Olten

Sinfonieorchester zeigt sich stets von seiner besten Seite

Das Stadtorchester Olten mit dem Solisten Christoph Croisé (Bildmitte vorne), der schon mit 17 Jahren in New Yorks Carnegie Hall auftrat.

Das Stadtorchester Olten mit dem Solisten Christoph Croisé (Bildmitte vorne), der schon mit 17 Jahren in New Yorks Carnegie Hall auftrat.

Das Sinfoniekonzert des Oltner Stadtorchesters stand ganz im Zeichen romantischer Orchestermusik.

Vor Beginn des Konzertes erinnerte Orchestermitglied Sämi Ludwig in einer kurzen Würdigung an Curt Conzelmann, der am 1. November im Alter von 98 Jahren gestorben ist. Von 1983 bis 1999 war er Dirigent des Stadtorchesters. Als Mitglied des Tonhalle-Orchesters Zürich und als Musikschulleiter in Olten hat er dem musikalischen Leben der Stadt entscheidende Impulse gegeben.

Mit energischen Schlägen des Orchesters wurde «Le Pas des Fleurs», das Walzer-Intermezzo aus Léo Delibes Ballett «Naïla» eingeleitet. Erst zögerlich entwickelt sich daraus die zärtliche Melodie des Walzers. Delibes (1836– 1891) hat zur Hochblüte des Walzers gelebt und durfte vor allem als Komponist von Ballettmusik Welterfolge feiern. Dieses Werk stellt für ein Laienorchester eine grosse Herausforderung dar. Die neckischen Einwürfe der Holzbläser und der sonore, homogene Klang der Celli und Bässe machten es zu einem Leckerbissen.

Begleitung als Herausforderung

Es ist für die Orchesterleute ebenfalls eine grosse Herausforderung, einen Solisten zu begleiten. Einfühlsam und präzis gelang dies im Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll, dem Opus 33 von Camille Saint-Saëns (1835–1921). Ohne Einleitung setzt der Solist gleich im ersten Takt mit dem ersten Thema ein. Schnell folgen andere Themen in unterschiedlichsten Stimmungen. Fein klangen dabei die sehr gefühlvoll interpretierten romantischen Zwischenspiele des Orchesters.

Dieses Cellokonzert ist bei den Solisten heute noch beliebt, weil es alle Möglichkeiten des Instrumentes zur Geltung bringt. Nebst vielen gesanglichen Stellen in tiefen und hohen Lagen sind auch virtuose grifftechnische Kunststücke zu bewältigen. Der erstaunliche Tonumfang des Instrumentes wird bis zum höchsten Flageolett-Ton ausgereizt.

Der 23-jährige Christoph Croisé hat bereits mit 17 Jahren in der New Yorker Carnegie Hall konzertiert. Seither bereist er die Welt als Solist, spielt mit namhaften Orchestern und Musikern zusammen und sammelt an Wettbewerben für Violoncello erste Preise. Grosse Spielfreude zeigte er auch in Olten, wo er das Zusammenspiel sichtlich geniessen konnte. Mit grosser musikalischer Reife in den Kantilenen und kontrastreichen energischen Einsätzen schaffte er es, diesem Werk den gebührenden Glanz zu verleihen. Die vielen virtuosen Klippen bewältigte er mit Leichtigkeit. Als Zugabe überraschte Croisé das begeisterte Publikum mit «Stonehenge», einer modernen Komposition des ungarischen Cellisten Péter Pejtsik (*1968), die sein Können erst recht zur Geltung brachte.

Nach der Pause erklang die 3. Sinfonie in a-Moll von Felix Mendelssohn–Bartholdy (1809–1847). Als 20-jähriger hatte er eine Bildungsreise nach Schottland gemacht, wo ihn die unberührte, herbe Natur besonders beeindruckte. Auch vom düsteren Königsschloss «Holyrood» schrieb er nach Hause, tief betroffen vom Schicksal Mary Stuarts.

In dieser «Schottischen Sinfonie» zeigte sich das Oltner Orchester nochmals von seiner besten Seite. Lebhaft dirigierend brachte André Froelicher die Dynamik an die Grenzen und hielt die Tempi in Schwung, sodass die beliebte Komposition zum Genuss für die Zuhörer wurde. Nach der Dramatik im ersten Satz folgte der zweite mit wohlklingenden Klarinetten. Im dritten Satz glänzten die Hörner und die Bläser allgemein im Trauermarsch. Dramatisch und triumphal gelang auch der Schlusssatz.

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