Oltner Stadtratswahlen
Simon Gomm, der Optimist

Der Jungpolitiker Simon Gomm versteht ein Stadtratsmandat interdisziplinär.

Urs Huber
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Simon Gomm (26) im «Galicia», wo er die unkomplizierte Atmosphäre schätzt.

Simon Gomm (26) im «Galicia», wo er die unkomplizierte Atmosphäre schätzt.

Bruno Kissling

Der Vater habe vor dem «verheizen» gewarnt, die Mutter seine Kandidatur als «mutig» bezeichnet. Simon Gomm erzählt das nicht ohne Heiterkeit. Er stammt aus einem SP-geprägten Haus, wo Politik zum «täglich Brot» gehört, wie man so sagt. Der roten Farbe ist der 26-jährige Stadtratskandidat treu geblieben. «Ich hätte mir nie eine andere vorstellen können», sagt Gomm, seit einem knappen Jahr Co-Präsident der Jungen SP, verheiratet und Vater einer Tochter. Trotz oder gerade wegen der selben Einfärbung gibts Zuhause, quasi im Stammhaus des Kandidaten, immer wieder intensive Diskussionen.

Mit Vater und Regierungsrat Peter Gomm «sind sie am intensivsten und bis zur Übereinstimmung fehlt jeweils meist nur ein Haar,» sagt der Sohn. Aber bekanntlich machen die feinen unüberwindbar scheinenden Unterschiede den Reiz aus. In kontroversen Diskussionen mit seiner politisch nicht organisierten Schwester schärfe er das eigene Profil, weiss Gomm junior, der politisieren im Übrigen als sein Hobby bezeichnet. «Neben Familie, Studium und Parteiarbeit hat nur wenig anderes Platz», sagt er noch.

Mit 26 Lenzen Stadtrat werden wollen – brauchts dazu Überwindung? Der Student der Pädagogischen Hochschule Bern schüttelt den Kopf. «Überhaupt nicht.» Und als wolle er den Fragesteller noch herausfordern, erzählt er, bereits vor zwei Jahren mit dem Gedanken einer Kandidatur gespielt zu haben. «Zum einen sind wir von der Jungen SP berechtigt, eine oder mehrere Kandidaturen zu stellen. Und zum zweiten sind wir nicht immer ganz glücklich mit der eigentlich rot-grünen Mehrheit im Stadtrat.»

Die zehn Kandidaten unter der Lupe

In loser Folge berichtet das Oltner Tagblatt bis Mitte Februar in einer Porträtserie über die fünf Frauen und fünf Männer, die sich für die fünf Oltner Stadtratssitze bewerben.
Wie stehen sie zur Stadtteilverbindung ins Quartier Olten SüdWest? Sollen die Christkatholiken für die Sanierung der Stadtkirche einen Zustupf aus der Stadtkasse erhalten? Finden sich in der Stadt genügend Parkplätze? Oder wie halten es die Kandidierenden mit möglichen Steuererhöhungen?

Zu Wort kommen aber nicht nur die Kandidierenden selbst, sondern auch deren Lebenspartner.

Gomm illustriert diese Verwerfungen an zwei Beispielen: die ursprüngliche Absicht der Exekutive, das Jugendkulturhaus Provisorium 8 und den sozialen Wohnungsbau fallen zu lassen. Ersteres konnte (vorläufig) verhindert werden. Letzteres nicht. Das Volk wollte es anders, nachdem die Junge SP Region Olten gegen den stadträtlichen Entscheid das Referendum ergriffen hatte.

Ein demokratischer Sozialist

«Wissen Sie, ich bin Optimist», sagt Gomm. Und als solcher ein demokratischer Sozialist, der identitätsstiftende Nationalstaaten als Auslaufmodell bezeichnet. Ein Kosmopolit, der in Olten bleibt. «Hier kann ich mich einfach am besten ärgern», erklärt Gomm und beschreibt dann die Dreifaltigkeit seiner Existenz in Kurzform. «In Olten geboren, in Olten aufgewachsen, in Olten geblieben.» Aber den identitätsstiftenden Nationalstaaten zum Trotz: Die Schweiz sei eigentlich für demokratischen Sozialismus noch nicht mal ein schlechtes Beispiel. Dass sich eine Gesellschaft ein solches System auch leisten können müsse, bestreitet er keinen Moment.

