Olten

«s’Lädeli» ist zu – dem Quartierlädeli fehlten Kunden

Die Regale sind leer: Priska Eggenschwiler ging im Schöngrund-Quartier die Kundschaft aus.

Die Regale sind leer: Priska Eggenschwiler ging im Schöngrund-Quartier die Kundschaft aus.

«s’Lädeli» von Priska Eggenschwiler ist zu – und mit ihm ein Treff im Schöngrundquartier. 14 Jahre hat Priska Eggenschwiler in ihrem Lädeli die Quartierbewohner mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt.

Ihre Kinder hätten dort die ersten Erfahrungen gemacht, selber einzukaufen, sagt Quartierbewohnerin Heide Troitzsch. «Sie waren sehr stolz, als sie das erste Mal alleine bezahlen konnten.» Zudem sei der Lebensmittelladen zeitsparend gewesen, weil man nicht ständig in die Innenstadt rennen musste.

Sie ist nicht die einzige Kundin, die es bedauert, dass «s’Lädeli» von Priska Eggenschwiler an der Schöngrundstrasse 58 Ende September endgültig dichtgemacht hat. «Schade», sagt ein älterer Herr, als er vorbeilaufend grüsst. Eggenschwiler steht an diesem späten Nachmittag im Lädeli und hilft einem Handwerker, der ihre Kühlmaschine ausbaut.

Damit gibt es im Schöngrund-Quartier keinen Laden mehr für die Sachen des täglichen Bedarfs. Und auch keinen inoffiziellen Quartiertreff, wo sich die junge Mutter mit ihrem Kind und der Senior bisher begegnet sind und einen Schwatz hielten. Bereits per Ende Juni hat die Bäckerei Blum nach 83 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb aufgegeben.

Das Quartier hat sich verändert

Eggenschwiler gibt denselben Grund an, wieso sie «s’Lädeli» nach 14 Jahren definitiv schliesst. Das Geschäft habe einfach nicht mehr rentiert. «Einen Lohn habe ich mir schon lange nicht mehr ausbezahlt», sagt die zierliche Frau, die ebenfalls im Schöngrund-Quartier wohnt.

Rückblickend sagt sie, dass sie schon viel früher hätte aufhören sollen. Viel länger hätte sie eh nicht mehr gemacht. Am 1. Januar 2017 wird sie 64 Jahre alt und geht in Pension. Derzeit will sie die Ladeneinrichtung noch verkaufen, weil das gemietete Lokal von den Eigentümern privat weitergenutzt wird. Ein Lädeli gibt es damit nicht mehr.

Priska Eggenschwiler will über das Schicksal ihres Lädelis nicht gross lamentieren. Es sei halt heutzutage so, dass viele Leute ihre Produkte des täglichen Bedarfs beim Grossverteiler oder online einkauften, sagt die 63-Jährige, die bisher keinen eigenen Computer besitzt.

Aber auch im Quartier gibt es einen Generationenwechsel. Die Alten stürben weg und ihre Häuser würden an die Jungen weitergegeben oder verkauft. «Während des Tages ist das Quartier praktisch tot, weil viele auswärts sind.»

Vor 14 Jahren, als sie das Lädeli von ihrer Vorgängerin übernommen hatte, lief das Geschäft noch bestens. Sie hatte einen guten Umsatz, viel Kundschaft und mit der Usego einen grossen Lieferanten ihrer Produkte. Doch nachdem es mit der Usego vor rund zehn Jahren bachab ging und das Unternehmen die unabhängigen Detailhändler nicht mehr belieferte, musste sich Eggenschwiler umstellen.

Gegen Ende bezog sie ihre Produkte von 19 verschiedenen Lieferanten – dies teilweise zu viel schlechteren Konditionen als früher. «Ich konnte meinen Kunden keine Aktionen anbieten wie die Grossverteiler.»

Bis zum Schluss hätte sie aber eine treue Stammkundschaft gehabt. Und einige ältere Leute, die einen Grossteil ihres Bedarfs noch bei ihr im Lädeli einkauften. Auch wenn das Sortiment immer kleiner wurde und einige Regale schon halb leer standen.

Geschenke zum Abschied

Am Abend des letzten Arbeitstages am Freitag, 30. September, gab es für die Betreiberin des Quartierladens einen versöhnlichen Abschluss mit ihren Stammkunden: Diese hatten ihr die Regale leergekauft und brachten Blumen, Karten und Geschenke mit. Eggenschwiler hat zwar nun ihr Lädeli nicht mehr, aber inzwischen viele gute Freunde gewonnen.

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