outet. Unkommentiert bleibt ihr Essverhalten selten. «Mitleid ist wenigstens noch eine freundliche Reaktion», sagt die 22-Jährige aus Kestenholz, die sich seit zwei Jahren vegan ernährt.

Iseli hat sich aus moralischen, ökologischen und gesundheitlichen Gründen für eine Ernährung ohne Tierprodukte entschieden. «Viele Leute fragen mich, ob ich denn genug Proteine zu mir nehme, oder sonst Mangelerscheinungen habe.» Sie lässt ihre Blutwerte regelmässig kontrollieren, es mangelt ihr an nichts. Die Suche nach einem Zmittag ohne tierische Produkte geht weiter.

Veganern wird nachgesagt, dass sie ihre Mitmenschen gern über ihre Essgewohnheiten informieren. Das kann aus Notwendigkeit geschehen. Leonie Iseli muss bei einem Restaurantbesuch zwangsläufig nachfragen, wenn aus der Speisekarte nicht ersichtlich ist, ob ein Gericht vegan ist.

Im Coop-Restaurant erübrigt sich die Fragerei. An der Pastatheke ist ein Menu mit dem Veganlabel gekennzeichnet. «Wir wechseln ab, manchmal haben wir ein vegetarisches oder ein laktosefreies Menu», erklärt der Küchenchef. Gut zu wissen.

Kann man auch in einer währschaften Beiz vegan essen? Im holzigen Interieur der Waadtländerhalle getraut man sich fast nicht, das Wort vegan auszusprechen. Die Angst, mit einer Schinkenkeule davongejagt zu werden, ist gross.

Doch die Köchin verzieht keine Miene, als das v-Wort fällt. «Vegane Gerichte haben wir nicht. Wir haben vielleicht einmal pro Jahr einen Gast, der etwas Veganes möchte.» Sie überlegt. «Eine Rösti könnte ich vegan machen, im Öl anbraten und halt ohne Käse.

Und die Salatsaucen sind auch vegan.» Wirklich? «Also die italienische.» Tierische Produkte sind nicht immer so gut sichtbar wie das Steak neben den Kartoffeln. Wer weiss schon, dass es im Aromat Milchzucker hat?

Cards: vegan vs. vegetarisch

Essen bedeutet Emotionen

Dass Leonie Iseli ihre vegane Ernährung konsequent durchziehen will, stösst oft auf Unverständnis. «Viele nehmen es nicht ernst. ‹Ein bisschen Vanilleglacé wird dich schon nicht umbringen›, heisst es dann.»

Es liege ihr fern, anderen Leuten vorzuschreiben, was sie essen sollten. «Mein Freund isst Fleisch. Natürlich fände ich es schön, wenn er ebenfalls verzichten würde.» Doch das sei kein Trennungsgrund. «Jeder soll für sich selbst ausmachen, was man essen will», sagt sie.

Das Thema Essen sei halt mit vielen Emotionen verbunden. Die Leute würden ihre Entscheidung, auf Tierprodukte zu verzichten, oft als Kritik am eigenen Essverhalten auffassen.

Vor der «Suteria» schüttelt der Kellner entschuldigend den Kopf. Vegane Gerichte gebe es nicht, er könne aber einen Salat anbieten. Das gleiche Spiel wiederholt sich im «Gryffe». Die freundliche Kellnerin verweist auf den Bioladen Grünland.

Wir haben aber keine Lust auf einen schnöden Salat oder Take-away. Entgegen der Meinung vieler Allesesser ernähren sich Veganer nicht vom Gras am Wegrand. Wenn im «Magazin» die richtigen Leute arbeiten, lohnt es sich, nach einem veganen Essen zu fragen.

Der tierfreie Flammkuchen wird mit Sugo statt Sauerrahm zubereitet, drauf gibt es Gemüse, Pilze und Rucola. «Seit ich mich vegan ernähre, geht es mir viel besser», sagt Iseli. Ihre Verdauung funktioniere einwandfrei und sie habe viel mehr Energie. Platz für ein Dessert bleibt allemal.

In der Cupcakes-Laden Hüftgold gibt es leider keine veganen Leckereien. «Das lohnt sich nicht für mich», sagt die Inhaberin mit vielen Entschuldigungen. Ein paar Schritte weiter hüpft das Veganerherz. In der Gelateria der «Suppenstube» können wir aus mehreren veganen Sorten auswählen. Ein erfolgreicher Abschluss für ein gesundes Zmittag ohne Mangelerscheinungen.