Kann sein, dass der eine oder andere der fast 100 Gäste auf dem Weg zum «Championstreffen» Melodie und Text des Beatles-Stück «Michelle» auf den Lippen trug. Eben in Erwartung dessen, was da kommen sollte.

Und dann stand sie da, leibhaftig: die alpine Kombinationsvizeweltmeisterin der Damen von St. Moritz. Mit ihren angedeuteten Zapfenlocken wäre sie neben Marc Thommen am gestrigen Event im Magazin für Aussenstehende kaum mehr wieder zu erkennen gewesen, hätte da nicht die Medaille um ihren Hals gehangen. Doch sie wars.

Michelle Gisin, 23, ist seit drei Jahren mit der W. Thommen AG so etwas wie liiert. Der Immobilien-Player aus Olten tritt nämlich als Helmsponsor Gisins auf und kam zu diesem Engagement eigentlich eher zufällig, quasi wie die Jungfrau zum Kind. Ein Freund habe ihn ins Engagement geschubst, so der Unternehmer launig.

«Aber wir wurden schnell handelseinig» erzählte Thommen weiter, der sich das Engagement eine fünfstellige Summe kosten lässt. Mehr will er dazu nicht preisgeben. «Es ist eine ausgezeichnete Zusammenarbeit», meint er noch. Inwieweit die Sponsortätigkeit etwas generiere, sei nicht auszumachen. «Das Engagement – eine Herzensangelegenheit» weiss Thommen. Dabei gewinne man Einblicke ins Umfeld der Spitzensportler. «Alles sehr interessant und menschlich bereichernd», so Thommen.

Beste Saison in Thommen-Ära

Fernsehmoderator Sascha Ruefer brachte dann das Ski Ass, welchem Sprachgewandtheit und Herzlichkeit nachgesagt wird, zum Sprechen. Zu Recht. Von der bislang besten Saison in Thommen-Zeiten war da die Rede, von der Unterstützung durch die ganze Familie, speziell aber durch Schwester Dominique und Bruder Marc, beide eng mit dem Skisport verbunden.

Und natürlich durfte der Moment in St. Moritz, die gewonnene Silbermedaille, nicht fehlen. «Ich find’ dafür noch heute kaum Worte», so Gisin. Aber es sei cool gewesen, einschliesslich das folgende Zusammentreffen mit Roger Federer. Unbeschreiblich. Aber die Sache hat auch einen Preis. Seit sich Michelle Gisin in Speed-Disziplinen misst, leidet Mutter Bea. Das Risiko fährt mit, das weiss man. Hauptsache, die Protagonistin hat keine Angst: «Nein, die fährt nicht mit. Wer sich fürchtet, der ist am falschen Platz,» sagt sie.

Wer mit 120 Sachen über weisse Hänge blocht oder zwischen Slalomstangen oszilliert, kennt St. Moritz, Levi, Sestriere, Flachau oder Sölden. Aber Olten? Michelle Gisin sucht nicht lange nach einer schmeichelhaften Antwort, sinniert nicht eine halbe Minute, bis ihr allenfalls doch noch Maler Martin Disteli einfällt. «Olten kenn ich vor allem wegen des Sponsorings», sagt sie.

Und das tönt keineswegs uncharmant. Erst war Alpiq als Sponsor dran, dann Thommen. Sie schmunzelt. Und den Bahnhof kennt sie auch. «Da bin ich schon oft durchgefahren», berichtet sie heiter. Man nimmt ihr das nicht krumm; bestimmt nicht. Man mag sie und ihre herzliche Direktheit. Wie hiess doch der Songtext noch mal? Genau. «Michelle, ma belle, these are words that go together well, my Michelle.»