Olten
So ist Olten auf dem nationalen Podest der SBB gelandet

In der Eisenbahnerstadt beschäftigt der Staatsbetrieb schweizweit am drittmeisten Leute. Letztes Jahr im März zogen insgesamt 900 Mitarbeitende in den neuen SBB-Aarepark ein, der aktuell zum grössten SBB-Standort in Olten geworden ist.

Deborah Onnis
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Der SBB-Aarepark direkt beim Bahnhof Olten.

Der SBB-Aarepark direkt beim Bahnhof Olten.

Bruno Kissling

500 Arbeitsplätze von Basel, 170 von Luzern – seit einigen Jahren verlagern die SBB ihre Mitarbeiter fleissig nach Olten. Mittlerweile sind es ohne Arbeitsplätze der Tochtergesellschaften insgesamt 2810 Leute (Stand März 2016), Tendenz steigend. Im schweizweiten Vergleich landet Olten auf dem Podest: Nach Bern (6545 Mitarbeiter) und Zürich (5235) beschäftigen die SBB in Olten somit schweizweit am drittmeisten Mitarbeiter.

Letztes Jahr im März zogen insgesamt 900 Mitarbeitende aus Olten und Luzern in den neuen SBB-Aarepark an der Bahnhofstrasse 12 ein, der aktuell zum grössten SBB-Standort in Olten geworden ist. Die restlichen Mitarbeiter verteilen sich auf 17 weitere Standorte in der Eisenbahnerstadt. Der zweitgrösste Standort ist mit 720 Mitarbeiter dabei das SBB-Werk Olten an der Industriestrasse 153, gefolgt von der Betriebszentrale mit 400 Mitarbeitern an der Gösgerstrasse 18.

Oltner Tagblatt

Während die SBB-Arbeitsplätze in vielen Kantonen wie in Basel-Stadt und Graubünden leicht bis mittelstark abnahmen, nehmen sie im Kanton Solothurn zu. Zwischen 2014 und 2015 um satte 28,7 Prozent, von 2330 auf 3000 Mitarbeiter. Der weit grösste Teil der SBB-Mitarbeiter im Kanton Solothurn arbeitet in Olten.

Olten betrieblich sehr wichtig

Warum aber setzen die SBB stärker auf Olten? Liegt es lediglich an der guten Lage? Im 2012 erklärte sich der damalige Stadtpräsident Ernst Zingg die Verlegung von fast 1000 Arbeitsplätzen nach Olten mit den «guten Kontakten und einer erklärten Bereitschaft zu weitgehender Zusammenarbeit im Rahmen von SBB-Projekten in der Stadt». Und verwies dabei zudem auf die «Bedeutung des Bahnhofs Olten». Kritische Stimmen führten den Aufschwung des Oltner Standorts nicht auf das Angebot, das Olten dem Personal bieten würde, sondern auf praktische Gründe zurück. Es rechne sich: In Olten seien die Büros und das Personal günstiger als in Bern und Basel.

Den Vorwurf streiten die SBB ab: «Olten ist seit je eine Eisenbahnerstadt, seit eh und je gibt es eine tiefe Verbundenheit zwischen Olten und den SBB», sagt Sprecher Oli Dischoe. Olten habe eine betrieblich riesige Bedeutung – vor allem auch, weil sich in Olten die Nord-Süd- und die Ost-West-Achse kreuzen. Die SBB setzten zudem schweizweit auf diverse Standorte.

Kurze Ruhepause

Unabhängig von den Beweggründen der SBB ist der Bahnhof Olten stark. Mit durchschnittlich 78 100 Ein- und Aussteiger pro Werktag ist Olten im Vergleich mit den 10 am stärksten frequentierten Schweizer Bahnhöfen auf Platz 9. Jeden Tag fahren ab 4.48 Uhr morgens bis 1.37 nachts am Bahnhof Olten 557 Züge ab. Der Bahnhof in der Eisenbahnerstadt «schläft» also lediglich 3 Stunden und 11 Minuten – nur 3 Minuten länger als der Bahnhof Bern.

Damit hat sich die Grosszügigkeit der Stadt Olten vor über 160 Jahren gelohnt, als die Gemeindeversammlung der Stadt im Juni 1853 entschied, der damals noch Schweizerischen Centralbahn Hunderte von Hektaren Land gratis für den Bahnhof und die Bahnlinien zur Verfügung zu stellen.