Hazel Brugger machte für einmal nicht das Rennen, aber nötig hat sie das ja längst nicht mehr. An der Sprungfeder im Rahmen der Oltner Kabarett-Tage zeigte sich die «böseste Frau der Schweiz» gewohnt sarkastisch und pointiert, was das Publikum durchaus zu goutieren wusste.

Dennoch siegte schliesslich der Basler Dominik Muheim, der die Zuhörer mit alltäglich-absurden Geschichten für sich einnehmen konnte.

Ein Trio im verbalen Infight

Aydin Isik war der Dritte im Bunde der Künstler, die am Donnerstagabend in der Schützi gegeneinander antraten. Jeweils eine halbe Stunde versuchte jeder der drei Kabarettisten, die Anwesenden vom eigenen komödiantischen Talent zu überzeugen.

Das Publikum und eine Jury bestehend aus Journalisten, Kabarettisten und dem Programmteam der Kabarett-Tage wählte anschliessend schriftlich, wem am Freitag der Kabarett-Cocktail im Stadttheater gebührte. Der deutsche Kabarettist Ingo Börchers, der durch den Abend führte, bot zudem eine gelungene Dreingabe zum unterhaltsamen Programm.

Brugger legte los. Vor der 22-Jährigen, die sich von der Slam-Bühne aufs mediale Parkett katapultierte – sie ist im ganzen deutschsprachigen Raum auf Bühnen und in den Medien präsent – ist bekanntlich keiner sicher. Auch nicht sie selbst. Ihre fehlende Weiblichkeit sei daran schuld, dass sie Humor entwickelt habe, die «Behinderung Humor» der Grund, warum sie Kleinkunst mache.

Von epilierten Koalabären schlug sie den Bogen zu unerigierten Penissen und Selecta-Automaten, an denen laut Statistik jährlich zehn Leute stürben. Weil sie von der Natur den Auftrag der natürlichen Selektion erhalten hätten, die zehn dümmsten Menschen gleich mal auszusortieren. Ihre abschliessende Bitte ans Publikum: «Schön, dass Sie zügt worde sind. Aber wänn sie nöd so cool sind, tüend sie doch bitte verhüete.»

Fahrt aufnehmen zum Schluss

Zum anschliessenden Auftritt des Kölner Schauspielers, Regisseurs und Kabarettisten Aydin Isik meinte ein Zuschauer: «Er war sehr gut, aber am Anfang hat er mich nicht so überzeugt.» Tatsächlich nahm seine Darbietung erst gegen Schluss Fahrt auf.

Zu Beginn referierte er über die Religion, was zwar stellenweise für Lacher sorgte, jedoch über weite Strecken bemüht wirkte. Als er hingegen den Türken Kenan aus Kreuzberg mimte, überzeugte er voll (oh Ironie?). Dessen eigenwillige Analyse des Erlkönigs von –«Wie heisst der Penner? Ah ja, Goethe» – traf bei den «Opfern» im Publikum voll ins Schwarze.

Über das Erwachsenwerden

Der Slampoet Dominik Muheim aus Baselland schliesslich wählte einen komplett anderen Zugang. Der 23-Jährige, der vergangenes Jahr das Kabarett-Casting gewonnen hatte, erzählte gemeinsam mit seinem Bühnenpartner Sanjiv Channa in erster Linie eine Geschichte.

Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, gespickt mit Elementen der Slam-Poesie und absurden Beobachtungen und Begegnungen aus dem Alltag. Hintersinnig und genau hingeschaut, leiser und philosophischer als das seiner Konkurrenten, zielte sein Programm gar nicht so sehr auf Lacher ab. Eher auf ein Sich-Wiedererkennen im Erzählten. Dafür wurde er mit dem Sieg belohnt.