Olten
Slam Poet begeistert mit erstem abendfüllenden Programm das Publikum

Kilian Ziegler präsentierte im Theaterstudio in Olten sein erstes abendfüllendes Programm. Nach anfänglicher Nervosität hatte der bekannte Slampoet aus Trimbach sein Publikum bald einmal im Sack.

Trudi Stadelmann
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Kilian Ziegler spielt in der Vario Bar mit Wörtern. REMO FROEHLICHER

Kilian Ziegler spielt in der Vario Bar mit Wörtern. REMO FROEHLICHER

Als Slampoet hat sich Kilian Ziegler längst einen Namen im deutschsprachigen Raum gemacht. Nachdem er im Frühjahr im Zofinger Ox, zusammen mit dem Pianisten Samuel Blatter, einen ersten Versuch mit einem abendfüllenden Programm gewagt hatte, arbeiteten sie in den letzten Monaten am Feinschliff. Zu beweisen war, dass ein Slam Poet in der Lage ist, das Publikum auch mit einem Hauptprogramm in seinen Bann zu ziehen.

An einem Poetry Slam treffen sich die Künstler zu einem Wettbewerb. Während fünf Minuten versuchen sie, die Gunst der Jury und des Publikums zu gewinnen. Ganz anders sind die Vorzeichen, wenn der Poet mit seinen Texten einen ganzen Abend füllen muss. Kilian Ziegler war seine Nervosität in den ersten Minuten denn auch anzumerken. Mit seinen Texten hatte er das Publikum schon nach kurzer Zeit auf seiner Seite. Dies liegt sicher auch an seiner grossartigen Bühnenpräsenz und dem steten Augenkontakt mit den Gästen. Ziegler ist ein brillanter Wortjongleur und Sprachakrobat.

Lehrer- und Walliserbashing

Er erzählt von seinen Auftritten bei Apéros, die ihren Ursprung im Cüplischwur haben, der anno 1291 von den drei Speisgenossen geleistet wurde. Die drei Speisgenossen, die da seien: Werner Stauffacher, Walter Fürst und Betty Bossy. Zwischen den Beschreibungen über die Apéros trug Ziegler seine Texte vor, die teilweise auch schon an Slam Contests zu hören waren. So fühle er sich in seinem Studentenleben oft als partnerloses Reh, er habe keinen Bock.

Nun tingle er von Apéro zu Apéro, stets begleitet vom Pianisten Samuel Blatter. Die beiden ergänzen sich perfekt, reagieren gekonnt auf Stichworte. So als Ziegler von einem Mann erzählt, der Kinder gar nicht mag und sich wünscht, es gäbe eine Maschine, die die kleinen Plagegeister zerstört. «Die gibt es schon, die Schule nämlich.» Hier zeigen sich seine etwas stereotypen Feindbilder: Weder Lehrer noch Walliser kommen bei ihm gut weg, und das wirkt auf die Dauer bemühend. Stark sind seine Überlegungen über das Paradoxe in der Welt: Warum bittet ein Seitensprungservice Treuerabatt an, und warum gehen wir zu Ikea, um Hot Dogs zu geniessen und bestellen beim Bäcker Canapés? Auch wenn einige seiner Wortspiele zwischendurch ins Kalauerhafte abgleiten, Ziegler bietet feine Sprachspiele.

Traumhaus mit Härdöpfustock

Obwohl auch er über moderne Kommunikationsmittel wie iPad und Smartphone verfügt, startet er einen Aufruf zu mehr zwischenmenschlicher Kontaktaufnahme. Wozu all die Elektronik? Seine Mutter sei sein Multifunktionsgerät. Der junge Trimbacher hat auch Träume, er stellt sich sein Traumhaus vor, dass so schön sein werde, dass er Bilder davon den Obdachlosen schenken werde. Hier blitzt schwarzer Humor auf, der einem das Lachen im Hals stecken bleiben lässt. Lange bleibt es aber nicht ruhig im Zuschauerraum, wenn er beschreibt, wie eine Etage mit Kartoffeln gefüllt sein werde, dies sei dann sein «Härdöpfustock». Was mit schallendem Gelächter belohnt wird.

Er macht sich auch Gedanken über seine Zukunft, wenn es keine Auftritte an Apéros mehr gibt, seine persönliche Apérokalypse sozusagen. Nach der Premiere zeigte sich ein sichtlich zufriedener Kilian Ziegler in der Garderobe. Das Poetrycontestpublikum ist immer ehrlich und manchmal auch gnadenlos. Am Samstagabend war es schlicht und einfach begeistert von dem Können Zieglers. Der junge Slam Poet hat einiges gewagt und viel gewonnen.