Die Schützi füllte sich zügig, als sich am Freitag die Türen für den Final der 13. Trilogie «laut & deutlich» öffneten. Bereits in der Vorwoche waren Empfehlungen zu hören, der Anlass werde gut besucht sein und man solle besser die Tickets im Vorverkauf holen. Kein einziger freier Sitzplatz war mehr zu sehen, als der Bündner «NOXX» sein erstes Lied anstimmte und sich alle bereit machten für einen Abend voller lustiger, nachdenklicher, schneller und langsamer Texte in Mundart und Hochdeutsch.

Gestartet wurde wie an vielen Slams: Die Moderatoren Fabi N. Käppeli und Kilian Ziegler erläuterten das Prozedere und die Regeln. Erstens muss der Text selbst geschrieben sein, zweitens dürfen keine Requisiten verwendet werden und drittens beträgt das Zeitlimit (in diesem Fall) sechs Minuten. Bewertet wurden die Texte von sieben zufällig ausgewählten Personen aus dem Publikum.

Sprachliche Abwechslung

Tradition des Slams ist das Opferlamm. Ein Künstler trägt ausser Konkurrenz einen Text vor und wärmt so das Publikum und die Jury auf. So soll der Erstantretende keinen Nachteil haben. Am Freitag übernahm diesen Part Moderator Kilian Ziegler gleich selbst. Als erster Slam Poet im Wettbewerb trat Arne Poeck aus Hamburg an. Er absolvierte an diesem Abend seinen 1003. Slam und brachte mit viel Lautmalerei ein Stück Norddeutschland in die Schützi.

Darauf folgte Toby Hoffmann, der mit ruhiger, tiefer Stimme die Fragen diskutierte: «Über was soll man reden?» und «Was kann in fünf Minuten passieren?» Lorenz B. hingegen setzte sich mit dem Gleich- und Verschiedensein auseinander: «Besch verschiede oder glich, besch arm oder rich, besch no warm oder besch scho e lich?» Ähnlich kritisch betrachtete Dominik Muheim, ausgehend von einer perfekt geschmierten Konfi-Schnitte, die Welt, wo sogar Kinder schon Burnouts haben und Grossmütter sich Patenkinder aus Südamerika am Bahnhof kaufen.

Auf den Basler Dialekt folgte breites Berndeutsch. Christoph Simon erklärte, wieso seine Grossmutter nicht noch einmal jung sein möchte und meinte dann: «Wenn di vo so öppis lohsch lo fertig mache, stirbsch schnäuer aus e Poschtfiliale ufem Land». Nik Salsflausen meinte, man könnte schöne Menschen beleidigen, da sich diese nicht beklagen und stellte fest: Symmetrie ist nur vertikal schön.

Bloss eine Frau

Schliesslich folgte mit Olga Lakritz die einzige Slammerin des Abends. Zum Weltfrauentag trug sie einen Text mit dem Titel «Frauen prügeln öfters» vor, in dem es darum geht, wie sich eine Zürcherin verändert, weil sie in Biel wohnt: «Vor allem prügle ich mich selbst nicht mehr in ein Bild von Weiblichkeit, in das ich noch nie reingepasst habe. Gregor Stäheli führte ein Gespräch mit seinem imaginären Mitbewohner zum Thema «Spirit Animals», das den ganzen Saal zum lachen brachte. Als letzter Slammer der Vorrunde trat Marvin Suckut auf. Er trug seinen Text über Weihnachten in einem Tempo vor, das so manchen Rapper neidisch machen kann.

Den Final des Abends bestritten dann Dominik Muheim, Marvin Suckut und Nik Salsflausen. Dabei entschied die Lautstärke des Applauses, wer den Sieg und somit die Flasche Whisky nach Hause tragen konnte. Die tosende Schützi entschied sich für Marvin Suckut. Dieser war somit nicht nur Sieger des Freitagabends, sondern auch Sieger der ganzen Slam-Trilogie.
Die Oltner Trilogie, in ihrem Aufbau einzigartig, funktioniert so, dass die Ränge eins bis drei von den ersten beiden Abenden zum Finale eingeladen sind.

Ansonsten schaut Rainer von Arx, zuständig für das Booking bei Art.ig darauf, dass jeweils drei Frauen und zwei Poeten, die noch nie in Olten waren, im Line-up sind. Er bedauerte es, dass es mit der Frauenvertretung ausgerechnet am Weltfrauentag nicht geklappt hat, doch gegen kurzfristige Absagen kann auch die beste Absicht nichts ausrichten.