Stark heruntergebrochen: das sei eine Frage der Umverteilungsbereitschaft und des Willens zur Solidarität. Gomm zählt auf Mitwirkung. Was wunder, ist er mit dem Wegfall fast aller Kommissionen in Olten nicht einverstanden, ebenso wenig mit der Verkleinerung des Parlaments. «Ich wär gar für ein grösseres eingestanden. Mehr Mitwirkende bedeuten eine grössere Trägerschaft, Meinungsvielfalt, Basis», sagt er. Der Idee, das parlamentarische Modell durch jenes der Gemeindeversammlung zu ersetzen, kann die angehende Lehrkraft Sekundarstufe I nicht viel abgewinnen. «Es sei denn, es würden jährlich zehn Gemeindeversammlungen stattfinden», lacht er.

Affinität für Stadtentwicklung

Würde er Stadtrat, möchte der Jungpolitiker direktionsübergreifend agieren. Deswegen ist die Frage, welche Direktion er übernehmen möchte, nicht so entscheidend. Gomm zählt auf interdisziplinäres Schaffen. «Am meisten interessieren mich Fragen zur allgemeinen Stadtentwicklung, die ja nicht nur bedingt ist durch Infrastruktur, sondern auch durch organisatorische und ideelle Massnahmen.» Auf die Stadt kämen viele gewichtige Projekte zu, beispielsweise die Umgestaltung des Bahnhofplatzes. Gleichzeitig müsse aber auch für neuen Schulraum gesorgt und beschlossene Projekte wie Andaare endlich umgesetzt werden. Gomm will gestalten und nicht nur verwalten, wie er so schön sagt. Wobei er damit nichts gegen eine gute Verwaltung gesagt haben will.

Das sagt die Ehefrau

Stärke: «Mein Mann begegnet allen Menschen in gleicher Weise und behandelt sie auch alle gleich.»

Schwäche:
«Da er sorgfältig arbeitet, dauert es manchmal länger, bis er mit einer Sache fertig ist.»

Als Generalist, und so versteht sich der Mann, will er das Ganze im Auge behalten, mit Betonung auf das Ganze. «Spezialisten sind wichtig, agieren aber oft nur in ihren eigenen Bereichen», sagt er. Die Aufgabe des Generalisten sei es, die unterschiedlichsten Bereiche in einen Kontext einzubetten und sie so Teil eines gleichgewichtigen Ganzen werden zu lassen. Drei bis vier Amtsperioden sollte ein Stadtrat schon wirken können, findet Gomm. «Veränderungen brauchen Zeit», reicht er nach – und er redet dabei wie ein erfahrener Polit-Saurier.

Aber dann brauche es frische Kräfte. Der Zeitgeist, die veränderte Wahrnehmung; man versteht.Ob er als «Gomm» einen Bonus geniesse? Der Name gebe schon einen gewissen Vorsprung, sagt er. «Doch den muss man dann auch rechtfertigen», hält er gleich im nächsten Atemzug fest. Aber, wie gesagt, er sei Optimist und die Bemerkung seines Gegenübers, Optimist zu sein sei keine Kunst, Optimist zu bleiben dagegen schon, quittiert er mit einem leisen Lächeln. «Ich weiss», sagt er.

Ja oder Nein?

Persönlich

Glauben Sie an Gott oder eine sonstige höhere Macht? Nein.
Zahlen Sie Kirchensteuern? Nein.
Spenden Sie regelmässig für wohltätige Organisationen? Nein, mir fehlen die Mittel.
Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht? Ja, ich rauchte Zigaretten.
Trinken Sie Alkohol? Ja, bevorzugt Bier.
Lesen Sie Bücher? Wenig, bin mehr am Feuilleton interessiert.
Kaufen Sie Bio-Lebensmittel ein? Ja, Gemüse etwa.
Haben Sie Haustiere? Nein.
Kaufen Sie ab und zu Waren online ein? Ja, digitale Medien.
Gehen Sie regelmässig ins Ausland einkaufen? Nein.


Politisches

Braucht es eine neue Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest? Ja.
Muss die Stadt Olten den Steuerfuss für natürliche Personen von bisher 108 Prozent erhöhen? Ja, und das gleichermassen für juristische Personen.
Soll die Stadtkirche für die Renovation einen Beitrag der Stadt erhalten? Nein, die Christkatholiken sind eine Körperschaft mit eigener Steuerhoheit.
Ist die Parkplatzsituation in Olten zufriedenstellend? Nein, es braucht ein Parkleitsystem.
Müsste die Winkelunterführung von Grund auf neu geplant werden? Ja, ist aber eine ganz schwierige Sache.
Soll die Stadt Olten mit umliegenden Gemeinden fusionieren? Ja, vorerst mit Anrainern wie Starrkirch-Wil, Trimbach und Wangen, später mit Dulliken.
Sollen Tagesstrukturen wie Mittagstische oder Aufgabenhilfe flächendeckend in ganz Olten eingeführt werden? Ja.