Kilian, euer neues Bühnenprogramm «Ausbruch aus dem Strauchelzoo» …

Kilian Ziegler: … hat mit Tieren im Fall nichts zu tun. Nur, falls du das fragen wolltest.

Stimmt. Worum gehts denn?

Um die positive Seite des Strauchelns. In unserer Gesellschaft soll ja möglichst immer alles perfekt sein. Sämi und ich brechen aus diesem Schema aus. Fehler passieren ja sowieso, deshalb nehmen wir sie locker. Und uns selbst auf die Schippe.

Ihr wisst also, wovon ihr sprecht.

Ja, sicher. Ich habe das Gefühl, da geht es uns allen ungefähr gleich. Niemand hat alles im Griff, auch wenn manche Leute so tun. Meine Strategie ist es, offensiv mit dem eigenen Scheitern umzugehen. Ich bin ein Schlendrian und ich mache Witze drüber. Das finde ich viel befreiender, als meine Fehler verschleiern zu wollen.

Wie sieht das auf der Bühne aus?

Das Programm ist um meine Slam-Texte herum aufgebaut, aber wir haben auch Stand-up-Elemente drin. Sämi begleitet mich am Klavier, zwischen Text und Musik ist der Übergang fliessend. Sämi war in «The Phantom of the Apéro» noch so etwas wie mein Sidekick, jetzt im zweiten Programm sind wir gleichwertige Partner.

Was bringt dich zum Straucheln?

Ich strauchle ja ganz wörtlich immer wieder mal, weil ich so ein Träumer bin. Ab und zu bin ich echt unkonzentriert. Meine Agentin nimmt mir zum Glück viel ab, sonst wäre ich nicht so gut organisiert.

Hast du ein Beispiel dafür?

Ich schaue auf die Wetter-App und freue mich, dass es 20 Grad warm wird. Später merke ich dann, dass das die Uhrzeit war. Oder wenn ich einem Meitli an einem Poetry-Slam-Workshop sage, ihr Gesicht sei gut, aber sie solle noch ein bisschen daran feilen.

Uh, bös.

Solche Versprecher passieren mir dauernd. Ich freue mich aber drüber, weil ich mir das dann gleich als Pointe notiere. Im Übrigen versuche ich, ein herzensguter Mensch zu sein. Kannst du das bitte schreiben?

Kann ich. So böse wirkst du jetzt auch wieder nicht.

Die allermeisten Witze, die ich schreibe, sind ja unproblematisch. Die funktionieren bei den meisten Leuten. Aber es gibt schon Pointen, die die Geister total scheiden. Im alten Programm gabs zum Beispiel eine Stelle, wo ich meine Mutter als Multifunktionsgerät beschrieb. Sie fand es megalustig, manche Leute hielten das für sexistisch. Da überlegst du dir schon, was du sagen willst.

Passt du deinen Humor deinem Publikum an?

Es kommt schon drauf an, ob ich an einem Poetry-Slam oder im Kleintheater auftrete. Der Slam ist provokativer, schneller, das Publikum ein anderes. Im Theater sitzen mehr Lehrer und Sozialdemokraten unter den Zuschauern (lacht). Das Programm von «Ausbruch aus dem Strauchelzoo» steht natürlich, aber auch dieses entwickeln wir im Laufe der Spielzeit weiter.

Wie lange habt ihr daran gefeilt?

Die letzten acht Monate, und wir sind noch an den letzten Vorbereitungen. Ich habe ein Atelier in Olten, wo ich mich oft stundenlang zum Schreiben verschanze. Die Leute von der Anwaltskanzlei darüber denken sich wohl: Wer ist der Freak im Keller?

Klingt nach viel Material.

Wir kriegen wohl so zwischen 90 und 100 Minuten hin. Gerade haben wir aber einen 15-Minuten-Block gestrichen, an dem wir gut einen Monat geschrieben haben. Das tut natürlich immer weh. Irgendwann möchte ich mal ein Programm machen mit allem, was ich jemals gestrichen habe. Das zeige ich dann am 50-Jahr-Jubiläum des Seniorentreffs Balsthal oder so.

Wie ist dein Gefühl, so kurz vor der Premiere?

Ich bin sehr aufgeregt. Das meiste, was wir bringen, ist ja neues Material. Aber wenns in die Hose geht, sage ich einfach: Das ist Kunst!